SPD Adlkofen

Zum Tag der Deutschen Einheit

Veröffentlicht am 03.10.2012 in Allgemein

August 1989 - auf dem Bahnhof in Budapest

Wenn Grenzen fallen, können auch die Mauern in den Köpfen nicht bestehen bleiben!

In einem geeinten und friedlichen Europa aufzuwachsen ist für unsere Kinder heute eine Selbstverständlichkeit. Dass es einmal anders war, daran kann man sich am 3. Oktober, dem "Tag der Deutschen Einheit" erinnern.

Die "Wendezeit" 1989 / 1990 habe ich sehr intensiv erlebt, sie hat mit dazu beigetragen, mich zu politisieren, für Demokratie zu begeistern und zu meiner ersten kommunalpolitischen Kandidatur 1990 geführt.

Ende Juli 1989 brachen wir zu einer mehrwöchigen Fahrradtour auf - wir starteten in Passau, radelten entlang der Donau nach Wien. Dort trennten sich unsere Wege: Drei fuhren nach Hause und wir anderen drei reisten weiter nach Budapest und von dort durch das Matra-Gebirge bis nach Debrecen an der rumänischen Grenze. Vollbepackt waren unsere Räder, Zelt, Schlafsäcke, Geschirr und ein paar Klamotten. Ein heißer Sommer, so dass wir die meiste Zeit in unseren (damals obligatorischen) Birkenstock-Sandalen unterwegs waren. Die weißen Adidas-Turnschuhe mit den drei schwarzen Streifen baumelten über dem Gepäckträger.

In Ungarn trafen wir nebe vielen netten Ungarn - die unser mühsam erlerntes Ungarisch auch verstanden - auch viele Ostdeutsche.

Wir wunderten uns schon, selbst in den entlegensten Gebieten und Campingplätzen Deutsche zu treffen, die uns auch oft beim Übersetzen halfen. Allen war gleich, dass sie ihre Autos bis unters Dach vollgestopft hatten. Sogar einen Radfahrer trafen wir, der uns anhand unserer Birkenstock-Sandalen sofort als Westdeutsche identifizierte und uns erklärte, er sei auch auf dem Weg nach Deutschland. So richtig einordnen konnten wir das damals nicht.

Zurück in Budapest erwartete uns das Chaos – die erste deutsche Zeitung, die wir nach 3 Wochen am Bahnhof erblickten, war die „BILD“-Zeitung mit dem Titel „Die Verzweifelten von Budapest“. Erst da wurden uns die Zusammenhänge klar.

Am 19. August machten wir uns mit dem Zug auf den Heimweg, was sich jedoch schwieriger und langwieriger gestaltete als geplant. Alle halbe Stunde wurde der Zug gestoppt, wir wurden mit vorgehaltenen Maschinenpistolen wiederholt kontrolliert, unsere Visastempel verglichen und unsere Bargeldbestände überprüft.

20 Stunden später erfuhren wir bei unserer Ankunft in Landshut, was an der ungarisch-österreichischen Grenze an diesem Tag beim „Paneuropäischen Picknick“ passiert ist. Von nun an ging es „Schlag auf Schlag“ – die Ereignisse überstürzten sich. Ab Oktober fanden von Leipzig ausgehend – mit Unterstützung der Kirchen – die Montagsdemonstrationen statt. Und im November beschlossen wir von der KLJB, uns auch in die Kommunalpolitik einzubringen und gründeten eine Kommunalwahlgemeinschaft für den Kreistag.

Das Wochenende vom 1. Juli 1990, an dem die D-Mark im Osten eingeführt wurde, verbrachte ich in Leipzig. Eine besondere Stimmung herrschte in der Stadt - die Läden waren schon voll mit Waren, die Preisauszeichnung bereits in "DM".

Wir waren neugierig auf diese "Fünf Neuen Länder" - und verbrachten mittlerweile auch einige Urlaube dort: Eine Radltour durch Mecklenburg-Vorpommern, ein Urlaub auf Rügen, mit dem Kanu durch die mecklenburgische Seenplatte, die Ostsee-Insel Poel und Dresden - schöne Landschaften, nette Menschen und nie das Gefühl, als wäre es einmal anders gewesen.

Ich bin dankbar, dass ich mich an die Wiedervereinigung mit einigen persönlichen Erlebnissen erinnern darf!

Homepage Ruth Müller