
SPD-Agrarexpertin Ruth Müller zur aktuellen Meldung aus dem bayerischen Agrarministerium: Einwohnerstärkste Region Niederbayerns bietet künftig keine Ausbildungsplätze mehr in der Landwirtschaft an
Ruth Müller ist entsetzt über die aktuelle Entscheidung zur Schließung der Landwirtschaftsschule in Landshut: „Es ist unfassbar, dass Landshut von den angekündigten Schließungen betroffen sein wird. Wenn wir im Raum Landshut kein Ausbildungsangebot mehr im Bereich Landwirtschaft anbieten können, wird sich der Strukturwandel drastisch verschärfen.“
Die Abgeordnete fordert daher den stellvertretenden Ministerpräsidenten Aiwanger sowie die Abgeordneten in der Region auf sich mit ihrem ganzen Gewicht für den Erhalt der Schule einzusetzen: „Unser stellvertretender Ministerpräsident Aiwanger ist selber Landwirt und weiß was es bedeutet, wenn so eine wichtige Ausbildungsstätte für eine ganze Region wegfällt!“ so Müller, „mit ihm haben wir in der Region noch zwei weitere Vertreter der Regierungskoalition, die sich jetzt hier einbringen müssen, um das Ende einer 150jährigen Tradition zu verhindern!“
Als besonders ärgerlich empfindet die Landshuter Abgeordnete, dass die Zahl der Landwirtschaftsschulen bayernweit reduziert wird. „Unisono beklagen Politikerinnen und Politiker aller Parteien, dass der Strukturwandel in der Landwirtschaft voranschreitet. So haben in den vergangenen zehn Jahren haben rund 40 Prozent der Milchviehhalter aufgegeben. Trotzdem werden die Landwirtschaftsschulen reduziert. Wer jungen Menschen den Beruf des Landwirts nahe bringen möchte, darf nicht die Axt an die flächendeckenden Landwirtschaftsschulen legen. Das Konzept ist somit zum Scheitern verurteilt“.
Die heute (07.07) im Kabinett weiteren angekündigten Reformen in der Landwirtschaftsverwaltung durch Staatsministerin Michaela Kaniber werden seitens der agrarpolitischen Sprecherin der BayernSPD-Landtagsfraktion Ruth Müller ebenfalls massiv kritisiert: „Es kann nicht sein, dass jede Ministerin beziehungsweise jeder Minister versucht, sich mit einer großen Verwaltungsreform ein Denkmal zu setzen, obwohl die alten Reformen noch nicht einmal komplett vollzogen sind!“
Des Weiteren sieht die SPD-Abgeordnete den seit Jahren anhaltenden massiven Abbau der staatlichen Landwirtschaftsberatung kritisch. „Hier muss entgegengesteuert werden, statt weiter zu sparen. Der Klimawandel wird unsere Landwirtschaft verändern – auf den Feldern und in den Wäldern! Hier müssen der Wissenstransfer und die Ausbildung stärker berücksichtigt werden.“ Im Zuge der Digitalisierung könnten Verwaltungsabläufe vereinfacht werden - hier sei das Ministerium mit samt der engagierten Verwaltung vor Ort aktuell schon gut aufgestellt und müsse weiter ausgebaut werden, so Müller.
Die Abgeordnete kündigte außerdem an, dass die BayernSPD-Landtagsfraktion das Thema der Reformen in der Landwirtschaftsverwaltung in den Bayerischen Landtag nochmals einbringen wird.
Laut Agrarbericht des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten vom 01.07.2020 liegt der Anteil der Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirtschaft in Niederbayern bei 3,5 Prozent, im Landkreis Landshut bei 5,2 Prozent. Bayernweit hängt jeder sechste Arbeitsplatz an der Landwirtschaft und ist damit ein relevanter Wirtschaftsfaktor und für die Kultur- und Landschaftspflege wichtig.