Bild und Text: Rottenburger Anzeiger vom 30.7.18 - Bianca MarklstorferZweckverbände kritisieren lange Wartezeit auf Baugenehmigung – täglich frisches Wasser
Neufahrn: Am neuen Brunnenstandort der Wasserzweckverbände Neufahrn-Oberlindhart und Rottenburger Gruppe in Einkreut (Gemeinde Ergoldsbach) informierten Wasserzweckverbandsvorsitzender Hans Weinzierl und Technischer Betriebsleiter Mirko Wand über den Stand nach den erfolgreichen Probebohrungen und Wasseranalysen. Verzögert durch eine lange Wartezeit auf die Genehmigungen soll ab September im Wald in Einkreut am vierten neuen Brunnen Trinkwasser gefördert werden.
Hans Weinzierl nahm im Gespräch mit Bürgermeister Peter Forstner, Landtagsabgeordneter Ruth Müller und Bundestagsabgeordnetem Florian Pronold kein Blatt vor den Mund und appellierte, das Trinkwasser niemals zu privatisieren. Wer sich um frisches unaufbereitetes Trinkwasser kümmere, der befinde sich in einem „Konfliktfeld“ zwischen den Interessen von Landwirtschaft, Ministerien und Öffentlichkeit, so Weinzierl. Die Verbände investierten in den kommenden Jahren bis zu zehn Millionen Euro, drei neue Brunnen seien bereits gebaut, der in Einkreut ist der vierte. „Und trotzdem werden wir blockiert.“ Der von den 16 Gemeinden aus vier Landkreisen propagierte Nachhaltigkeitsanspruch im Verband sei wertzuschätzen, betonte Weinzierl. „Wir liefern sauberes Trinkwasser, sehr günstig, jeden Tag frisch und in hoher Qualität.“
Desinformation und zu wenig Kontrollfunktion warf Weinzierl dem Landwirtschaftsministerium vor und erklärte das neue Kooperationsmodell mit Landwirten, das der Wasserzweckverband nun auf eigene Faust umsetzt. Der Wasserzweckverband hat eine Planstelle für eine Kooperationsmanagerin eingerichtet. Ziel sind Gespräche und Aufklärung bei den Landwirten bis in zur Kooperation. Verzichtet ein Landwirt beispielsweise auf Glyphosat, übernimmt der Wasserzweckverband die Mehrkosten für das andere, weniger umweltbelastende aber eventuell teurere Spritzmittel. Dafür erklärt sich der Landwirt mit engmaschigen Bodenkontrollen einverstanden. „Sieben Landwirte konnten wir schon gewinnen“, so Weinzierl, das sei ein Mosaikstein.
Pronold und Müller brachten die neue Düngeverordnung und die Anlagenverordnung ins Gespräch mit ein und diskutierten lebhaft, welchen Einfluss die Massentierhaltung auf die Trinkwasserqualität hat und ob eine Input-Output-Bilanz pro Hof oder mehr Kontrollen die richtige Lösung für das Problem sein könnten. „Wasser ist der wichtigeste Baustein unseres Lebens, wir gehen viel zu sorglos damit um“, sagte Pronold. Wenn in den nächsten Wochen sämtliche Genehmigungen für den Brunnen in Einkreut vorliegen, dann werden die gusseisernen und mit Zement ausgekleideten Rohre vom Brunnen bis zum Hochbehälter verlegt und der Brunnen ist nur noch als kleiner Hügel für die Spaziergänger zu erkennen. Die ein Kilometer lange Leitung zum Hochbehälter kann dann dafür sorgen, dass frisches Trinkwasser an die Haushalte geht. „Der Brunnen beeinträchtigt den Wald und die Tiere nicht“, so Weinzierl.
Bildunterschrift: Bürgermeister Peter Forstner, Bundestagsabgeordneter Florian Pronold, Technischer Betriebsleiter Mirko Wand, Landtagsabgeordnete Ruth Müller und Zweckverbandsvorsitzender Hans Weinzierl am zukünftigen Trinkwasserbrunnen in Einkreut.