An die 60 Frauen und auch einige Männer nahmen die Gelegenheit wahr, sich von der Finanzexpertin und Kolumnistin Helma Sick im Bürgersaal über die Gründe für das häufig diskutierte niedrige Rentenniveau der Frauen informieren zu lassen.
Landtagsabgeordnete Ruth Müller erinnerte an die Tatsache, dass es seit 1909 das Frauenwahlrecht gebe. Nach mehr als hundert Jahren liege der Anteil der Frauen im Landtag aber nur bei 28 Prozent. Von den niederbayerischen Gemeinderäten seien 16,3 Prozent Frauen. 66 Landräte gäbe es in Bayern, aber nur fünf Landrätinnen.
Altersvorsorge selbst in die Hand nehmen
Anhand von Zitaten aus einer Umfrage der Wochenzeitschrift „Die Zeit“ zeigte sie, dass die Diskriminierung von Frauen nicht nur ein Relikt aus der Vergangenheit ist, sondern immer noch vorkommt. Auch in der Höhe der durchschnittlichen Frauenrente mache sie sich deutlich, meinte Müller.
Referentin Helma Sick, die seit vielen Jahren mit ihrer Firma Frauen in Geldfragen berät, erklärte, wie wichtig es für Frauen ist, die Altersvorsorge selbst in die Hand zu nehmen. Sie bezog sich in vielen Fallbeispielen auf das Buch „Ein Mann ist keine Altersvorsorge“, das sie mit der früheren Familienministerin Renate Schmidt herausgebracht hat. Sick sagte, dass sich die Rollenvorstellungen und die Gesetze seit der Gründung der Bundesrepublik maßgeblich geändert hätten. Viele Frauen, selbst jüngere, richteten sich heutzutage immer noch nach den alten Rollenmustern, ohne dass es ihnen wirklich bewusst ist. Für viele käme beim Eintritt in die Rente das böse Erwachen.
Nicht blauäugig für die Rente planen
Vor 50 Jahren, als die Frauen selten berufstätig waren, habe man mit einem Mann noch eine gute Altersvorsorge gehabt, meinte Sick. Heutzutage aber sei es blauäugig so für die Rente zu planen. Denn viele Ehen würden geschieden. Unterhalt und geringe Rentenansprüche würden für Frauen oft erhebliche finanzielle Einbußen bedeuten. Selbst wenn die Partner zusammenbleiben, seien es meist die Frauen, die in Teilzeit arbeiten oder für die Erziehung der Kinder auf eine berufliche Tätigkeit verzichten. Manche Frauen schaffen nach einer längeren Berufspause den Wiedereinstieg nicht mehr und nehmen trotz höherer Qualifizierung Minijobs an.
Frauen kümmern sich oft um die Pflege
Wenn Eltern pflegebedürftig werden, seien es wiederum die Frauen, die sich kümmern und dafür aus dem Beruf aussteigen. Meist werden die Frauen mit der Begründung in die Rollen gedrängt, dass sie besser für Erziehung und Pflege geeignet seien als Männer. Das aber sei eine Falle. „Wenn mit der Natur der Frau argumentiert wird, wird es immer teuer für sie“, sagte die Referentin. Deshalb riet sie den Frauen eindringlich, schon zu Beginn einer Ehe oder Partnerschaft vertragliche Vereinbarungen zu treffen. Denn sonst könnte es bald „unromantisch“ werden – wenn sie als die Benachteiligten dastehen.
Sehr negativ äußerte sich die Referentin über die immer noch gängige Witwenrente für nicht berufstätige Frauen. Ihrer Meinung nach sollte sie für unter 45-Jährige abgeschafft werden. Für ihr mit großer Leidenschaft und Kampfgeist vorgetragenes Referat erhielt Sick viel Applaus und einen Geschenkkorb mit regionalen Produkten. Anschließend stellte sie sich den Fragen aus dem Publikum und signierte die verkauften Bücher.
Text: Theresa Winderl, Rottenburger Anzeiger
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