SPD Adlkofen

Stütze für den Rettungsdienst stärken

Veröffentlicht am 20.08.2015 in Wahlkreis

Bild und Text: Rottenburger-Zeitung vom 20.8.15/Ralf Gengnagel

SPD Landtagsabgeordnete Ruth Müller besuchte Rettungswache des BRK in Rottenburg

Wie ausgelastet ist das Personal des Rettungsdienstes in Rottenburg, das in Notfällen Verletzte versorgt oder Menschenleben rettet? Mit einem Besuch bei der Rettungswache verschaffte sich Landtagsabgeordnete Ruth Müller, SPD, einen Eindruck über die Situation. Dabei stand im Vordergrund, wie die Optimierung der rettungsdienstlichen Versorgung und die Effizienzsteigerung in Einklang gebracht werden.

Die Rettungswache deckt bis zur Landkreisgrenze Kelheim mit den umliegenden Gemeinden ein großes Gebiet ab. Als Rettungsmittel stehen ein Rettungswagen und ein Notarzteinsatzfahrzeug rund um die Uhr zur Verfügung, erklärt Werner Sitte, Leiter der Rettungswache. Ein Wagen für nicht akute Krankentransporte und ein Einsatzwagen für den „Helfer vor Ort“ (HVO) ergänzen den Fuhrpark.

Die Helfer vor Ort rücken mit Blaulicht und Sirene aus, wenn der Rettungswagen bereits unterwegs ist und sich dadurch eine behandlungsfreie Zeit ergeben würde. Die professionell ausgebildeten Rettungskräfte der Bereitschaft des BRK können unterdessen mit Therapiemaßnahmen beginnen, bis Notarzt oder Rettungswagen eintreffen.

Die jährlich etwa 1500 Rettungseinsätze, stemmen in der Rettungswache 20 Hauptamtliche und vier geringfügig Beschäftigte, sagte Sitte. Die Bereitschaftsmitglieder seien daher eine notwendige und sehr wichtige Entlastung für den Rettungsdienst. Daneben erläuterte BRK-Bereitschaftsleiter Bernhard Wagner die Struktur des ehrenamtlichen BRK-Bereiches, der derzeit 50 Mitglieder (davon 36 aktive) umfasst. Neben dem „Helfer vor Ort“ stellen die Sanitätsdienste die Hauptaufgaben der Bereitschaft. Bei Veranstaltungen, egal ob Fahnenweihe, Sportfest, Volksfest oder Faschingsumzug, helfen sie Verletzten oder Erkrankten. Die Dienstzeit erstreckt sich auf über 700 Stunden pro Jahr. Jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat treffen sich die Bereitschaftsmitglieder zur Diensteinteilung und -besprechung.

Ehrenamt beim BRK eine wichtige Säule

Ab den 90er Jahren ging die Strukturentwicklung in eine Richtung, dass hauptamtliches Personal die ehrenamtlichen Rettungskräfte herausdrängte, sagte Hagen Westphal, Geschäftsführer des BRK-Kreisverbandes Landshut. Nun müssen die Ehrenamtlichen zum Teil wieder reaktiviert werden und zueinanderfinden.

Auf Grundlage einer Trend- und Strukturanalyse des Rettungsdienstes in Bayern vom Dezember 1998, wurden Möglichkeiten herausgearbeitet, die Effizienzsteigerungen im Bereich des Rettungswesens hervorbringen sollten. Im Ergebnis hielt Westphal fest, „dass aus vier Rettungswagen zwei wurden und dadurch Alarmierungen zu kurzfristig aufeinanderfolgen“. Das Gutachten hätte nicht berücksichtigt, dass die Bevölkerungszahlen angestiegen seien und dadurch auch die Einsätze mehr wurden. Dies habe sich auch auf die Region in Rottenburg ausgewirkt. Im Herbst gebe es eine neue Trendanalyse, welche die Situation entlasten müsse. Laut Wagner sei die so notwendige Nachwuchsgewinnung in Rottenburg anfänglich sehr schleppend gewesen. Grund sei, dass viele sportliche und kirchliche Vereine in der Region gut aufgestellt seien, und daher für Viele keine Zeit für ein weiteres Amt bliebe. Auch der Wegfall des Zivildienstes habe zu einem Einschnitt geführt, sagte Müller. Sie selbst habe in Pfeffenhausen eine Jugendrotkreuz-Gruppe mit aufgebaut, und wisse um die Schwierigkeiten der Nachwuchsgewinnung.

Attraktivität muss gesteigert werden

Dass dies eher ein regionales Problem sei, erläutere Westphal an dem Beispiel der Jugendrotkreuz-Gruppe in Buch am Erlbach. Von 50 Kindern sei die Zahl innerhalb weniger Jahre auf 160 gestiegen. Gabi Pawlik, Jugendleiterin des BRK, betreibe einen sich lohnenden Aufwand. Zeltlager und Wettbewerbe, attraktive Weiterbildungsmaßnahmen und Schlüsselqualifikationen, die den Jugendlichen auf ihrem weiteren Werdegang zugutekommen, motivieren, sich fürs Ehrenamt zu engagieren. „Es ist eben regional sehr unterschiedlich und in allen Gruppen ist ein Eigenmotor notwendig“, sagte Westphal.

Viele sind auch nicht richtig über die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten beim BRK informiert, sagte Wachleiter Sitte. Während bei Feuerwehr und THW oft das Arbeiten mit Technik und Maschinen zu faszinieren scheint, verblasst die Sanitätsausbildung. „Unsere Rettungskräfte sind genauso gut ausgebildet, können Motorsägen bedienen oder Notstromaggregate betreiben“, sagte Sitte. Die Attraktivität ehrenamtlicher Kräfte, sich an einem Rettungseinsatz zu beteiligen, müsse noch mehr in den politischen Fokus rücken, sagte Müller. Sie fordere weiterhin eine Helfergleichstellung. Gemeint sei die Gleichbehandlung von ehrenamtlichen Kräften des Rettungsdienstes. Diese brauchen einen gesetzlichen Anspruch auf Freistellung von Arbeit, Lohnfortzahlung oder Ersatz des Verdienstausfalles sowie Ersatz einsatzbedingter Sachschäden.

Bei den ganzen Diskussionen rund um den Rettungsdienst ist es Westphal ein Anliegen, das Wesentlichste nicht außer Acht zu lassen: „Es geht immer sehr schnell unter, dass die Rettungskräfte eine hervorragende Arbeit leisten, dass jeder Einsatz gefahren wurde und jede Rettungsmaßnahme vollzogen wurde.“

Foto: Die Landtagsabgeordnete Ruth Müller (SPD) im offenen Gespräch mit Parteigenossen und Verantwortlichen des BRK.

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