SPD Adlkofen

Ziel bleibt die Artenvielfalt

Veröffentlicht am 21.04.2016 in Landwirtschaft & Forsten

Fischereiverband Niederbayern im Gespräch mit der SPD auf Europa-, Bundes- und Landesebene
Deggendorf
. Im Bezirksfischereiverband Niederbayern sind 110 Vereine mit rund 25 000 Mitgliedern organisiert. Der Verband vertritt eine gewässerreiche Region: Donau, Isar und Inn sind die größte Flüsse. „Wir sind stolz auf die Artenvielfalt“, sagt Geschäftsführer Jörg Kuhn. 52 unterschiedliche Fischarten leben im niederbayerischen Abschnitt der Donau, ein Rekordwert. „Wir sind Spitzenreiter im mitteleuropäischen Bereich.“


Den Dialog mit den niederbayerischen Fischern hat jetzt die SPD mit Vertretern aller politischer Ebenen gesucht. Im Gasthaus Laurin im Ruderhaus kamen gestern MdB Florian Pronold, Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt und Bau, MdB Rita Hagl-Kehl, Europaabgeordnete Maria Noichl und MdL Ruth Müller mit Dietmar Franzke, Präsident, und Jörg Kuhn, Geschäftsführer des niederbayerischen Fischereiverbands, zusammen. Die Fischer aus der Region vertrat Johannes Lehner, Vorsitzender des Plattlinger Fischereivereins.

 

Eines der größten gemeinsamen Anliegen ist der Schutz vor Wasserverschmutzung durch Unfälle mit Biosgasanlagen. In den vergangenen zwei Jahren hat es einige schwere Unfälle mit vielen Tonnen toter Fische gegeben – auch in seinem eigenen Wahlkreisgebiet, informierte Pronold. Dazu sagte Franzke: „Das ist keine Bagatellsache. In Niederbayern sind 90 Kilometer Flussstrecke kaputt durch die Unfälle in den letzten zwei Jahren.“


Abhilfe soll eine neue Verordnung zum besseren Schutz von Biogasanlagen schaffen, die etwa mit Schutzwällen ausgerüstet werden sollen, um eine Kontamination bei einem Unfall zu vermeiden. Laut Pronold soll die Verordnung, die derzeit von der EU-Kommission geprüft wird, im Juni oder Juli in Kraft treten. „Ein sehr guter Kompromiss“ im Sinne der Fischerei sei die Verordnung aus Sicht Pronolds, der sich dafür eingesetzt hat. Daneben spricht er sich für eine personelle Verstärkung bei Polizei und Staatsanwaltschaft aus. „Eine bessere Kontrolle würde mehr bringen.“ Bei Unfällen greift eine zivilrechtliche Haftung, doch das Problem sei, dass die Verursacher oft nicht identifiziert werden können. Dietmar Franzke kritisierte, dass Biogasanlagen ohne Prüfung oder Ausbildung betrieben werden dürfen, während selbst ein Rollerfahrer einen Führerschein ablegen müsse.


Jörg Kuhn informierte über ein Renaturierungsprojekt an der Isar zwischen Loiching und Ettling mit einem Volumen von 6,35 Millionen Euro. Dies werde zur Biodiversität der Fische beitragen und diene der ökologischen Wertsteigerung.


Ein Thema, das erst seit kurzem ins Bewusstsein der Menschen rückt, wenn es um die Wasserqualität geht, ist Mikroplastik. Dank des sehr gut funktionierenden Abfallsystems, landet kaum Plastikmüll in den Binnengewässern – anders, als man es aus den Meeren kennt. Die Problematik sei, dass Mikroplastik in Kosmetika oder Zahnpasta enthalten ist, und über die Haus-Abwässer in die Flüsse gelangt und sich letztlich in den Fischen anreichert. Hier setzen sich Pronold und seine Genossen für Gespräche mit der Kosmetikindustrie und freiwillige Vereinbarungen ein. „Das Vorsorgeprinzip muss greifen“, betonte EU-Abgeordnete Maria Noichl. Zudem soll ein Forschungsprojekt genauere Erkenntnisse darüber bringen, welche Gefahren Mikroplastik birgt. Offene Fragen gelte es auch in der laufenden Debatte um die Verlängerung von Glyphosat zu klären, hier seien genauere Studien zu den Auswirkungen nötig. Was die Europaabgeordnete an dieser Debatte stört, ist, dass sich die Produzenten darauf verlassen haben, dass die Zulassung von Glyphosat verlängert wird.


Den sanften Donauausbau hält Pronold zu 99 Prozent für unumkehrbar. Ein Erfolg, der auch dank der Fischer und Ruderer gelungen sei. Jörg Kuhn sieht das genauso und verwies auf das laufende Planfeststellungsverfahren. Jetzt gelte es, an „kleinen Stellschrauben“ zu ziehen. Die Donau zwischen Straubing und Vilshofen sei der bestuntersuchte Flussabschnitt Europas, wenn nicht sogar der Welt. Die Fischer legen ihr Augenmerk nun auf das Bewahren ökologisch wichtiger Charakteristiken von Donau und Isar wie die Kolken (Vertiefungen) am Gewässergrund und den Isarschüttkegel an der Isarmündung. Hier gelte es, dranzubleiben. 

Text: Deggendorfer Zeitung

Homepage Ruth Müller