SPD Adlkofen

Wenig Mittel für Erwachsenenbildung

Veröffentlicht am 12.08.2015 in Bildung

Bei dem Fachgespräch „Veränderungen gestalten, nicht erleiden“ wird Kritik an Förderung laut

Schney. Wie steht es in Bayern um die Erwachsenenbildung? So sehen Sie konkreten politischen Handlungsbedarf? Um diese Fragen und die künftige Gestaltung der Erwachsenenbildung in Bayern näher zu beleuchten, hatten am vergangenen Dienstag die Landtagsabgeordneten Susann Biedefeld und Klaus Adelt im Namen der SPD-Landtagsfraktion Vertreter der Erwachsenenbildung zum Fachgespräch „Veränderungen gestalten, nicht erleiden – Bedeutung der Erwachsenenbildung in Bayern“ in die Franken-Akademie, Schloss Schney eingeladen.

„Das schulisch erworbenen Wissen genügt heute längst nicht mehr, um die Herausforderungen im beruflichen, gesellschaftlichen, politischen und persönlichen Bereich zu bewältigen“, erklärte Susann Biedefeld. Auch wer des Lesens und Schreibens hinreichend mächtig sei, fast 20 Prozent der Erwachsenen sind es nicht, müsse in der globalisierten und digitalisierten Weld ständig neue Kompetenzen erwerben.

Ein zunehmend wichtigerer Partner sei dabei die Erwachsenenbildung. Als ein Hauptbereich des Bildungswesens gehöre sie zur Daseinsfürsorge und sei nachhaltig politisch zu fördern und bedarfsgerecht zu finanzieren. Auch Klaus Adelt, der die Teilnehmer begrüßte, unterstich die zunehmende Bedeutung der Erwachsenenbildung. Lebenslanges Lernen werde immer wichtiger.

Ein „krasser Widerspruch“

Hauptreferentin war Kathi Petersen, Mitglied im Ausschuss für Bildung und Kultur des Bayerischen Landtags und zuständig für Erwachsenenbildung. Sie bemängelte eine schwache Finanzausstattung für Einrichtungen der Erwachsenenbildung durch den Freistaat. Von 11,9 Milliarden Euro im Haushalt 2015 entfielen gerade 19,5 Millionen auf die Erwachsenenbildung. Dies stehe in krassem Wiederspruch zu den gesetzlichen Vorlagen. „Es geht hier nicht um Freizeitgestaltung, sondern um den Erwerb grundlegender Kompetenzen, die selbstbestimmtes Leben ermöglichen“, unterstrich die Abgeordnete aus Schweinfurt.

Bedenklich sei, dass jeder Fünfte in Bayern nur sehr unzureichend des Lesens und Schreibens mächtig sei. Sie forderte eine vernünftige Bezahlung der Dozenten und eine höhere Wertschätzung der Erwachsenenbildung durch den Staat.

Seminarleiter Simon Moritz von der Franken-Akademie bedauerte die eher geringe Nachfrage bei Kursen der Erwachsenenbildung. Es fehle ein amtliches Dokument, mit dem die Inhaber bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt bekommen. Er schlug vor, dass der Freistaat ein einheitliches Zertifikat für die Teilnahme an Weiterbildungskursen ausstelle, ähnlich eines Zertifikats der Industrie- und Handelskammer für die Teilnahme an einem beruflichen Bildungskurs.

„Wir brauchen generell mehr Anerkennung für die freiwillige Weiterbildung“, sagte Moritz. Darüber hinaus müsse sie steuerlich anerkannt werden, wie die berufliche Bildung. Der Leiter der Frankenakademie Schloss Schney, Klaus Hamann, wünschte sich, dass sich die Volkshochschulen professionalisieren sollten. Die Dozenten müssten korrekt bezahlt werden und nicht quasi, „halbehrenamtlich“ ihren Dienst versehen.

Joachim Wegner, der pädagogische Leiter des Evangelischen Bildungswerks der Dekanate Kronach-Ludwigsstadt und Michelau, bedauerte die finanziellen Rahmenbedingungen für das Bildungswerk. Der Spielraum werde immer enger. „Wir sind jetzt auf dem Stand der 1990er Jahre bei gestiegenen Personalkosten“, sagte er. Diplompädagogin Martina Wegner forderte eine institutionelle Förderung, damit die Erwachsenenbildung in unserer Region erhalten bleibe. „Ich finde, dass die Erwachsenenbildung ein Gut für sich ist. Man erhält durch sie Information, Orientierung und Zusammenhangswissen“, unterstrich die Dozentin des Bildungswerks.

Thema „jugendliche Flüchtlinge“

Bernd Rehorz, Leiter des Bereichs Berufliche Bildung von der IHK Oberfranken Bayreuth, forderte zusätzliche Lehrer für Berufsschulen mit Klassen jugendlicher Flüchtlinge. „In Oberfranken sind es derzeit 23 Klassen und es werden mehr“, stellte er fest. Die Pädagogen würden würden aushilfsweise eingesetzt oder ganze Klassen an andere Schulen versetzt. Dieser unhaltbare Zustand müsse beendet werden. Er regte an, dass die Lehrer auch speziell für den Deutschunterricht ausgebildet werden sollten. Landtagsabgeordnete Dr. Simone Stromayr (SPD), Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft  sozialdemokratischer Frauen, fand es grotesk, dass der Freistaat 180 Millionen Euro für das Betreuungsgeld ausgeben wolle, aber nur 18 Millionen für die Erwachsenenbildung.

Homepage Ruth Müller