Text: Landshuter Zeitung vom 30.9.2015/ -cr-
Der Notstand in der Altenpflege bietet reichlich Diskusionsstoff
Der Seniorenbeirat der Stadt Landshut hat am Montag zur Podiumsdiskussion auf der Niederbayernschau geladen. Gäste aus Praxis und Politik vertraten ihren jeweiligen Standpunkt.
Die Moderation führte Franz Wölfl, Vorsitzender des Seniorenbeirats der Stadt Landshut. Seine Gäste waren Philipp Buchta, Pflegedienstleiter der AWO Sozialstation Landshut, Ruth Müller, Bezirksvorsitzende der SPD Niederbayern, Ingeborg Pongratz, Fraktionsvorsitzende der CSU-Stadtratsfraktion, Karl-Heinz Sedelke, Einrichtungsleiter Magdalenenheim, Ulrike Sölch, Schulleiterin der VHS Berufsfachschule für Altenpflege und Rosi Steinberger, MdL Bündnis 90 Die Grünen.
In einem waren sich alle einig: Die Rahmenbedingungen sind im Moment auch für Auszubildende sehr schwierig. Ein Notstand in der Altenpflege sei sowohl Realität als auch Panikmache. Die Politik sei gefragt, angemessene Voraussetzungen zu schaffen.
Sölch erklärte: „Unsere Auszubildenden arbeiten alle mit Herzblut. Sie haben ein positives Bild des Berufs, wenn sie anfangen.“ Doch zur Pflege gehöre nicht nur das Abarbeiten des Tagespensums. Die Pflegebedürftigen brauchten auch persönliche Zuwendung wie etwa ein Gespräch.
„Satt und sauber reicht nicht aus“, stimmte Müller zu. Eine Pflegekraft in der Altenpflege würde im Schnitt nur etwa acht Jahre in ihrem Beruf arbeiten. Aus etlichen Veranstaltungen mit Menschen aus Pflegeberufen wisse sie, dass die Meisten den Beruf ausüben, weil sie für ihre Schützlinge da sein wollen. Dafür müssten sie sich die nötige Zeit nehmen. Wenn alles mit der Stoppuhr gemessen wird, sei dies nicht machbar. Wenn es in der Wirtschaft möglich sei, Arbeitsplätze menschengerechter zu gestalten, müsse dies in der Pflege selbstverständlich sein. Dem Vorwurf, dass die Pflegeheime doch den Pflegeschlüssel mitbestimmen würden und dieser aus Konkurrenzgründen nicht erhöht würde, stimmte Sedelke teilweise zu. Eine Aufstockung des Pflegepersonals müsse schließlich von den Betreuten und deren Angehörigen geleistet werden. Bereits jetzt würde um jeden Euro gefeilscht. Deshalb sehe er hier keine große Handlungsmöglichkeit. Die Pflegestufen würden stetig steigen, da die Menschen, die ins Altersheim kämen, immer älter seien. Der Bedarf an Pflegepersonal würde aufgrund der stetig steigenden Zahl an Demenzkranken immer höher werden. Zurzeit würde diese weltweit auf etwa 44 Millionen geschätzt.
Bis 2050 werde sich diese Zahl verdreifachen. Fast jeder Dritte mache sich Sorgen, ob er sich im Alter eine gute Pflege wird leisten können. Zum Schluss wollte Wölfl noch wissen, wie seine Gäste sich ihr Alter vorstellen. Sedelke hatte eine ganz klare Vorstellung: „Ich möchte nicht ständig von der Gymnastik zum Tanz oder Gedächtnistraining hetzen. Ich möchte auch einfach mal ruhig dasitzen und nichts tun.“
Fazit: Auch in Bayern gibt es trotz eines Ministeriums für Pflege und Gesundheit noch viel zu tun.
Bildunterschrift: Nicht immer einer Meinung: Müller, Pongratz, Buchta, Sedelke, Steinberger, Sölch mit Moderator Wölfl (von links).