Abgeordnete Müller: Werkverträge sind der falsche Weg -
NGG-Vertreter Haberl: Beschäftigtebrauchen mehr Bindung an den Betrieb
In der Debatte um erhebliche Mängel am Schlachthof Landshut setzen die örtliche SPD-Landtagsabgeordnete Ruth Müller und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten aufstrukturelle Veränderungen. Für Müller sind die Beschäftigten der wichtigste Faktor: „Bislanghaben zum Beispiel die Schlachter und Fleischzerleger nur Werkverträge, sie arbeiten pro Tagviel zu lang und dadurch schleichen sich dann auch mehr Fehler ein.“
Das sieht der örtliche Gewerkschaftsvertreter Kurt Haberl genauso: „Das Kerngeschäftmuss von eigenen Angestellten erledigt werden. Dadurch entsteht eine bessere Bindungder Beschäftigten an den Betrieb als bei Subunternehmern mit Werkverträgen. Und auchSchulungen in Sachen Tierwohl und Hygiene lassen sich so konsequenter und wirkungsvollerdurchführen.“ Müller betont: „Ich unterstütze diese Forderung der NGG. Bei den Beschäftigtenanzusetzen und ihnen bessere Arbeitsbedingungen zu verschaffen, lohnt sich für alle - geradeauch für die Verbraucher.“
Zugleich setzt die SPD-Abgeordnete generell auf härtere Strafen bei Verstößen vonLebensmittelbetrieben gegen Vorschriften: „Es ist doch absurd, wenn die Betriebe damitkalkulieren, dass eine mögliche Strafzahlung der Gewerbeaufsicht geringer ausfällt, als eineSchulung der Mitarbeiter das Unternehmen kostet. Das führt dazu, dass manche Unternehmenlieber das Risiko eingehen, mal erwischt zu werden.“
Müller macht auch den zum Teil ruinösen Preiskampf im Lebensmitteleinzelhandelmitverantwortlich: „Der Druck auf die verarbeitenden und auch die produzierenden Betriebe,immer günstiger zu liefern, ist enorm. Letztlich muss sich jeder Verbraucher aber bewusst sein, dass er für ein billiges Stück Fleisch immer auch mit einem höheren Hygienerisiko bezahlt - vomTierwohl mal ganz abgesehen.“
Eine wissenschaftliche Untersuchung hatte erhebliche Mängel im Schlachthof Landshutaufgedeckt. Über Jahre hinweg attestierten die Kontrollbehörden dem Betrieb einSchädlingsproblem. Außerdem gab es Verunreinigungen durch Bauschutt. Schweine wurdenimmer wieder nur unzureichend betäubt. Arbeiter berichteten von elf Stunden und mehrAkkordarbeit über Monate hinweg.