Bildquelle: Landshuter Zeitung; v.l. Rektor Josef Wargtisch, MdL Ruth Müller, Bürgermeister Ludwig RoboldSchülern wird durch Wanderausstellung Deutsche Wiedervereinigung näher gebracht
Ergoldsbach. 25 Jahre Mauerfall, 25 Jahre Deutsche Einheit: Über eine Wanderausstellung von der Bundesstiftung Aufarbeitung erhalten Schüler in Stadt und Landkreis Landshut Gelegenheit, das historische Ereignis – die Deutsche Wiedervereinigung – in die Geschichte einzuordnen. Landtagsabgeordnete Ruth Müller (SPD) besuchte dazu die Mittelschule Ergoldsbach und erzählte davon, wie sie die Wiedervereinigung als junge Frau erlebt hat.
Auf Initiative der Landtagsabgeordneten aus Pfeffenhausen hatten die Schulen die Gelegenheit, sich für die Wanderausstellung zu bewerben. An 15 Schulen in Stadt und Landkreis ist die Ausstellung dann zeitweise zu bestaunen. Bereits aufgestellt waren die Plakate in den Schulen in Ast/Kronwinkl und Ergoldsbach, an Landshuter Schulen sowie in Vilsbiburg und an der Realschule Neufahrn soll die Wanderausstellung noch gezeigt werden.
Auf 20 Plakaten wird dabei die Deutsche Wiedervereinigung dargestellt, mit Fotos und Texten sowie Dokumenten wird erklärt, wie es zu den zwei plus vier Verhandlungen kam, und wie die DDR-Bürger die friedliche Revolution umgesetzt haben. Mauerfall und Wiedervereinigung werden so aus geschichtlicher und politischer Sicht beleuchtet. Die Schüler der oberen Klassen in der Mittelschule haben sich bereits eine Woche mit dem Thema befasst. Bei den Klassen 10 und 11 ist die Wiedervereinigung auch Thema im Lehrplan. Zum Ende der Wanderausstellung gab es die Möglichkeit, Ruth Müller zu Hintergründen zu befragen.
Auch Bürgermeister Ludwig Robold und Rektor Josef Wargitsch erklärten den 70 Schülern aus den Klassen 9a und b, 10 und 11, wie sie persönlich die Deutsche Wiedervereinigung erlebt hatten. So berichtete der frühere Kaminkehrer Robold davon, wie er den Kollegen aus Ostdeutschland wichtige Verordnungen näher brachte. Das Begrüßungsgeld und der Drang zum Reisen der Ostbürger sei ihm noch gut in Erinnerung, so Robold. „Es freut mich, dass die Ausstellung hier Halt gemacht hat und ihr sie aufnehmen und verarbeiten konntet.“ Die Wiedervereinigung bezeichnete Robold als Vorteil für unser Land und erklärte, dass, genau wie jetzt bei der Flüchtlingskrise, auch damals Ängste bei der Bevölkerung bestanden hätten.
Rektor Josef Wargitsch erzählte von einem befreundeten Ehepaar aus Ostdeutschland, das sich regimekritische Bemerkungen in Restaurants verkneifen musste, aus Angst, sonst verhaftet zu werden. Er berichtete auch davon, dass er Schrauben nach Ostdeutschland schicken musste, weil diese in der DDR nicht zu kaufen waren.
Freie Meinungsäußerung, Religions- und Pressefreiheit seien in der früheren DDR nicht möglich gewesen. Besonders spannend war für die Schüler der Vortrag von Ruth Müller. Sie erzählte von ihren Erlebnissen im Sommer 1989 als sie 22-jährig mit dem Fahrrad und zwei Freundinnen nach Ungarn unterwegs war und sie sich wunderten, warum so viele DDR-Bürger mit so viel Gepäck unterwegs waren.
Das historische Ereignis habe sie live miterlebt und das habe letztlich ihre Begeisterung zur politischen Mitbestimmung geweckt. „Ihr seid nun Zeitzeugen eines anderen historischen Ereignisses, das Deutschland sicherlich auch verändern wird“, betonte Ruth Müller im Hinblick auf die Flüchtlingswelle und appellierte an die Schüler, neue Schüler aus anderen Kulturen gut zu integrieren, sich auch politisch zu engagieren und wählen zu gehen. Besonders gut verdeutlichte Müller die Auswirkungen der Wiedervereinigung anhand eines alten Postleitzahlenbuchs. Nachdem Deutschland vereint worden war, erhielt jeder Bürger eine neue fünfstellige Postleitzahl – eine Umstellung, die jeden traf und auch die Wirtschaft forderte. Außerdem überreichte die Landtagsabgeordnete das Buch „Mit Leidenschaft für die Demokratie“ als Geschenk für die Schulbibliothek der Mittelschule an Josef Wargitsch. Das Werk bietet einen Überblick über die Veränderungen in Deutschland wie beispielsweise die Einführung des Wahlrechts für Frauen und Ähnliches.
Die Wanderausstellung „25 Jahre Deutsche Wiedervereinigung“ macht als Nächstes am Leinberger Gymnasium in Landshut Station.
Text: Bianca Marklstorfer, Landshuter Zeitung