Selbstkritisch und selbstbewusst blickt die SPD zurück und vor allem nach vorne
„Alle für Olaf“, warb Bürgermeister Hans Lohmeier für die Arbeit des neuen SPD-Parteivorsitzenden in Straubing. Der Notar Dr. Olaf Sommerfeld hatte zusammen mit Bezirksgeschäftsführerin Christine Schrock nach zehn Jahren wieder zu einem SPD-Neujahrsempfang am Freitagabend in das Hotel Asam eingeladen. Und rund 100 Genossen und Freunde der Sozis waren gekommen, um mit frischem Wind die älteste Partei der Stadt, gegründet vor über 110 Jahren, wieder mit frischem Leben zu füllen.
Sehr lange schon arbeite die SPD aktiv für das Leben in der Stadt und habe diese stark geprägt, erklärte Lohmeier selbstbewusst und erinnerte an erfolgreiche Oberbürgermeister, wie Hermann Stiefvater von 1960 bis 1972, und die Erfolgszeit von Fritz Geisperger und Reinhold Perlak von 1990 bis 2008, in diesen Zeiten habe man Straubing aus der konservativen Erstarrung gelöst und modernisiert. „Frech wage ich zu behaupten, dass 90 Prozent der Dinge, die Straubing heute so gut dastehen lassen, auf den Schultern der SPD gewachsen sind“, erklärte er.
Allerdings habe seine Partei auch Fehler gemacht. Man habe sich und die Arbeit der SPD nicht ausreichend dargestellt und sich mit sich selbst beschäftigt. Man müsse wieder mehr präsent sein, man habe als SPD ein anspruchsvolles Wählerpotential: „Unsere Wähler denken mit.“ Nach den großen Verlusten bei der vergangenen Stadtratswahl müsse man wieder „mehr hinausgehen in die Öffentlichkeit“, dafür sei Dr. Olaf Sommerfeld an der Parteispitze der richtige Mann. Einer alleine könne dies aber nicht bewältigen. Daher müssten alle SPDler hinter ihm stehen: „Alle für Olaf!“
Jede Eisflächen-Wette wird angenommen
Bei seinem Rück-und Ausblick streifte Dr. Sommerfeld kurz die Weltpolitik: „Politisch gesehen war 2014 kein gutes Jahr“ – Krieg, Flüchtlinge, Ebola und Terror. Bevor der Straubinger Parteivorsitzende sich der Stadtpolitik zuwandte: Charmant direkt griff Dr. Sommerfeld mit Seitenhieben die CSU auf allen Ebenen an. Zwei Wochen vor der Wahl habe es die Straubinger CSU so aussehen lassen, als würde jeden Moment eine zweite Eisfläche mit sicherer Finanzierung gebaut. Jetzt höre man nichts mehr davon. Er wettet daher jeden Betrag, dass dieses Jahr kein Richtfest gefeiert werde.
Der Freistaat spart sich auf Kosten der Kommunen gesund, und wir vor Ort – auch in Straubing – dürfen die Suppe auslöffeln. Zur Stärkung Straubings wiederholter er die SPD-Forderung nach einer deutlichen Senkung des Gewerbehebesteuergesetztes, um Impulse für die Wirtschaft zu geben. „Auf Zuweisungen aus München brauchen wir nicht zu hoffen, obwohl doch Straubing als Oberzentrum ausgewiesen ist. Jetzt bekommen sogar Dörfer eher eine Uni als wir. Schönen Gruß nach Pfarrkirchen!“ Und wo bleibt der Ausbau der B20 und des barrierefreien Bahnhofs? Außerdem setzte Dr. Sommerfeld sich für eine weitere Stärkung des Projekts „Soziale Stadt“ ein, von dem Senioren, Familien und Menschen mit Migrationshintergrund profititeren.
Schade auch, dasss Ministerpräsident Horst Seehofer bei dem Neujahrsempfang des CSU-Kreisverbandes mit keinem Wort den Wahlbetrug in Geiselhöring angesprochen habe, erklärte Dr. Sommerfeld. Und natürlich habe man im Koalitionsvertrag den Maut-Plänen der Schwarzen zustimmen können, weil eh jeder wisse, dass das mit EU-Recht niemals durchzusetzen sei. Auch andere Diskussionen seien sinnfrei, jede Religion gehöre zu Deutschland, das stehe sogar im Grundgesetz, Religionsfreiheit ist Artikel vier erinnerte der Notar, der sich freute, dass seinem Aufruf zum Gedenken an die Opfer der französischen Terroranschläge, der überparteilich besucht war, spontan so viele Leute folgten (wir berichteten).
Sportlich und geschlossen Aufgaben anpacken
„Es hat bei mir zwar nicht zum Stadtrat gereicht, aber zu einem Finalticket der Fußball-WM in Rio de Janeiro“, erklärte der SPD-Vorsitzende. Dort schwenkte er eine Fahne mit Straubing-Aufdruck, und wie diese Siegermannschaft wolle eine geschlossene SPD für gemeinsame Ziele in Straubing arbeiten.
Zahlreiche Ehrengäste aus Ämtern, Institutionen und Schulen begrüßte die Partei, ebenso wie Spitzen der SPD mit Bezirksvorsitzendem und Obmann des NSU-Untersuchungsausschusses, MdB Christian Flisek aus Passau, und MdL Ruth Müller aus Landshut, sowie amtierende und ehemalige SPD-Stadträte und Beiratsvorsitzende. Wir mussten sogar in einen größeren Saal wechseln, freute sich Bezirksgeschäftsführerin Christine Schrock.
Für den heiteren Teil des Abends hatte man sich einen Gast vom Regensburger Statt-Theater eingeladen. Herrlich politisch unkorrekt warf Kabarettistin Inge Faes einen Blick auf ihre Jugend in den 60er-Jahren, in der die passivrauchende Oma trotz kettenrauchenden Opas 93 wurde und Kinder mit fetten Butter- und Wurstbroten aufwuchsen: „Wir hatten nichts gegen Glutamat, Lactose oder Leberkäs“. Ohne Gesundheitswahn, Vegetarismus und übertriebene Pädagogik habe man auch überlebt. Und der Schlankheitswahn von Frauen bekam auch sein Fett weg. „Das Leben ist halt hart, aber ungerecht“, bekamen die SPDler zu hören, die darüber schmunzelnd anschließend bei guten Gesprächen und positivem Blick auf die Parteiarbeit den Abend ausklingen ließen.