SPD Adlkofen

„Weihnachten sind wir wieder zu Hause“

Veröffentlicht am 02.01.2015 in Veranstaltungen

Historischer Themenabend des AK Labertal am 4. Advent

Anschließend an die Ausstellung zur Geschichtswerkstatt 1 Weltkrieg lud die Labertaler SPD zum „Historischen Themenabend“ ein. Wie für dieses Veranstaltungsformat des AK Labertal typisch, wurde regionale Geschichte hautnah präsentiert. Neben der Rolle der SPD vor, während und nach dem 1. Weltkrieg, eindruckvoll referiert von der Deggendorfer Bundestagsabgeordneten Rita Hagl Kehl, präsentierte Franz Graf erstmalig die Feldtagebücher des Paffenberger Bürgermeisters und Landtagsabgeordneten Carl Gandorfer aus den Jahren 1914-17. Abschließend schloss der Kinofilm „Frohe Weihnachten 1914“ den Themenkreis mit eindrucksvollen Bilder und einer unglaublichen Geschichte ab.

Dr. Johann Kirchinger, 2. Bürgermeister und selbst Historiker, lobte in seinem Grußwort ausdrücklich die Initiative und die Themenstellung der Geschichtswerkstatt des AK Labertal. Gerade die Erlebnisse, die Not und das Elend an der regional verorteten Heimatfront, die es im 1. Weltkrieg erstmals gegeben hatte und die als Probelauf für die Geschehnisse im 2. Weltkrieg gelten konnte, seien völlig unerforscht und einer Betrachtung wert. Auch die gesellschaftlichen Umbrüche, die das Ende des Krieges nur noch beschleunigte, seien, so Kirchinger, nicht zu übersehen. Hier könne sich vor allem die SPD eine bedeutende Rolle zuschreiben. Das Frauenwahlrecht, der 8- Stunden- Arbeitstag, die Arbeitslosenversicherung  - und nicht zuletzt die Demokratie können die Sozialdemokraten für sich verbuchen. Nicht zuletzt mit den Brüdern Ludwig und Carl Gandorfer, die in München zusammen mit Kurt Eisner die Revolution ausriefen.

Die SPD im Umfeld des 1. Weltkrieges

Rita Hagl- Kehl, MdB, aus Deggendorf hielt den Festvortrag zur Rolle der SPD im Umfeld des 1. Weltkrieges. Von der Gründung der Arbeiterpartei vor mehr als  Jahren bis zum Beginn des 1. Weltkrieges war die SPD in stetigem Wachsen begriffen. Auch die Sozialistengesetze Bismarcks konnten den Aufstieg der SPD nicht stoppen. So war es zu Beginn de Krieges auch an ihr, die parlamentarischen Schritte hin zum Krieg abzusegnen. Diese Entscheidung machte man sich nicht leicht, so Hagl- Kehl. Schon lange zuvor und dann bis zum letzten Tag kämpften Sozialdemokraten für den Frieden und gegen den Krieg. Nicht wenige würden dafür als Verräter eingesperrt. Die Versicherungen der Kaisers und der Heerführung keinen Krieg zu wollen und schließlich nur das Deutsche Reich verteidigen zu müssen, brachten dann die Zustimmung der SPD zu den Kriegskrediten – wie sich später herausstellte, war man hier aber den Lügen der Kriegstreiber aufgesessen.  Mehr und mehr bröckelte die patriotische Linie der SPD und es kam sogar zu Spaltung in unabhängige (USPD) und Mehrheits- Sozialdemokraten (MSPD). Dabei konnte die MSPD aber viele gesellschaftliche Reformen mit der Gewährung weiterer Kriegskredite verknüpfen und das Ende der Monarchie einläuten. Ein Ende, das mit der Niederlage einhergehen musste. Zum Ende des Krieges überschlugen sich die Ereignisse und es kam zur Revolution – zuerst in München mit Eisner und den Gandorfers, dann in Berlin mit Ebert und Scheidemann. Die Heeresführung gab den Krieg verloren und überlies es den Zivilisten, den Waffenstillstand und später die Niederlage zu unterschreiben. Gleichzeitig stand das Schicksal Deutschlands auf der Kippe – wo sollte es hingehen? Die USPD und die Spartakisten wollten die Macht bei den Bauern- und Soldatenräten nach sowjetischem Vorbild, die MSPD die Demokratie in Reinform. Sie setzten sich schließlich durch und setzten den Grundstein für die Weimarer Republik. Schon hier spielten die konservativen und rechten Kräfte ihr eigenes Spiel und so kam es zu grundlegenden Fehlern bei der Errichtung der Republik. Die „alten Eliten“ taten das ihre, unterstützt von den Militärs, die sich als unbesiegt und von der (roten) Heimat erdolcht darstellte, um die Republik nach nur 15 Jahren zum Scheitern zu bringen. Die Sozialdemokraten konnten zumindest gleich nach dem Krieg ihre gesellschaftlichen Neuerungen umsetzen, von denen wir noch heute profitieren.

Rita Hagl- Kehl schlug abschließend die Brücke zum Heute und fragte, wie verankert die Demokratie heute in unsere Gesellschaft sei. Hatten die Menschen in der Weimarer Republik keine Erfahrung mit demokratischen Verhältnissen, waren sie doch als Untertanen geboren und zum Gehorsam erzogen worden, so seien wir heute erfahrene Demokraten, die aber unsere Demokratie mehr und mehr auf´s Spiel setzten. Hagl- Kehl verwies an die PEGIDA- Bewegung, die aktuell alle demokratischen Errungenschaften und die Friedensgeschichte Europas seit dem 2. Weltkrieg in Frage stelle und rechten Brandstiftern auf den Leim gehe.

 

Bildunterschrift: Die Bundestagsabgeordnete Rita Hagl- Kehl referierte zur Rolle der SPD im 1. Weltkrieg

Homepage Ruth Müller