Einer aktuellen Ermittlung zufolge haben sich über 6200 Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen waren, im Jahr 2014 bayernweit an einen Frauennotruf gewandt.
Einer aktuellen Ermittlung zufolge haben sich über 6200 Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen waren, im Jahr 2014 bayernweit an einen Frauennotruf gewandt.
Wie sich die Situation für betroffene Frauen und ihre Kinder im Landkreis Ebersberg gestaltet und welcher Handlungsbedarf besteht, das wollte die SPD-Landtagsabgeordnete Doris Rauscher bei einem Besuch beim Frauennotruf Ebersberg erfahren. Gemeinsam mit den beiden frauenpolitischen Sprecherinnen der SPD-Landtagsfraktion Simone Strohmayr und Ruth Müller tauschte sich die Ebersbergerin mit haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Frauennotrufs und einer Vertreterin des Dachverbands aus. Auch der Frauennotruf Ebersberg wurde im Jahr 2015 427-mal in Notsituationen oder bei Beratungsbedarf kontaktiert -
gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg von 50 Kontakten.
"Die Frauen wenden sich an uns nicht nur in ganz akuten Notlagen, sondern auch, wenn sie merken, dass sich in ihre Beziehung eine von Gewalt geprägte Dynamik eingeschlichen hat", berichtet Tanja Hafner vom Frauennotruf Ebersberg. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Silvia Bothe ist sie für die betroffenen Frauen und ihre Kinder im Einsatz und berät, unterstützt und vermittelt Hilfsangebote. Viele der Erstkontakte gehen
über in eine längere Beratungs- und Begleitungszeit der von Gewalt betroffenen Frauen.
Neben den beiden Hauptamtlichen sind aber auch die zwölf Ehrenamtlichen, die neben den beiden Sozialpädagoginnen das 24-Stunden-Notruftelefon betreuen und oftmals die ersten Ansprechpartnerinnen
sind, eine feste Größe des Vereins. "Die Ehrenamtlichen sind für den Verein besonders wichtig, doch oftmals
kommen sie auch an die Grenzen der Belastbarkeit", fasst Doris Rauscher die Eindrücke zusammen. "Wichtig wäre es daher, mehr Hauptamtliche zu haben, um betroffene Frauen intensiver in ihren sehr schweren Zeiten zu begleiten und die Ehrenamtlichen zu entlasten." Gerade auch für Frauen mit besonderen Bedürfnissen, wie z.B. Frauen mit Behinderung, einer Suchtthematik oder auch geflüchteten Frauen, könnte dann auch die notwendige Unterstützung geschaffen werden. Weitere Probleme, die die drei Abgeordneten mit den Vertreterinnen des Frauennotrufs, der Vereinsführung und der Fachreferentin des Dachverbands, des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, diskutierten, waren das dringend notwendige Angebot für die
mitbetroffenen Kinder und Jugendlichen auch in Beratungsstellen, die Stärkung der Täterberatung und insbesondere die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum.
Vielfach scheiterten die Frauen daran, eine eigene Wohnung zu finden, die sie sich leisten können. Finden sie keine, müssen sie entweder länger in einer Schutzwohnung oder einem Frauenhaus bleiben oder im schlimmsten Fall zu ihrem Partner zurückkehren. "Damit der Frauennotruf auch im kommenden Jahr seine wichtige Arbeit machen kann, braucht es von Seiten des Freistaats eine bessere finanzielle und personelle Förderung sowie die Stärkung der ambulanten und stationären Hilfsangebote - denn nur dann kann allen betroffenen Frauen auch umgehend geholfen werden", fordert Doris Rauscher. "Der Landkreis Ebersberg
unterstützt die Arbeit sehr vorbildlich, doch auf Seiten des Freistaats muss dringend nachgebessert werden!"
Ebersberger Zeitung vom 13.08.2016
Foto: Frauenfrühstück mit ernstem Thema
(v.l.n.r.): Ruth Müller, Simone Strohmayr, Doris Rauscher (alle Landtagsabgeordnete), Silvia Bothe, Helga Khamis und Elisabeth Stanglmeier (beide Vorstand des Trägervereins), Tanja Hafner, Antje Krüger (Fachreferentin Paritätischer Wohlfahrtsverband).
Homepage Ruth Müller