SPD-Abgeordnete besuchten Clearingstelle in Landau
Sieben Clearingstellen der Rummelsberger Diakonie gibt es bayernweit, eine davon ist auch im niederbayerischen Landau a. d. Isar angesiedelt, erläuterte Diakon Klaus Renner. Zwölf Plätze für Jugendliche von 14 bis 17 Jahren gibt es dort, derzeit leben vor allem Geflüchtete aus Afghanistan und Syrien in der Einrichtung.
Die niederbayerischen SPD-Landtagsabgeordneten Bernhard Roos (Passau) und Johanna Werner-Muggendorfer (Kelheim) hatten auf Initiative der Betreuungsabgeordneten Ruth Müller (Landshut) einen Gesprächstermin zusammen mit Kreistagskollegen aus den Landkreisen Dingolfing und Landshut vereinbart, um sich über die aktuelle Situation zu informieren.
„Die Clearingstelle übernimmt im Auftrag der Jugendämter die Inobhutnahme und klärt die konkrete Situation unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge (UMF)“, erläuterte Sabine Stifter vom Kreisjugendamt Dingolfing-Landau. Leider wurde der Clearingprozess, der früher bis zu drei Monate dauern durfte, verkürzt. Nun müsse innerhalb von vier bis sechs Wochen geklärt werden, wohin die Jugendlichen nach ihrer Zeit in der Clearingstelle gehen können. „Die Jungs müssen erst einmal den Fluchtmodus verlassen und Sicherheit spüren“, so Gruppenleiterin Christina Able. „Manchmal haben wir Glück und die Kinder finden ihre Eltern wieder“, blickt der Psychologe Stefan Müller auf bewegende Szenen zurück. Zum Teil kommen die jungen Flüchtlinge in Pflegefamilien oder in UMF-Einrichtungen. Davon gebe es im Landkreis Dingolfing-Landau derzeit vier mit 83 Plätzen, informiert Sabine Stifter.
Die Verständigung mit den Geflüchteten erfolgt in Englisch, mit Dolmetschern und „mit Händen und Füßen“, wie die pädagogische Fachkraft Gabriele Götz erläutert.
„Die niederbayerische Wirtschaft begrüße das Potential der Zuwanderer“, erinnerte Bernhard Roos. Dass das auch in der Realität so sei, konnten die Fachleute der Rummelsberger Einrichtung bestätigen: Ein Jugendlicher aus der Clearingstelle, der bei einer Pflegefamilie untergebracht werden konnte, habe nun seine Ausbildung zum Bäcker begonnen. Und das BMW-Werk in Dingolfing biete für einige Jugendliche nach einem Praktikum eine Ausbildung zum Mechatroniker an. Allerdings brauche man dringend auf allen Ebenen personelle Verstärkung. Kreisrat Bernd Vilsmeier versprach, hier mit den Kommunalpolitikern in Kontakt zu treten, um die Einrichtungen bei der Suche nach pädagogischen Fachkräften zu unterstützen.
Wichtig sei vor allem, dass die jungen Menschen in die Schule gehen könnten, je nach Alter kämen die Mittelschulen oder die Berufsschule infrage. Leider reiche die Anzahl der Berufsschulplätze nicht aus, erfuhren die Abgeordneten. Durch die Deutschkurse, die sie in der Einrichtung erhalten – hier suche man übrigens derzeit wieder nach einem Unterrichtsraum – kämen die jungen Menschen aus der Isolation und sähen eine Perspektive für ihre Zukunft. . „Die Sprache ist der Schlüssel zur Integration und deshalb dürfen wir daran nicht sparen“, so Ruth Müller, MdL. Je früher die jungen Menschen Bildung erhalten, umso eher sind sie in der Lage, ihren eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten.
„Fast alle sind traumatisiert, sie haben auf ihrer monatelangen Flucht furchtbares erlebt, manche mussten mit ansehen, wie ihre Väter ermordet wurden, wie jüngere Geschwister die Flucht nicht überlebten und Frauen und Mädchen sexuell missbraucht wurden“, machten die Pädagogen deutlich. Für eine unbürokratischere Abrechnung mit den Ärzten und Krankenkassen sprach sich Kreisrätin Filiz Cetin aus – eine Gesundheitskarte könne da viel Bürokratie abbauen.
Ausdrücklich lobte Stefan Müller die Zusammenarbeit mit den Behörden und dem Helferkreis.
Ruth Müller, MdL bedankte sich für die wertvollen Informationen, die in den nächsten Wochen sicherlich in die parlamentarische Arbeit im Bayerischen Landtag mit einfließen werden. "Im Moment wird in Europa Geschichte geschrieben“, so Müller. Und es liegt an allen, ihren Teil zu einem Gelingen beizutragen. Die SPD-Landtagsfraktion habe zum Gesamtkomplex „Asyl“ schon zahlreiche Haushaltsanträge gestellt und werde das auch im Herbst für den Nachtragshaushalt tun, versicherte Johanna Werner-Muggendorfer. Für die jungen Geflüchteten hatten die niederbayerischen Abgeordneten einen Obstkorb und einen Süßigkeitenkorb dabei, was von den Jugendlichen erfreut registriert wurde.
Bildunterschrift: Die niederbayerischen Abgeordneten Johanna Werner-Muggendorfer (1: reihe, links), Ruth Müller (2. Reihe, 6.v.li.) und Bernhard Roos (2. Reihe, 5. v. li.) mit den Kreisräten aus Dingolfing-Landau und Landshut Gerhard Babl (1. Reihe, 2. v.li.), Filiz Cetin (1. Reihe 3.v.li.) und Bernd Vilsmeier (2. Reihe, 7. v. li) mit den Mitarbeitern der Clearingstelle