Sabine Gröger(l.), Dr. Nina Lubomierski (2.v.l.), Ruth Waldmann, MdL (2.v.r.), Ruth Müller, MdL (r.)
Landtagsabgeordnete der SPD hatten zum Pflege-Dialog eingeladen
Sabine Gröger(l.), Dr. Nina Lubomierski (2.v.l.), Ruth Waldmann, MdL (2.v.r.), Ruth Müller, MdL (r.)
Landtagsabgeordnete der SPD hatten zum Pflege-Dialog eingeladen
Zu einer Diskussion über die aktuelle Pflegesituation in der Region Landshut hatte die Pfeffenhausener Landtagsabgeordnete Ruth Müller in das Altdorfer „Haus der Begegnung“ eingeladen. Mit der Altenheimseelsorgerin Pfarrerin Dr. Nina Lubomierski und der Abgeordneten und stellvertretenden Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses des Bayerischen Landtags, Ruth Waldmann hatte Müller hochkarätige Referentinnen eingeladen, um mit Vertretern von Trägern, Sozialverbänden, Pflegefachkräften und pflegenden Angehörigen dieses Zukunftsthema zu diskutieren.
„Wenn heute in Deutschland ein Kind geboren wird“, so machte Müller gleich in der ihrer Eingangsrede deutlich „dann liegt die Lebenserwartung über 30 Jahre höher als noch vor 100 Jahren – also kein Grund zum Jammern“. Sie stellte weiter fest, dass es aber angesichts der positiven Entwicklung, dass viele Senioren ein selbstständigeres und eigenverantwortliches Leben führen können, wichtig ist, zu erfahren, wie es im Falle eines Pflegefalles weitergeht. Hier brauchen vor allem die Angehörigen Unterstützung durch ein gut funktionierendes System, das einem beratend zur Seite steht. Sie machte durch den kurzen Exkurs durch die Angebote in der Region Landshut klar, dass man hier strukturell gut aufgestellt sei. Müller betonte aber auch, dass der demografische Wandel und der zusätzlich einhergehende Fachkräftemangel in der Pflege die Versorgungssituation vor große Herausforderung stelle.
In ihren kurzen Grußworten machte Sabine Gröger, Gemeinderätin und Seniorenbeauftragte aus Buch am Erlbach klar, dass die große Aufgabe in den ländlichen Kommunen zukünftig sei, den Alltag für Senioren und für pflegebedürftige Menschen bedarfsgerecht zu gestalten. Oft fehle es an Infrastruktur und auch wenn Nachbarschaftshilfen wertvolle Unterstützung leisten, seien diese ehrenamtlichen Einrichtungen nicht selbstverständlich.
Pfarrerin Dr. Nina Lubomierski stellte sich und ihre Stelle als Seelsorgerin, die vor sieben Jahren aufgrund des demografischen Wandels von der evangelischen Landeskirche geschaffen wurde, vor:
Sie kümmere sich um drei Personengruppen: Um die Angehörigen, um die Pflegekräfte und um die Bewohner in den Seniorenheimen. Ihr sei es bei der Arbeit ein Anliegen, dass sich die Menschen mit dem Älterwerden und den damit verbundenen Veränderungen positiv auseinandersetzen. Zwei wegweisende Fotoprojekte habe sie dazu bereits durchgeführt. Im ersten öffneten Heimbewohnerinnen ihre Zimmertüren und zeigten so die Individualität des neuen Zuhauses unter dem Motto „Ich packe meinen Koffer und nehme mit…“ Und im zweiten Fotoprojekt sei die Schönheit und die Würde des Alters im Mittelpunkt gestanden mit dem Titel „ganz schön alt“.
Da sich aus ihrer Erfahrung Menschen unter 80 Jahren nicht gerne mit dem Thema Pflege befassen und dies doch sehr die Eingewöhnung in ein Heim erleichtern würden, führt Lubomierski Infofahrten in Seniorenheime durch, um Ängste abzubauen. Als die Pfarrerin auf Veränderungen der letzten Jahre einging, stellte sie fest, dass es für Betroffene schwieriger geworden ist, einen Heimplatz zu finden. Positiv fiel ihr jedoch auch auf, dass sich die Begleitung am Lebensende durch das Bewusstsein der Wichtigkeit von intensiver Trauerarbeit verbessert und verstärkt habe. Sie wünschte sich, dass die positiven Erfahrungen, die sie rund um die Pflege in den letzten Jahren gemacht habe, auch in der Presseberichterstattung widerspiegle.
In ihrem Impulsreferat zeigte Ruth Waldmann, MdL auf, dass mittlerweile 76% der Pflegebedürftigen zu Hause gepflegt werden und dabei zu über 60 Prozent von Angehörigen. Diese Leistung müsse beispielsweise bei der Rente besser gewürdigt werden. Die BayernSPD-Landtagsfraktion habe sich dafür eingesetzt, dass eine Bedarfs- und Standortanalyse erstellt wurde, die neue Handlungsempfehlungen und Pflegebausteine hervorbrachte. Leider seien die Ergebnisse noch nicht umgesetzt worden und so versuche man noch immer, endlich die Pflegestützpunkte flächendeckend zu errichten. In der Diskussion mit den Besuchern wurde deutlich, dass sich die Pflegekräfte eine stärkere Lobby und Anerkennung ihrer Arbeit wünschen. „Durch die umfangreiche Dokumentation fehlt uns die Zeit für die Menschen“, machte eine Pflegekraft deutlich. Und schließlich habe man den Beruf erlernt, weil man sich gerne um Menschen sorge. „Pflege ist ein schöner, aber anstrengender Beruf, der noch dazu an 24 Stunden und sieben Tagen in der Woche ausgeübt werden muss“, erläuterte eine Besucherin auch die Gründe, warum viele nur mit einer reduzierten Stundenzahl arbeiten. Zur Verbesserung der Qualität sei es hilfreicher, die regelmäßigen Kontrollen mehr unter beratenden denn unter prüfenden Aspekten durchzuführen.
Die beiden Politikerinnen nahmen die zahlreichen Anregungen aus der Praxis dankbar auf: „Sie sind die Experten in Sachen Pflege und erleben in ihrer täglichen Arbeit, wo die politischen Rahmenbedingungen verbessert werden könnten“, stellte Ruth Müller fest. Denn das Ziel müsse sein, dass die zusätzlichen Jahre der Lebenserwartung gute Lebensjahre werden.
Homepage Ruth Müller