Einige SoFIA-Teilnehmerinnen aus dem Landkreis Landshut mit der Bürgermeister-Kandidatin Filiz CetinDie erste Teilnehmerin des bayernweiten SoFIA-Projekts kandidiert als Bürgermeisterin in der Gemeinde Essenbach - Rede der Kreisvorsitzenden Ruth Müller zur Kandidatenkür
Liebe Genossinnen und Genossen,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Filiz,
die SPD in der Gemeinde Essenbach unternimmt heute in mehrfacher Hinsicht eine Vorreiterrolle im Landkreis Landshut, wenn nicht gar in ganz Niederbayern: Ihr schickt eine junge Bürgermeisterkandidatin ins Rennen um den Rathaussessel in Essenbach und noch dazu eine Kandidatin, die nicht schon ihr ganzes Leben hier verbracht hat, sondern – wie man am Namen und am Reden hören kann – sozusagen einen doppelten Migrationshintergrund mitbringt. Eine mutige Entscheidung von Euch – aber auch eine gute Entscheidung! Signalisiert sie doch, dass die Qualität eines Kandidaten nicht vom Alter, vom Geschlecht und von der Herkunft abhängt! Und Ihr zeigt damit im Jubiläumsjahr der SPD, in dem viel an historische Taten von Sozialdemokraten erinnert wird, dass Ihr das umsetzt, was immer gefordert wurde: Die Gleichstellung von Frauen und Männern. Am 9. November 1918 hat die SPD nach dem Ende des Kaiserreichs die Regierungsverantwortung übernommen und bereits am 12. November wurde das Frauenwahlrecht beschlossen. Die erste Frau, die in einem deutschen Parlament das Wort ergriff, war die Sozialdemokratin Marie Juchacz und mit Heide Simonis stellte die SPD die erste deutsche Ministerpräsidentin.
Als SPD im Landkreis Landshut sind wir stolz, mit Christel Engelhard erstmals eine Frau als stellvertretende Landrätin zu haben. Doch insgesamt kann uns die Situation in den Parlamenten nicht zufrieden stellen. Deshalb haben wir uns entschlossen, aktiv um mehr Frauen in der Politik zu werben und das bayernweite SoFIA-Projekt (Sozialdemokratische Frauen interessieren und aufbauen) ins Leben gerufen.
Liebe Filiz – Du warst eine der ersten Teilnehmerinnen dieses Projekts und durch Dich ist dieses Projekt auch im Landkreis Landshut mit Leben erfüllt worden. Ihr habt in den letzten Monaten die Gelegenheit genutzt, Euch mit Politik auf allen Ebenen zu befassen und konntet Politiker und Politikerinnen aus dem Europaparlament, aus der Landes- und Bundespolitik kennen lernen. Aber auch Frauen und Männer aus der Kommunalpolitik habt Ihr kennen gelernt – ob einen bekannten Oberbürgermeister wie Christian Ude oder eine kleine Kommunalpolitikerin wie mich. Ich meine – Ihr habt viele Facetten der Politik gesehen und konntet Euch ein Bild davon machen.
Als Kreisvorsitzende der SPD im Landkreis Landshut haben wir bei der Vorbereitung der Kommunalwahl Ende letzten Jahres schon auf die Defizite in den Kommunalparlamenten hingewiesen und klar gemacht, dass wir das ändern wollen: Wir wollen mehr Frauen in der Kommunalpolitik haben und wir wollen auch Menschen mit Migrationshintergrund in die Stadt- und Gemeinderäte und in den Kreistag bringen, damit dort auch wirklich der „Querschnitt der Bevölkerung“ widergespiegelt wird.
Ich freue mich, dass Du dazu beitragen willst, uns bei der Umsetzung unserer Ziele zu helfen. Ich kann mich noch gut erinnern, als wir uns über das Thema „Frauen in den Gemeindeparlamenten“ unterhalten haben und schätzten, wie hoch der Anteil sei. Der Faktencheck hat sowohl Dich als auch mich erschüttert und uns darin bestärkt, das SoFIA-Projekt weiter zu fördern. In den 35 Gemeinden unseres Landkreises sind 548 Kommunalpolitiker ehrenamtlich tätig und davon sind gerade einmal 100 Frauen, was einem Anteil von 18% entspricht.
Doch die Kommunalpolitik lebt auch vom Engagement der Frauen. Sie sind es, die wissen, wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf funktionieren muss. Sie sind durch ihre stärkere Vernetzung in sozialen Ehrenämtern näher am Puls der Menschen und erfahren so, welche Probleme es bei der Kinderbetreuung, bei der Schulbusanbindung oder bei der Organisation von pflegebedürftigen Eltern gibt. Durch Deine Berufstätigkeit bringst Du auch ideale Voraussetzungen mit, um mit Arbeitnehmern, Unternehmern und Selbstständigen erfolgreich zusammenzuarbeiten. Die Kommunalpolitik stellt die Weichen für das Zusammenleben einer solidarischen Gesellschaft, in der es auf jeden einzelnen ankommt. Und ich bin sicher, dass Du das den Menschen hier in der Gemeinde Essenbach vermitteln kannst: Dass es auf jeden einzelnen von ihnen ankommt. Und dass Du Dich um ihre Sorgen und Nöte kümmerst, ihre Wünsche ernst nimmst und als Bürgermeisterin einer großen Kommune auch im Landkreis Landshut für die Interessen des Marktes Essenbach kämpfen wirst.
Ich wünsche Dir, dass Deine Kandidatur auch vielen anderen Frauen Mut macht, sich in die Politik einzubringen, sich einzumischen. Als im Januar 1919 die Frauen erstmals wählen durften, beteiligten sie sich mit 78 Prozent an den Wahlen. Eine ähnlich hohe Wahlbeteiligung wünsche ich Dir für die Wahl im März 2014 – also fast 100 Jahre später und natürlich ein klares Wählervotum für die erste SPD-Bürgermeisterin im Markt Essenbach!