SPD Adlkofen

„10H-Regelung“ schiebt den Gemeinden nun den „schwarzen Peter“

Veröffentlicht am 24.04.2014 in Landespolitik

Erneuerbare Energien nicht ausbremsen – Netzstabilität sichern

„Der kürzlich vorgestellte Kabinettsbeschluss, der einen größeren Mindestabstand von Windrädern zu Wohnhäusern vorsieht, wird in unserer dicht besiedelten Region das Aus für die Windenergie bedeuten“, befürchtet die Landtagsabgeordnete Ruth Müller.

Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima hatte Horst Seehofer großspurig „1000 Windräder für ganz Bayern“ angekündigt und wollte mit einer bayerischen Energiewende allen anderen Bundesländern voraus gehen. Auch die Gemeinden des Landkreises Landshut haben sich auf den Weg gemacht, und mit Planungsbüros Konzentrationsflächen für Windenergie ausgewiesen, Geld in die Hand genommen und Zeit investiert. Die Regionalen Planungsverbände haben mit dem erst letztes Jahr in Kraft getretenen Landesentwicklungsprogramm den Auftrag erhalten, dass sie innerhalb von zwei Jahren nach Inkrafttreten des Landesentwicklungsplans Vorranggebiete für die Errichtung von Windkraftanlagen festlegen müssen.

Die nun ins Spiel gebrachte „10H-Regelung“ schiebt den Gemeinden nun den „schwarzen Peter“ zu, so Müller. Halten sich die Kommunen an diese 10H-Regelung, so wird wohl in keiner Gemeinde in Niederbayern mehr ein modernes Windrad errichtet werden können und die Gemeinden stehen als Blockierer der Energiewende da. Bei der Zustimmung zu geringeren Abständen werden Bürgerproteste und viele Bürgerentscheide folgen, befürchtet Müller. Auf dieses unsichere Terrain wird sich wohl kein Investor einlassen.

Eine Herkulesaufgabe wird es sein, nun zu ermitteln, ob Flächen für Windkraft übrig bleiben, denn nach dem Gesetzestext gelte die 10H-Regelung wohl nicht im Außenbereich, für Weiler oder Einzelgehöfte. Ob dies dann auch windhöffige Standorte seien, gleiche einem Glücksspiel.

Als Industrieland sei man auf die Sicherheit einer stabilen Spannungs- und Energieversorgung mit einer bestmöglichen Spannungsqualität gemäß der Norm EN 50160 oder besser angewiesen.

 Netzstabilität könne man  zum einen durch eine regional gute Verteilung von Energieerzeugung erreichen, also nicht nur Windkraftwerke in der Nordsee, sondern Erzeugungsanlagen über die komplette Bundesrepublik möglichst gleichmäßig verteilt. Zudem würde ein möglichst breiter Energiemix (Wind, Sonne, Biogas, Wasser …) die Versorgungssicherheit und die Netzstabilität steigern, so Müller.

Mit der Zunahme dezentraler Erzeugungsanlagen einerseits, und der Anreizregulierung andererseits, steigt aber auch der Anspruch an die Verteilnetz-Intelligenz. Verteilnetz-Intelligenz bedeutet mehr Messtechnik im Stromverteilnetz, um zu wissen, was „im Netz passiert“. Die Dezentralisierung findet nun auch auf dieser Ebene statt und zwar von den Umspannwerken hin zu den Ortsnetzstationen. Das Monitoring der Stromversorgungsnetze im Bereich der Ortsnetzstationen, die immer häufiger die Aufgabe intelligenter Knotenpunkte übernehmen, wird ein zentraler Punkt in der Ausgestaltung von Smart Grids werden. „Intelligente Netze“, die Fehlerortungen vornehmen, Störungen erkennen und Analysen zur Spannungsqualität liefern, sind technisch möglich und werden einen wichtigen Baustein zu einer gelingenden Energiewende liefern.

Homepage Ruth Müller