Empfang der SPD-Landtagsfraktion: Frauen sind in den meisten Gremien in der Minderheit
Hauzenberg. Mit dem "Männerüberhang" beim Bürgermeisteramt sei eigentlich schon alles gesagt. So lautete eine wesentliche Erkenntnis beim Frauenempfang der SPD-Landtagsfraktion im Gasthaus Falkner. Es gibt im Passauer Land 37 Bürgermeister und mit Gudrun Donaubauer nur eine einzige Rathauschefin. In den bayerischen Landkreisen lasse sich kein besseres Bild skizzieren: Fünf Landrätinnen stehen 66 Landräte gegenüber.
Frauen dürften sich nicht aus der politischen Verantwortung heraushalten. Frauen dürften sich zudem nicht darauf verlassen, dass die Männer alles richten. Anlässlich des Jubiläums "100 Jahre Frauenwahlrecht" und des Weltfrauentages rückten MdL Bernhard Roos und MdL Ruth Müller am Mittwoch die Rolle der Frau in den Fokus und zeigten auf, an welchen Stellschrauben gedreht werden muss, damit ein starkes Land noch mehr starke Frauen bekommt.
Der Sozialdemokratie sei es gelungen, die Frauenrechte maßgeblich zu stärken, sagte Bernhard Roos, der in der Granitstadt auf "Abschiedstour" ging. Er erinnerte dabei auch an die Verdienste der "roten Heidi" – unter diesem Spitznamen sei die ehemalige Stadträtin Heidi Bauer als treibende Kraft für Chancengleichheit bekannt. Es sei Markenkern der SPD, für Frauenrechte einzustehen, der Kampf für bessere Arbeitsbedingungen sei noch lange nicht zu Ende. "Es gibt heute noch Frauen, die die Supermarktregale auffüllen müssen, zu diesem Job morgens, mittags und abends kommen müssen, und für einen Hungerlohn arbeiten", so Roos. Er machte keinen Hehl daraus, dass in Politik, freier Wirtschaft und Wissenschaft die Weiblichkeit unterrepräsentiert ist.
Langfristiges Ziel:Parität herstellenEs gebe nicht viele politische Veranstaltungen, bei denen die Frauen zahlenmäßig überwiegen, hat auch Bürgermeisterin Gudrun Donaubauer beobachtet. Politik sei "gefühlte Männersache". Langfristiges Ziel müsse sein, Parität herzustellen. Es sei wichtig, sich als Frau in politischen Gremien zu engagieren.
"Bei 24 Stadträten inklusive mir sind wir nur vier Frauen", bedauerte die Rathauschefin und ergänzte, dass sich Frauen auf der "leisen Seite" engagieren würden, etwa in der AWO, im Frauenbund, bei den Landfrauen, bei der Lebenshilfe: Da, wo es keine große Bühne gebe; da, wo ehrenamtliche Hilfe gebraucht werde; da, wo man kein großes Aufhebens darum mache, was man tue.
Politik müsse die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass Frauen noch mehr aus sich machen können, forderte Landtagskandidatin Sabine Mayerhofer, die keine "Quotenfrau" sein, sondern aufgrund ihrer Leistung gewählt werden will. Das Thema belaste sie oft von schulischer Seite her: "Ich stelle als Mathe- und Physiklehrerin fest, dass bei den Mädchen noch mehr Potenzial vorhanden ist, aber nur ein paar Mädchen zum Beispiel den Mathezweig wählen. Schuld haben meist auch die Mütter, die ihren Töchtern naturwissenschaftliche Fächer nicht zutrauen." Auch an den Hochschulen lasse sich eine Schieflage erkennen: An den bayerischen Universitäten seien 51 Prozent der Studierenden weiblich, aber es gebe nur 20 Prozent Professorinnen.
Die Passauer Stadträtin und Bezirkstagskandidatin Katja Reitmaier ist von Mutter und Oma geprägt worden. Bei ihr habe es immer geheißen: "Mädel, sei selbstständig und schau, dass du auf eigenen Füßen stehst." Diesen Spruch habe sie stets beherzigt, sagte die Grundschullehrerin. Sie kommt zu folgendem Ergebnis: Es muss noch mehr darauf geachtet werden, dass die Öffnungszeiten der Kindertagesstätten sowie Ferien-, Mittags- und Nachmittagsbetreuung ausgedehnt und damit "mütterfreundlicher" werden.
Wenn Politik und Gesellschaft mehr engagierte Frauen wollen, dann müsse an der Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Ehrenamt gearbeitet werden.
Von der "Emanzipation auf niederbayerisch" sprach MdL Ruth Müller aus Landshut. Die frauenpolitische Sprecherin der BayernSPD-Landtagsfraktion spielte auf die vielen anwesenden Männer an, die sich anhören würden, was Frauen brauchen. Die Abgeordnete machte eine historische Rückschau und hob hervor, dass es der SPD-Politikerin Elisabeth Selbert zu verdanken sei, dass es der Satz "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" ins Grundgesetz geschafft habe.
Frauen sollen nicht zurückstecken müssen. Der Satz müsse es aber noch stärker in die Gesellschaft hinein schaffen. Als Frau solle man sich im Leben jederzeit zurücknehmen können, aber man solle nicht zurückstecken müssen. Es sei nicht so lange her, dass Frau-Sein große Nachteile bedeutete. Erst seit 1977 ist die Ehefrau nicht mehr gesetzlich zur Haushaltsführung verpflichtet, darf ohne Einverständnis des Mannes erwerbstätig sein. Ab dem selben Jahr konnte der Nachname der Frau gemeinsamer Name des Ehepaares sein. Die Sozialdemokratie habe akribisch mitgewirkt, das gedruckte Wort "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" mit Leben zu füllen.