
SPD-Landtagsabgeordnete informieren sich über die Situation in Kempten
Über die Arbeit und insbesondere Finanzierung des Kemptener Frauenhauses informierten sich die drei Landtagsabgeordneten Dr. Simone Strohmayr, Ruth Müller und Dr. Paul Wengert.

SPD-Landtagsabgeordnete informieren sich über die Situation in Kempten
Über die Arbeit und insbesondere Finanzierung des Kemptener Frauenhauses informierten sich die drei Landtagsabgeordneten Dr. Simone Strohmayr, Ruth Müller und Dr. Paul Wengert.
Von einer Nacht bis zu über einem halben Jahr verbringen Frauen im Kemptener Frauenhaus, in das sie aus einer gefährlichen und oft von heftiger Gewalt geprägten häuslichen Situation geflohen sind. In dieser Zeit werden die Frauen von Fachkräften unterstützt, um die Folgen der Gewalt zu verarbeiten für sich eine Lösung für das weitere Leben zu finden. Ein Teil der Frauen beendet die Beziehung, aus der sie geflohen ist, und zieht in eine neue Wohnung, bei großer Gefährdung teilweise auch in eine andere Stadt. Einige Frauen gehen zurück in die Beziehung und versucht dort eine Besserung zu erreichen. Das Frauenhaus vermittelt dazu gerne Eheberatung oder andere geeignete Fachstellen.
Das Frauenhaus Kempten gehört mit 5 Schlafzimmern zu den kleinsten in Bayern. Die Soz.Päd. Frau Ziegerer betonte aber, dass für viele Frauen die regionale Nähe einer Schutzeinrichtung sehr wichtig ist, da sie ihre sozialen Kontakte, die Einrichtungen für die Kinder oder ihren Arbeitsplatz nicht aufgeben wollen. Auch hier kommt es manchmal dazu, dass Frauen wegen eines fehlenden Platzes abgewiesen werden müssen. Wobei die Situation aber nicht so dramatisch ist wie in den Ballungsgebieten in Bayern. Das Problem hier ist vielmehr, dass Frauen mit ihren Kindern oft länger im Frauenhaus bleiben müssen, da sie nach Klärung ihres zukünftigen Lebens zunehmend keine angemessenen Wohnungen finden können.
Etwa die Hälfte der Frauen, die im Kemptener Frauenhaus Unterkunft finden, bringen ihre Kinder mit. Für diese sind ein großer Spielbereich im Haus sowie Spielmöglichkeiten im Garten eingerichtet. Viele Frauen kommen nur mit dem Notwendigsten in das Frauenhaus. Sie und die Frauen ohne eigenes Einkommen sind von Anfang an auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Diese erhalten sie in der Regel nach einigen Wochen von den zuständigen Behörden, bis dahin werden sie vom Frauenhaus und vom Förderverein des Frauenhauses finanziell unterstützt.
Claudia Dalla Torre, Vorsitzende des Fördervereins Frauenhaus Kempten e.V., informierte über die Finanzen des Frauenhauses. Das Frauenhaus in Kempten ist ein autonomes Frauenhaus, das von einem Verein getragen wird. Der Verein wird mit einer staatlichen Grundförderung in Höhe von 20.250 Euro sowie Zuschüssen des Landkreises Oberallgäu und der Stadt Kempten (jeweils 120.000 Euro) unterstützt. Alle weiteren Kosten trägt der Verein. Dabei ist die Finanzierung immer wieder knapp, da nur die notwendigsten Kosten durch die Kostenträger aufgefangen werden. Sehr problematisch ist auch, dass der Freistaat sich nur anteilig an den Personalkosten für die Arbeit mit den Frauen beteiligt. Die sehr wichtige Arbeit mit den von der Gewalt im Elternhaus mitbetroffenen Kindern ist da nicht dabei. Unverzichtbare Arbeitsbereiche für die Organisation eines Frauenhauses wie Hauswirtschaft, Instandhaltung, Buchführung und auch eine durchgehende Rufbereitschaft werden vom Verein getragen. Dies Tätigkeiten und besonders Angebote für die Kinder sind nur durch großzügige Spenden möglich.
„Hier fordern wir als SPD-Landtagsfraktion seit vielen Jahren eine bessere Unterstützung der Frauenhäuser durch den Freistaat, der sich mit einem geradezu kleinlichen Beitrag von pauschal 20.250 € pro Frauenhaus beteiligt und im Übrigen die Verantwortung für die Finanzierung dieser so notwendigen Einrichtungen auf die Kommunen abwälzt, gleichzeitig aber unter anderem eine 24-Stunden-Rufbereitschaft als Fördervoraussetzung fordert, die nur durch Ehrenamtliche aufrecht erhalten werden kann“, machte Wengert seinem Ärger Luft und sich für eine bessere Ausstattung der Frauenhäuser stark. Die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses betonten, dass eine Überarbeitung der Förderrichtlinien dringend notwendig sei, dass dabei aber die pauschale Finanzierung der Frauenhäuser nicht aufgegeben werden darf.
Frauen in Not können sich jederzeit an das Nottelefon des Frauenhaus Kempten wenden unter: (0831) 18018
Text: Bürgerbüro Dr. Paul Wengert
Homepage Ruth Müller