Mit der Einladung zum Kulturempfang verbanden die SPD-Politikerinnen auch ihren Dank an die Kulturschaffenden für das Mitwirken am Kulturgeschehen in der Region. Die beiden Abgeordneten gaben als Ziel vor, in Gesprächsrunden eruieren zu wollen, welche Rolle eine reichhaltige Kulturlandschaft für die Region spiele und wie viel Kultur man sich überhaupt leisten könne. Ruth Müller erklärte in diesem Zusammenhang, dass in Bayern ein Künstler im Durchschnitt mit 13 000 Euro leben müsse.
In einem abwechslungsreichen und spannungsgeladenen Dialog zwischen Kultur und Politik, moderiert von Ruth Müller, konnten die Künstler und Kulturschaffenden Erich Gruber, Wolfgang Folger und Lois Schneiderbauer, ebenso wie Jürgen Horwath und Stephan Venus als Vertreter der Kreativwirtschaft, mit den Bürgermeistern Helmut Muhr (Bogen) und Hans Lohmeier (Straubing) sowie Isabell Zacharias ihre Positionen darstellen. Dabei ging es um die Kulturförderung auf landes- und kommunalpolitischer Ebene sowie die Sorgen und Nöte der Kulturschaffenden. Im Rahmen des Empfangs, der von der Pianistin Lyubov Yasinyavskaya stimmungsvoll mit Stücken von Gershwin und Strauss begleitet wurde, nutzten, neben der „Bajuwarium Erlebniswelt“ und dem „Paul-Theater“, auch der Agnes-Bernauer-Festspielverein und der Eiskeller-Verein aus Haindling die Gelegenheit sich zu präsentieren. Mit einem farbigen Kunstdruck des Maximilianeums im Andy Warhol-Stil bedankte sich Ruth Müller bei den Podiumsgästen und verdeutlichte ihre Position: Kultur bringt Farbe ins Leben!

Die Abgeordneten Isabell Zacharias und Ruth Müller eröffneten den ersten Kulturempfang der SPD-Landtagsfraktion im dazu passenden Ambiente des Kulturforums Oberalteich.
„Bayerns Kultur lebt von Vielfalt und Verschiedenheit in den Regionen. Sie verbinden Menschen unterschiedlicher Herkunft und schafft gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen. Wir willen, dass staatliche Kulturförderung die Menschen in allen Regionen unseres Landes erreicht“, so die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Isabell Zacharias, in ihrem Eingangsstatement. Der Staat habe die Verantwortung, den Weg zur Kultur für alle Menschen zu öffnen. Kulturförderung sei für uns alle eine Investition in die Zukunft, so Zacharias weiter. Mit dem Zweiten Bürgermeister der Stadt Bogen, Helmut Muhr diskutierte sie anschließen die Möglichkeiten der Kulturförderung, die Stärken und Schwächen der aktuellen Förderprogramme, insbesondere des Bayerischen Kulturfonds. Dieser, so Zacharias, werde gerade in Niederbayern sehr zurückhaltend genutzt. Helmut Muhr berichtete über die Erfolge der Stadt Bogen, Finanzmittel für Kulturinvestitionen z.B. für das KulturForum Oberalteich oder den Europapark, bekommen zu haben. Er erinnerte aber auch an die hohen Hürden und Fallstricke der europäischen Förderanträge. Wolfgang Folger, als Vertreter von „KIS-Kultur in Schwarzach“ stellte, nach kurzer Präsentation seiner Kultur-Initiative, die schier unlösbaren Anforderungen an eine vom Ehrenamt getragene Kultureinrichtung dar.

Was der Fussball im Sport ist, ist die Brauchtumspflege in der Kultur
Gerade "die kleinen Perlen" machten den Reiz der Kultur auf dem flachen Land aus, meinte Isabell Zacharias. Das sei nicht „provinziell“ sondern ein erstklassiges Angebot in den ländlichen Gebieten. „Das Land Bayern darf mit der Kulturpolitik jedoch nicht bei der Traditionspflege stehen bleiben. Eine lebendige Kunst- und Kulturszene lebt vom Spannungsverhältnis zwischen dem Bewährten und Neuen“, so Isabell Zacharias im Zusammenhang mit den Ausführungen von Erich Gruber. Gruber, Vorsitzender der Bildenden Künstler in Straubing, einem Verein, der seit 65 Jahren die Kulturszene in Straubing mitbestimmt, beklagte die Dominanz der Traditionspflege und der Mainstream-Veranstaltungen, die immer noch stark gefördert werden - zu Lasten der vielfältigen, weniger bekannten Kulturszene. In einer Stadt wie Straubing, mit rund 45.000 Einwohnern, beschränkt sich die Zahl der wirklich Kulturinteressierten auf rund 1.500, schätzt Gruber – zu wenig um eine qualitativ hochwertige Kunstszene zu finanzieren. Auch die Abschaffung der 2%-Kunst-am-Bau Bestimmungen hatten drastische Auswirkungen auf Ankäufe durch die Kommunen, wusste Gruber zu berichten. Die bildende Kunst friste seiner Meinung nach nur noch ein Nischendasein für Gleichgesinnte. Bei Ausstellungen sei ein Verkauf von Bildern kaum mehr möglich, vor allem Kommunen hätten sich weitgehend zurückgezogen.
„Wir retten das Paul-Theater“
Einem Hilferuf gleich, gestalteten sich die Ausführungen von Lois Schneiderbauer, bezogen auf das einzige Privatwirtschaftlich organisierte Theater im Straubinger Raum. Insbesondere die immer wieder neuausgearbeiteten Brandschutzbestimmungen würden Häuser wie das Paultheater an den Rand der Wirtschaftlichkeit treiben. „Wenn wir mal einen Fehler machen oder wenn es mal nicht so läuft, kostet das dem Staat keinen Cent“, erklärte der Betreiber des Paul-Theater. Umso mehr ärgern ihn die immer neuen Auflagen, die derzeit dazuführen, dass seine große Bühne nicht bespielt werden darf. „Eine Katastrophe, weil wir die großen Veranstaltungen mit namhaften Künstlern brauchen, um dem Nachwuchs durch Querfinanzierungen eine Chance zu geben“, so Schneiderbauer. Deutlich war der Frust und die Verzweiflung aus seinen Ausführungen zu entnehmen, so dass Ruth Müller und Isabell Zacharias spontan die anwesenden Stadtpolitiker aufriefen, sie zu unterstützen. „Wir retten das Paul-Theater. So eine gute Sache darf nicht scheitern! Mit Ihrer Unterstützung schaffen wir das!“ – dabei ließ Zacharias auch die Aufforderung an die beiden CSU-Abgeordneten aus der Region nicht aus, sich mit einzubringen. „Die haben den besseren Draht zu Kulturminister Spänle, die können da schneller was bewegen!“
Förderung ohne Einmischung
„Die Freiheit der Kunst (Artikel 5 des Grundgesetzes) ist höchstes Gut. Der Staat hat die Aufgabe, die Rahmenbedingungen für diese Freiheit zu schaffen und Räume für die Entwicklung der Künste zu schaffen“, stelle Isabell Zacharias zum Abschluss der ersten Podiumsrunde die kulturpolitischen Pläne der SPD-Landtagsfraktion vor. Dafür werde die SPD die verkrustete Landesbürokratie und die althergebrachte Förderungsstruktur durchforsten – im Dialog mit Akteuren aus dem Kulturbereich und dieser Kulturempfang ist ein erster Schritt in diese Richtung. Die Kulturschaffenden sollten mutiger den Kulturfonds Bayern in Anspruch nehmen, so Isabell Zacharias. Der Haushaltsansatz von zehn Millionen Euro stehe zwar mit jeder Haushaltsberatung auf den Prüfstand, habe aber nach wie vor Bestand. Die Förderbemessungsgrenze müsse nach Meinung der SPD-Fraktion von 10 000 auf 5 000 Euro reduziert werden, da der Antragsteller in gleicher Höhe mitfinanzieren

Vernetzung der Kulturschaffenden zum gegenseitigen Gelingen
Auch dem ersten Gast der zweiten Podiumsrunde, dem 3.Bürgermeister der Stadt Straubing, Hans Lohmeier, wurde dieses Problem gleich angetragen. Er sicherte zu, ein intensives Gespräch mit seiner, für die Kultur zuständigen Kollegin im Stadtrat zu führen. Nach den doch deutlich pessimistischen Tönen, überraschte der nächste Podiumsgast mit Elan und Begeisterung. Jürgen Horwath, Chef der erst kürzlich aus der Taufe gehobenen und im Aufbau befindlichen „Bajuwarium-Erlebniswelt“, lies den Funken der Begeisterung überspringen und zog somit viele Interessierte am Ende der Veranstaltung an seinen kleinen Infostand – schnell wurde deutlich, wie eine enge Vernetzung der Kulturschaffenden zum gegenseitigen Gelingen beitragen kann.
Zukunftsbranche Kultur
„Kultur‐ und Kreativwirtschaft hat ein großes Wachstums‐ und Beschäftigungspotenzial. Sie ist zum Impulsgeber für gesellschaftliche Erneuerung geworden“, stelle Ruth Müller fest. Kreative und künstlerische Arbeit bilde die Grundlage für ökonomischen Fortschritt und jede gesellschaftliche Innovation. Die Kreativwirtschaft sei eine eigene Wirtschaftsform und Zukunftsbranche.
So passte der nächste Podiumsgast, Stephan Venus von der gleichnamigen Werbeagentur in Bogen, bestens ins Konzept der Veranstaltung. Der Inhaber, der weit über die Region hinaus tätigen Agentur, zeigte sich zunächst sehr zufrieden, dass durch die Ausdehnung der Mindestlöhne auf Praktikanten und die Beschränkung der Praktikumszeiten, die von ihm bereits seit langem gewährte faire Bezahlung nun auch für die ganze Branche gelte. „Das Personal ist nicht unser Problem, unsere Auszubildenden schneiden immer wieder mit Auszeichnung ab und um den Nachwuchs brauchen wir uns nicht zu sorgen“, so der Bogener Unternehmer. Venus nutzte aber auch die Gelegenheit, auf einen Misstand der in der Künstlersozialkasse hinzuweisen. Wenn seine Mitarbeiter auch künstlerisch tätig seien, was ja in seiner Berufssparte nicht selten verlangt werde, müsse er auf die bereits voll sozialversicherungspflichtigen Löhne eine zusätzliche Abgabe an die Künstlersozialkasse zahlen, obwohl gewerbliche Arbeitnehmer daraus niemals Unterstützung bekommen könnten. Bürgermeister Hans Lohmeier konnte Problem mit der Kasse bestätigen, da auch der Bluval-Verein, immer wieder mit deren Vorgaben hadere. Isabell Zacharias entgegnete, dass gerade die SPD sich für die soziale Absicherung von Künstlern und Künstlerinnen eingesetzt habe, da die rund 180 000 selbstständig Kulturschaffenden einen Anspruch auf Leistungen aus der gesetzlichen Kranken-,Pflege- und Rentenversicherung haben müssten. Sie räumte aber ein, dass Verbesserungen in der Organisation und in der Transparenz der Eingruppierung nötig seien – „hier ist man bereits auf einem guten Weg und erste Änderungen wurden schon vorgenommen, konnte Zacharias den Podiumsteilnehmern mitteilen.
Bildung – Schlüssel für die Kultur
„Kulturelle Bildung ist für uns der Schlüssel für die Kultur der Zukunft. Kulturelle Bildung ist Voraussetzung und Bedingung einer freien und gerechten Gesellschaft“, führte die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion weiter aus.. Kulturelle Bildung dürfe deshalb nicht vom sozialen Status oder vom Bildungsstand der Eltern von Kindern abhängig sein. In der Kooperation mit Künstlern und Kulturpädagogen könnten Kindern neue Zugänge zum kulturellen Leben eröffnet und gleichzeitig soziale Kompetenzen gefördert werden. „Und nicht nur die Schüler und Schülerinnen profitieren von diesen Kontakten, auch für die Einrichtung Schule und für die Kulturschaffenden ergeben neue Perspektiven“, so Zacharias. Die kulturelle Bildung müsse in den Lehrplänen gleichberechtigt sein mit der schulischen Bildung. Bayerns Schulen bräuchten ein erweitertes Bildungsverständnis: „Kulturelle Bildung ist Persönlichkeitsbildung, trägt zum sozialen Lernen bei, fördert Kreativität und Fantasie und lässt Kinder neue Welten, Perspektiven und Horizonte entdecken“, so Zacharias.
Bildunterschrift: Politik trifft Kultur: Die Abgeordneten des bayerischen Landtags Ruth Müller (3.v.l.) und Isabell Zacharias (4.v.li.) mit Stephan Venus (li), Wolfgang Folger (2.v.l.), Jürgen Horwath (5. v.l.), Lyubov Yasinyavskaya (4. v.re.), Lois Schneiderbauer (2. v. re.) und Erich Gruber (re.)
Nutzen die Gelegenheit ihre Initiative zu präsentieren:

Agnes Bernauer-Festspielverein

Lois Schneiderbauer und das Paul-Theater

Eiskellerverein Haindling

Jürgen Horwath und die "Erlebniswelt Bajuwarium"