Text: blw v. 08.07.2016 /Klaus KanamüllerLandwirtschaftsempfang der SPD-Landtagsfraktion in Mühldorf
Mühldorf/ Obb: Beim Landwirtschaftsempfang der Bayerischen SPD in einer Ausstellungshalle der Firma Fliegl in MühIdorf war am 1. Juli hoher Besuch zu Gast: Till Bachhaus (SPD) ist nicht nur Landwirtschaftsminister von Mecklenburg/Vorpommern, sondern gleichzeitig auch der Vorsitzende der Agrarministerkonferenz von Bund und Ländern.
Unter den rund 100 geladenen Gästen konnte der örtliche SPD-Stimmkreisabgeordnete Günther Knoblauch neben Lokalhonoratioren auch Vertreter des Bauernverbandes aus den angrenzenden Landkreisen begrüßen, die auch gleich eine Resolution mitbrachten. Knoblauch bezeichnete die momentane Situation in der Landwirtschaft „mehr als schwierig" und plädierte für Lösungen, die nur gemeinsam gefunden werden könnten.
In seiner Rede lobte Backhaus die Leistungen der hiesigen Familienbetriebe und warnte unter Beifall davor, durch eine „falsche" Agrarpolitik die gewachsenen Strukturen zu zerstören. Der Milchmarkt etwa sei aus dem Gleichgewicht geraten, weshalb nach Ansicht von Minister Backhaus „Mengen-reduzierende Maßnahmen" unabdingbar seien.
Aber auch im besten Sinne einer sozialen Marktwirtschaft müssten dort Maßnahmen ergriffen werden, wo Schieflagen entstehen. Nicht alles regle der Markt, wie man am dramatischen Rückgang der Milchpreise beobachten könne.
Gelinge es nicht, die momentane wirtschaftliche und strukturelle Krise in der Landwirtschaft in den Griff zu bekommen, „dann droht uns ein Höfesterben". Angebot und Nachfrage könnten nur mit einer europaweiten Mengenreduzierung wieder in die Balance gebracht werden. Hoffnungen setzt der Minister dabei vor allem auch auf die Agrarsonderministerkonferenz Mitte Juli in Brüssel. Ziel sei eine Stabilisierung des Milchpreises - dabei setzt Backhaus auch auf die Unterstützung Bayerns.
Kritik übte der Minister an den Molkereistrukturen in Deutschland. So seien von den insgesamt 150 Molkereien gerade noch einmal zwei im Norden angesiedelt - mit entsprechender Marktmacht. Es könne nicht sein, dass Molkereien und Lebensmittelhandel bei Preisverhandlungen die Bauern gegeneinander ausspielen.
Der Agrarsprecher der Bayern-SPD, Horst Arnold, sieht das Thema Landwirtschaft als gesamtgesellschaftliche Aufgabe und erinnert daran, dass allein im Wirtschaftsjahr 2014/15 das Einkommen der hiesigen Bauern um 23% zurückgegangen sei, dabei hätte es die rund 32.000 bayerischen Milchviehalter mit einem Minus von 40% am härtesten getroffen. Angesichts der momentanen Einkommensmisere in der Landwirtschaft sagte der SPD-Agrarsprecher: „Es muss dort mit Steuermitteln eingegriffen werden, wo es am sinnvollsten ist.“
Vor dem Landwirtschaftsempfang stand eine Betriebsbesichtigung bei der Fa. Fliegl auf dem Programm: v.li. Till Backhaus (Landwirtschaftsminister Mecklenburg-Vorpommern), Ruth Müller (SPD-Landtagsabgeordnete) Horst Arnold (SPD-Agrarsprecher) und Günther Knoblauch (SPD-Stimmkreisabgeordneter)