
Ruth Müller, MdL, im Gespräch mit dem Ergoldinger Wildbienenspezialisten Erwin Scheuchl
Kaum jemand weiß, dass es neben der Honigbiene noch etwa 585 bodenständige Wildbienen in Deutschland gibt. In ihrer Funktion als imkereipolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion hat sich Ruth Müller gemeinsam mit Vertretern des Ergoldinger Gemeinderats sowie Mitgliedern des SPD Ortsvereins zu einem Informationsaustausch mit dem Ergoldinger Wildbienenspezialisten Erwin Scheuchl getroffen.
Die Sorge wegen des Bienensterbens hat in denen vergangenen Monaten großes mediales Interesse auf Ursachen und Folgen der Gefährdung der fleißigen Bestäuber gelenkt.
Doch neben der Honigbiene sind ihre wilden Verwandten derzeit ungleich stärker bedroht. Dabei sind Wildbienen in der Bestäubung beinahe noch effektiver und fleißiger und sorgen für höhere Erträge in Obstplantagen, wenn sie dort neben der Honigbiene zusätzlich tätig werden. Durch den starken Rückgang der Honigbienenvölker gewinnen unter den Wildbienen bestimmte Arten immer mehr an Bedeutung. Sie können dazu beitragen, die Obstbestäubung nachhaltig zu sichern.
Mit Erwin Scheuchl hat die Region einen in europaweiten Fachkreisen anerkannten Experten, der bereits einen Vielzahl von Büchern veröffentlicht hat, unter anderem 2016 das von vielen Bienenfreunden erwartete „Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas“.
Erwin Scheuchl, der sich bereits seit 1988 mit dem Thema beschäftigt, hat in seinem Privatgarten in Piflas mit einer Vielzahl von Nistangeboten ein Paradies für Wildbienen geschaffen. Mit Schilfhalmen, Bambusabschnitten sowie Nisthilfen aus Hartholz, Tonstein und Lehm versorgt Erwin Scheuchl die bedrohten Wildbienenarten und bietet ihnen in seinem Naturgarten mit vielen einheimischen Wildpflanzen einen natürlichen Lebensraum, in dem sie sich wohlfühlen.
Um die 40 Wildbienenarten leben in seinem Garten und erst in diesem Jahr ist eine neue Art dazugekommen: die blauschwarze Holzbiene, die mit einer Länge von bis zu 25 Millimeter zu den größten Wildbienen Deutschlands zählt.
Wie auch viele Imker freut sich der Wildbienenspezialist Scheuchl über das in den vergangenen Monaten neu erwachte Bewusstsein der Gesellschaft für den Artenschutz. Das spürt er nicht zuletzt in der Vielzahl von Mails, die ihn jeden Tag erreichen und in denen er von interessierten Naturbeobachtern mit einer großen Bandbreite von Fragen bombardiert wird.
Scheuchl ist es ganz besonders wichtig, dass eine vordergründige Gartenästhetik in Form von Steingärten und perfektionierten Mähroboterrasenflächen wieder natürlichen Gartenlandschaften mit bienenfreundlichen Aspekten weicht. „Dazu kann jeder Einzelne beitragen, denn es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe den ökologischen Nutzen von Bienen mit einfachen Mitteln zu unterstützen“, so Ruth Müller, „ sei es auf privater Ebene durch den Verzicht auf Pestizide oder das Angebot von Wildblumen im eigenen Garten oder aber auch auf kommunaler Ebene durch die insektenfreundliche Gestaltung von Landkreisflächen.“ Ruth Müller verwies in diesem Kontext auf den kürzlich von der SPD Kreistagsfraktion initiierten Antrag zur „Bienenfreundlichen Pflege der kreiseigenen Flächen und Straßen“, der vom Umweltausschuss der Kreistags einstimmig angenommen wurde.
Gemeinderat Joachim Czichon engagiert sich derzeit ebenfalls dafür, dass der Grünstreifen an der Mattarello-Allee in Ergolding insektenfreundlicher gestaltet werden soll: „Ich wünsche mir, dass bei der Gestaltung und Pflege gemeindeeigener Grünflächen in Ergolding künftig die Grundsätze des Natur- und Artenschutzes eine stärkere Beachtung finden“.
Der Lebensraum für Wildbienen schwindet auf dem Land wie in der Stadt: „Dass jeder einzelne mit wenig Aufwand dazu beitragen kann, durch die Förderung des ganzjährigen Blühangebotes und durch die Bereitstellung geeigneter Nisthabitate etwas gegen den Schwund beizutragen, sollte jeden dazu motivieren, dass dieses Problem tatsächlich nur mit der Hilfe jedes Einzelnen zu lösen sein wird“, beschloss Ruth Müller den fachlichen Austausch und versprach sich weiterhin auf Landesebene für dieses Thema einzusetzen.
Bildunterschrift: Erwin Scheuchl präsentierte Ruth Müller, MdL (3.v.li.), Cornelia und Joachim Czichon(li) sowie Ursula und Friedrich Egner (re.) sein großzügiges „Wildbienen-Hotel“