SPD Adlkofen

Optimierung statt „Einheitsbrei“

Veröffentlicht am 20.11.2015 in Gesundheit

In der Volkshochschule wurde über die Situation und die Zukunft der Pflege diskutiert

Wer in der Pflege arbeitet, muss heute vielfältige Aufgaben erfüllen, die mit nur einer Ausbildung fachlich kaum noch zu bewältigen sind. Inzwischen gibt es Bestrebungen, den Pflegeberuf auch akademisch aufzuwerten. Darüber hinaus müssten jedoch auch die Pflegeeinrichtungen und ihre Arbeitsbelastungen reformiert werden.

Das war der Tenor der Veranstaltung „Reden über Pflege“ am Dienstag in der Volkshochschule. Auf dem Podium saßen Politiker und Fachleute aus Wissenschaft, Ausbildung und Berufsverbänden. Das Publikum bestand zum großen Teil aus Menschen, die selbst in der Pflege tätig sind. „Pflege hat viele Gesichter“, sagte Moderator Dr. Christoph Seidl.

Was aber bringt die Akademisierung des Pflegeberufs, wie es seit Kurzem mit einem Dualen Studium verfolgt wird? Chen Xianglang, die beim BRK Landshut in der Altenpflege arbeitet und an der Hochschule Deggendorf studiert, reicht es nicht, Menschen einfach nur zu versorgen: „Ich will auch beraten können und Hintergründe verstehen.“ Das Studium werte die Pflege auf.

Ulrike Sölch, Leiterin der Berufsfachschule für Altenpflege an der Volkshochschule, sieht darin eine Chance, die Kompetenz der Pflegekräfte besser anzuerkennen. Ebenso komme aber auch eine Generalisierung in Frage. So habe die Gewerkschaft Ver.di den „tollen Vorschlag“ gemacht, Alten-, Kinder- und Krankenpfleger in einer gemeinsamen zweijährigen Ausbildung zu schulen und sich erst im Anschluss in einem Fachgebiet zu qualifizieren.

Eine Idee, die auch schon von der Politik aufgegriffen wurde. SPD-Landtagsabgeordnete Ruth Müller sagte: „Dann wäre Altenpflege ein Modul und keine neue Ausbildung.“ Der Katholische Pflegeverband fordere seit langem eine generalistische Ausbildung, sagte die Geschäftsführerin des Verbandes, Anna Maria Luger. „Da geht es nicht um einen Einheitsbrei, sondern um die bestmögliche Ausbildung“. Das Vorurteil „Altenpflege kann jeder machen“ sei weit verbreitet. Krankenpfleger würden dagegen besser bezahlt und ihr Beruf sei international anerkannt. Den Beruf des Altenpflegers gebe es in manchen Ländern gar nicht.

In der Pflege geht es jedoch nicht nur um einen hohen und bedarfsgerechten Ausbildungsstandard, sondern auch um Verbesserungen in der Personalsituation. In den Kliniken werde mit immer weniger Personal gearbeitet, sagte Dr. Michael Bossle, Professor für Pflegewissenschaft an der Hochschule Deggendorf.

Im Gegensatz zu Ländern wie Norwegen betrage der Personalschlüssel in Deutschland jedoch nur ein Drittel, sagte Grünen-Stadtrat Stefan Gruber. Er wies jedoch darauf hin, dass es schwierig sei, überhaupt noch Krankenschwestern und Pfleger zu finden. Abhilfe schaffen könne die Einbindung von Migranten in der Pflege. Man habe, so CSU-Stadträtin Ingeborg Pongratz, bereits gute Erfahrungen gemacht, als Deutsche aus Rumänien beziehungsweise Russland ins Land gekommen seien. Allerdings, war sich das Forum einig, sei das Erlernen der deutschen Sprache der Schlüssel dafür.

Ein Thema, dass ein gewisses Rumoren ins Publikum brachte, sind die Arbeitsbedingungen für das Pflegepersonal. Die sind mitunter so schlecht, dass es schwierig ist, „die Leute auch nach fünf Jahren noch im Beruf zu halten“, wie Moderator Seidl sagte. Gerade in gesundheitsfördernden Einrichtungen seien die Menschen, die dort arbeiten, besonders gesundheitlich belastet.

„Es ist an der Zeit, dass wir die Einrichtungen der Pflege reformieren“, sagte Bossle. „Damit man auch noch mit Mitte 50 in diesem Beruf arbeiten kann.“ Wie das jedoch bewerkstelligt werden könnte, wurde im Lauf des Abends noch eingehend diskutiert. Unter anderem wurde eine Interessensvertretung für alle Pflegeberufe gefordert.

Text: Landshuter Zeitung, Rita Neumaier

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