SPD Adlkofen

Plenarrede zu den Anträgen "Kampf gegen Antibiotikaresistenzen im Gesundheitswesen"

Veröffentlicht am 25.06.2015 in Landespolitik

Sehr geehrter Herr Präsident,

sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

die Entdeckung der Antibiotika hat die Medizin revolutioniert und vielen tödlichen Erregern ihre Schrecken genommen. Krankheiten, die für die Menschen den sicheren Tod bedeuteten, konnten geheilt werden, langwierige Krankheitsverläufe konnten verkürzt werden.

Doch die Evolution schreitet auch bei den Bakterien voran – mittlerweile werden immer mehr Bakterien gegen Antibiotika immun, ihr Erbmaterial verändert sich und sie entwickeln Resistenzen, die schwer zu behandelnde Krankheiten auslösen können.

Der bekannteste ist der MRSA-Keim. Aber auch Darmkeime sind auf dem Vormarsch, wie mir erst letzte Woche der Chefarzt unserer Geriatrie erläutert hat. Gerade ältere Menschen, deren Immunsystem häufig geschwächt ist, sind davon betroffen.

Doch wer trägt dafür die Verantwortung? Sind es die Humanmediziner, die zu oft und zu sorglos Antibiotika verschreiben?

 

 

Sind es die Patienten, die sich eine schnelle Heilung ihrer Krankheit dank Antibiotika verhoffen? Oder ist es der Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht? Erst im Juni letzten Jahres habe ich auf meine Anfrage zum Antibiotika-Einsatz in der Nutzierhaltung die Antwort bekommen, dass die Abgabemenge von fluorchinolonhaltigen Antibiotika in Bayern zwischen 2011 und 2012 um 70 Prozent gestiegen sei.

Es ist wohl zu kurz gegriffen, hier nur einseitig entweder auf den Gesundheits- oder den Landwirtschaftsbereich abzuzielen. Ein wichtiger Aspekt im Bereich der Bekämpfung von Krankenhauskeimen ist die Hygiene. Auf meine Anfrage vom Dezember 2014 habe ich erfahren, dass 2013 nicht einmal 40% der Stellen für Hygiene-Fachkräfte in den bayerischen Krankenhäusern besetzt waren. Mehr Zeit für Hygiene bedeutet aber auch mehr Personal und vor allem qualifiziertes Personal, das muss jedem bewußt sein.

Ein verantwortlicher Umgang mit dem Thema erfordert eine breit angelegte Diskussion, an deren Ende dann auch Handlungsempfehlungen für uns Politiker stehen.

Deshalb haben wir als SPD-Fraktion den Antrag gestellt, eine Anhörung zu den Auswirkungen von Antibiotika-Resistenzen durchzuführen. Sowohl im Gesundheitsausschuss, als auch im Landwirtschaftsausschuss gab es hierzu einen einstimmigen Beschluss, diese Anhörung durchzuführen, weil wir nicht nur auf die Antworten aus dem Bund warten wollen.

 

Deshalb betrachten wir den Antrag Drs. 17/6198 „Kampf gegen Krankenhauskeime forcieren, Melde- und Dokumentationspflichten systematisieren und verbessern“ als zu undifferenziert.

Zum einen soll laut Antrag im Ausschuss berichtet werden, gleichzeitig werden aber erste Maßnahmen gefordert.

Hier sollten wir das Ergebnis der Anhörung abwarten und anschließend die Empfehlungen und Erkenntnisse in Beschlüsse gießen. Wir werden uns deshalb bei diesem Antrag enthalten.

 

Dem Antrag Drs. 17/6201, der mehr Sensibilisierung im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen als Ziel hat, können wir  zustimmen, das war auch im Gesundheitsausschuss von uns so gewollt.

Die Bundesregierung arbeitet an einer Deutschen Antibiotika Resistenz-Strategie 2020 und im Rahmen des G7-Gipfels hat sich auch die Weltgesundheitsorganisation zu Wort gemeldet und einen „Global Action Plan“ zu Antibiotikaresistenzen verabschiedet.

Wir brauchen eine bessere Dokumentation über den Antibiotikaverbrauch und wir brauchen eine partnerschaftliche Zusammenarbeit von Human- und Tiermedizin. Wir brauchen mehr Geld für die Forschung, um Diagnosemöglichkeiten zu verbessern und den Antibiotika-Einsatz zu optimieren.

Leider fehlt im Bayerischen Präventionsplan dieses wichtige Gesundheitsziel.

Hier wäre auch die Gelegenheit gewesen, um vorbeugend, aufklärend und zukunftsweisend für künftige Generationen zu handeln. Wir sind heute gefordert, die Weichen für einen vernünftigen  Umgang mit Antibiotika zu stellen, damit auch unsere Enkelkinder in 30 Jahren beim 100. Geburtstag der Antibiotika dieses Medikament noch nützen können.

 

 

Drs. 17/6198 – Kampf gegen Krankenhauskeime forcieren, Melde- und Dokumentationspflichte systematisieren und verbessern / Enthaltung

 

Drs. 17/6201 – Mehr Sensibilisierung im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen im Gesundheitswesen / Zustimmung

Homepage Ruth Müller