Bayerische Staatszeitung v. 20.2.15 - Text: David LohmannViele ältere Frauen im Freistaat sind von Armut betroffen. Laut der Gewerkschaft ver.di liegt die Rentenlücke, also die Differenz zwischen dem letzten Einkommen und der gesetzlichen Altersversorgung, von Frauen im Vergleich zu Männern bei 56 Prozent. Das bedeutet, Frauen erhalten nur halb so viel Rente wie Männer.Grund: Sie arbeiten wegen der Kindererziehung kürzer und verdienen immer noch mindestens 20 Prozent weniger als Männer. Dadurch sinkt auch der Beitrag für die gesetzliche Rentenversicherung. Ruth Müller (SPD) wollte deswegen von der Staatsregierung wissen, wie Frauen zukünftig von ihrer Rente leben können und welche Maßnahmen für ein gleichberechtigtes Erwerbsverhalten ergriffen werden.
Das Arbeitsministerium erklärt in seiner Antwort, der durchschnittliche Rentenbetrag für Frauen habe 2011 bei 521 Euro und im Jahr 2012 bei 535 Euro gelegen - bei Männern hingegen 1012 Euro beziehungsweise 1033 Euro pro Monat. Besonders armutsgefährdet sind Rentnerinnen im Landkreis Amberg-Sulzbach: Dort betrug die monatliche Durchschnittszahlung lediglich 393 Euro, also weniger als der Hartz-IV-Regelsatz. Dennoch lässt das laut dem Ressort von Arbeitsministerin Emilia Müller (CSU) keine Rückschlüsse auf die unterschiedliche Altersabsicherung der Geschlechter zu. "Das folgt zum einen daraus, dass Frauen und Männer auch im höheren Alter noch mehrheitlich in gemeinsamen beziehungsweise gemischtgeschlechtlichen Haushalten leben und gemeinsam wirtschaften", erklärt ein Sprecher. Zum anderen bezögen Rentnerinnen aufgrund ihrer höheren
Lebenserwartung deutlich häufiger als Rentner eine Witwenrente. "Reine Kindererziehungsleistungen wurden
hierbei nicht berücksichtigt, die den Unterschied weiter ausgleichen dürften." Nicht zuletzt sei beim letzten
Report zur sozialen Lage in Bayern festgestellt worden, dass sich die geschlechterspezifischen wie auch die regionalen Disparitäten seit 2004 vermindert hätten. So seien die Rentenzahlungen für Frauen mit 8,1 Prozent beispielsweise deutlich stärker gestiegen als die der Männer mit 4,7 Prozent.
Ein typischer Frauenberuf ist laut Arbeitsministerium auch nicht gleichzusetzen mit einem Beruf, der finanziell oder gesellschaftlich aufgewertet werden muss. Müllers Sprecher räumt allerdings ein, dass besonders Berufe mit einem hohen Frauenanteil in Tarifverträgen eher niedriger bewertet werden als Tätigkeiten, die eher Männern zugeordnet werden. "Daher setzt sich die Staatsregierung für eine Sensibilisierung der Tarifvertragsparteien für geschlechtsspezifische Rollenbilder ein." Damit Jungen und Mädchen die Möglichkeit haben, ihr Leben unabhängig von Rollenbildern zu gestalten, gebe es außerdem den Jugendwettbewerb "Rollenbrecher". Des Weiteren soll durch den Ausbau der Kinderbetreuungsangebote die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert werden. Darüber hinaus gebe es neben den Beratungsstellen für Frauen Orientierungs-, Coaching- und Qualifizierungsmaßnahmen, um den Wiedereinstieg in den Beruf nach einer Familienzeit zu erleichtern. Nicht zuletzt unterstütze die Staatsregierung gesetzgeberische Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen. "Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD wurde außerdem vereinbart, zusätzlich zur Anhebung der Kindererziehungszeiten eine solidarische Lebensleistung einzuführen", betont das Müller-Ressort.
Diese würde ab 2017 Geringverdienern und Menschen, die Kinder erzogen haben, zugutekommen. "Um Altersarmut von Frauen zu verhindern, ist dringend politisches Handeln bei der Absicherung im Alter notwendig", resümiert SPD-Frau Müller. Die Staatsregierung müsse jetzt Verantwortung übernehmen und gegensteuern. "Besonders Erziehungs- und Pflegeberufe müssen besser entlohnt werden - hier sind es vor allem Frauen, die weit unter Wert bezahlt werden." > DAVID LOHMANN