SPD Adlkofen

Runder Tisch Wirtschaftspolitik in Vilsbiburg

Veröffentlicht am 09.12.2025 in Wirtschaft

Auf Einladung von MdL Ruth Müller trafen sich Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, Betriebsräten, IHK, Handwerkskammer, Wirtschaft und Arbeitsagentur im Hotel Kongressissimo in Vilsbiburg, um über die wirtschaftliche Lage im Landkreis Landshut zu beraten. Teilgenommen haben unter anderem Dr. Markus Schmitz (Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit), Bürgermeisterin Sibylle Entwistle, Hans Graf und Marc-André Alram (IHK Niederbayern), Andreas Keller (Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz), die Betriebsratsvorsitzenden Rudolf Lang und Martin Boxhammer (Dräxlmaier Group) sowie Hendrik Bayer und Manuela Lill (Schaltbau), Benjamin Freund (IG Metall Landshut) und Unternehmer Michael Winkler.

Arbeitsmarkt zwischen Fachkräftemangel und steigender Arbeitslosigkeit

In ihrer Einführung beschrieb Ruth Müller die „paradoxe Situation“ der Region: steigende Arbeitslosenzahlen bei gleichzeitig wachsenden Fachkräfteengpässen. Besonders betroffen seien Pflege, Gesundheit, Bau, Handwerk und Erziehung – Bereiche, in denen laut Müller nicht zu wenig Arbeit, sondern „ein Passungsproblem“ zwischen Qualifikationen und Bedarf bestehe.

Dr. Markus Schmitz bestätigte diese Entwicklung:
„Wir investieren so viel in Qualifizierung wie noch nie. Die Arbeitsagentur steht den Unternehmen und den Kommunen als Partner zur Seite – mit maßgeschneiderten Programmen, die hier vor Ort schnell wirksam werden können.“

Er verwies auf die bundesweiten Programme im Umfang von 1,1 Milliarden Euro für Weiterbildung, Umschulung und Qualifikation. Gleichzeitig warnte er davor, langjährige Beschäftigte über Abfindungsmodelle zu verlieren, da so wertvolle Erfahrung aus den Betrieben abfließe.

Transformation der Industrie: Unsicherheit in den Betrieben deutlich spürbar

Die Vertreter der Industriebetriebe machten klar, wie sehr die Transformation der Automobilindustrie und globale Unsicherheiten Entscheidungen vor Ort beeinflussen. Besonders Zeitarbeiter sowie an- und ungelernte Arbeitnehmer seien stark betroffen. Die Zahlen seien dramatisch, berichtete Robert Maier (Agentur für Arbeit Landshut-Pfarrkirchen): Von 8.500 Zeitarbeitsplätzen im Jahr 2025 seien nur noch 1.300 übrig.

Rudolf Lang (Dräxlmaier Group) betonte die große Belastung und gleichzeitig die Bereitschaft der Beschäftigten:
„Die Beschäftigten gehen im Wandel enorme Risiken mit. Sie qualifizieren sich weiter, wechseln Bereiche und stemmen die Transformation jeden Tag. Jetzt erwarten sie zu Recht, dass sich diese Anstrengung auszahlt.“

Auch aus Sicht von Manuela Lill (Schaltbau) zeigt sich der Druck: Die Erwartungen an die Elektromobilität hätten sich nicht überall erfüllt, was zu deutlichen Personalreduzierungen führe.

Ausbildung, Schule und gesellschaftlicher Wandel

Mehrere Teilnehmer – darunter Hans Graf (IHK) und Andreas Keller (HWK) – wiesen auf Probleme bei Ausbildungsreife und Nachwuchsgewinnung hin. Ein wachsender Anteil junger Menschen verlasse die Schule ohne ausreichende Grundkompetenzen in Sprache, Mathematik und sozialen Fähigkeiten. Dies verstärke die Zurückhaltung von Betrieben bei der Ausbildung und verschärfe langfristig den Fachkräftemangel.

Was Kommunen leisten – und was ihnen fehlt

Bürgermeisterin Sibylle Entwistle brachte die Perspektive der Kommunen ein, die stark von wirtschaftlichen Entwicklungen betroffen sind und gleichzeitig zentrale Voraussetzungen für Fachkräftesicherung schaffen müssen – von Wohnraum über Kita bis Mobilität.

„Kommunen können nur dann investieren, wenn sie handlungsfähig und gut ausgestattet sind. Jede Entscheidung vor Ort – ob Wohnraum, Betreuung oder Gewerbeflächen – stärkt am Ende auch die Unternehmen. Ohne ausfinanzierte Kommunen gibt es keine starke Wirtschaftsregion.“

Sie verwies auf laufende Projekte der Stadt Vilsbiburg wie die Erarbeitung des neuen Flächennutzungsplans, die Ausweisung neuer Wohn- und Gewerbegebiete, Investitionen in Schulen und Kitas sowie den Ausbau erneuerbarer Energie durch die Stadtwerke.

Gemeinsame Verantwortung für die wirtschaftliche Zukunft

In der Schlussrunde wurde deutlich: Die regionale Wirtschaft steht an einem Wendepunkt. Die Herausforderungen sind komplex – aber die Region verfügt über große Stärken: innovative Unternehmen, engagierte Beschäftigte, eine wachsende Hochschule und eine starke kommunale Basis.

Ruth Müller betonte die Notwendigkeit, diese Faktoren besser zu vernetzen: Politik, Wirtschaft, Arbeitsmarktakteure und Kommunen müssten abgestimmt handeln, damit Transformation und Fachkräftestrategie in der Region erfolgreich gelingen.

Homepage Ruth Müller