SPD Adlkofen

Gedanken über das Bildungssystem

Veröffentlicht am 07.11.2008 in Kreistagsfraktion

SPD: „Mit neuem Gymnasium bestehendes Bildungssystem nicht zementieren“

Sehr überraschend sei für die Kreisräte der SPD die Zusage des Kultusministeriums kurz vor der Landtagswahl gekommen, dass es „grünes Licht“ für den Bau eines Landkreisgymnasiums gebe, kommentierte die Fraktionsvorsitzende Ruth Müller das Schreiben von Kultusminister Schneider vom 12. September. Noch dazu, wo sie erfahren habe, dass auch in Regensburg zu diesem Zeitpunkt eine Zusage eingegangen sei. Und auch Regensburg stehe schon seit Jahren beim Kultusministerium auf der Matte.
Natürlich sei es erfreulich, dass diese Zusage nun vorhanden sei, aber richtig freuen werde man sich erst, wenn auch das Finanzministerium von der Bremse steige und Mittel bereit stelle, brachte es der Bucher Bürgermeister Franz Göbl auf den Punkt. Die beiden Fraktionsvorsitzenden erläuterten anhand einer Power-Point-Präsentation die Schulbedarfsanalyse und die Vor- und Nachteile der einzelnen Gemeinden, die sich als Standort für ein neues Gymnasium beworben hatten. Der Standortfrage maßen die SPD-Politiker aus dem Landkreis eine geringere Bedeutung bei als der Frage nach der richtigen Bildungspolitik für die nächsten Jahrzehnte. Deshalb war bei der Fraktionssitzung auch als schulpolitischer Experte der Ergoldsbacher Sebastian Hutzenthaler mit anwesend. „Wir wollen hier ja Bildungspolitik und nicht Verkehrspolitik machen“, kommentierte die Fraktionsvorsitzende die Diskussion um die Errichtung möglicher Buslinien. Dem konnte auch Franz Göbl zustimmen, denn: „Wenn Buslinien geändert werden, dann müsse das auch für die Landkreis-Gymnasiasten aus dem Süden möglich sein, die jetzt außerhalb des Landkreises beschult werden.
Einer zeitgemäßen Infrastruktur bei Bildung und Betreuung komme im Zusammenhang mit dem Struktur- und demographischen Wandel eine entscheidende Bedeutung zu. Die Zukunftsfähigkeit und die Entwicklungschancen einer Region hängen vom Bildungsangebot ab. Die kommunale Ebene ist der Ausgangspunkt für Bildungsprozesse in verschiedenen Lebensphasen. Hier entscheiden sich Erfolg oder Misserfolg von Bildung, werden Grundlagen für berufliche Perspektiven, gesellschaftliche Teilhabe und gleichzeitig die Zukunftsfähigkeit einer Region gelegt, stellte Kreisrätin Ruth Müller eingangs fest.
Die Forderung nach gerechter Bildung sei nicht überflüssig, betonte Kreisrätin Christel Engelhard, da ein direkter Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und den Bildungschancen bestehe. In Niederbayern kämen noch das Stadt-Land-Gefälle sowie die wirtschaftliche Stärke einer Region hinzu, stellte sie fest. Mit einer Übertrittsquote von der Grundschule aufs Gymnasium von 26 Prozent liege der Landkreis Landshut im hinteren Drittel, während beispielsweise der Kreis Starnberg als Spitzenreiter 47 Prozent vorweise.
Dass es auch innerhalb des Landkreises gewaltige Unterschiede gebe, könne man aus der Schulbedarfsplanung ersehen, die der Landkreis in Auftrag gegeben habe. So seien die Übertrittsquoten im nördlichen Landkreis Landshut gegenüber den meisten anderen Regionen deutlich geringer, las Kreisrat Arno Wolf aus der Auswertung heraus. In Pfeffenhausen habe man eine Quote von 21,6%, in Rottenburg von 22,4% und in Hohenthann von 19,6% - im Vergleich liege z. B. die Stadt Landshut mit 36,% oder Kumhausen mit einer Übertrittsquote von 39,7% deutlich besser. Daraus sehe man, dass das Bildungsverhalten auch immer abhängig vom Angebot sei.
Als Kommunalpolitikern muss uns auch klar sein, dass die Finanzierung aller derzeit geplanten Aktionen nur über eine Erhöhung der Kreisumlage gehe, machte es Bürgermeister Franz Göbl deutlich. Derzeit laufen hohe Investitionen wie der Anbau im Landratsamt oder die Krankenpflegeschule in Vilsbiburg. Hinzu kommen vermutlich noch Ausgaben im Bereich der Berufsschule und der Schloßklinik Rottenburg. Deshalb müsse man sich gut überlegen, was wir heute für die Zukunft bauen und wie wir es finanzieren.

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