Bild und Text: Mediengruppe Landshuter Zeitung/Straubinger TagblattBahnhofsgebäude, fehlende Toiletten und Barrierefreiheit bei DB angesprochen
Neufahrn: Wann wird der Bahnhof endlich barrierefrei? Baut die Bahn Toilettenanlagen? Und was wird aus dem heruntergekommenen Bahnhofsgebäude? Diese Fragen waren Bestandteil eines Ortstermins mit DB-Vertretern, Landtagsabgeordneter Ruth Müller und den Bürgermeistern Peter Forstner und Otto Pritscher am Montagvormittag.
Die Meldung, dass das Bahnhofsgebäude für die Unterbringung von Asylbewerbern genutzt werden könnte (wir berichteten), sowie eine kürzlich durchgeführte Brandschutzbegehung hatten bei der Gemeinde viele Fragen aufgeworfen, deshalb sei dieser Ortstermin von MdL Ruth Müller forciert worden. Von der Bahn waren von DB Station und Service Walter Reichenberger und Bernhard Kellner aus Regensburg anwesend.
Die beiden DB-Vertreter klärten die Kommunalpolitiker über Möglichkeiten und interne Rankingsysteme der DB auf, die Bahnhöfe und Stationen jährlich nach Noten bewertet. Zwar erfülle Neufahrn als Station mit 1900 Reisenden am Tag ein Merkmal (über 1000 Ein- und Umsteiger), doch zu einem barrierefreien Umbau müssten noch weitere Voraussetzungen wie „eine gravierende bauliche Veränderung an der Station“ dazukommen. Nur dann erhalte DB Station und Service Fördergelder.
Und diese bauliche Veränderung ist augenscheinlich in Neufahrn nicht nötig, denn hier lag die schlechteste Bewertung bisher bei den Bahnsteigen bei der Note 2,99. Im Klartext: Die Bahnsteige sind noch zu gut, als dass hier in den nächsten Jahren gebaut werden muss. Auch der vorhandene höhengleiche Gleisübergang am Ende des Bahnsteiges käme für eine barrierefreie Nutzung nicht infrage. „Überall, wo die Züge schneller als 80 km/h fahren, ist das nicht erlaubt.“ Ruth Müller und die Bürgermeister hatten angeregt, diesen Übergang mit einer Fußgängerschranke auszustatten, und so kostengünstig einen barrierefreien Zugang für Mütter mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer zum zweiten Gleis zu schaffen.
„Sie sind nicht die Einzigen“, betonte der Arbeitsgebietsleiter Operation, Walter Reichenberger. 115 Stationen werden in seinem Gebiet Niederbayern-Oberpfalz betreut, rund 50 dieser Stationen sollen barrierefrei werden. Neufahrn ist eine davon. Ein Aufzug, von dem in Neufahrn zwei benötigen würden, koste rund 400 000 Euro. Derzeit werde Straubing barrierefrei umgebaut und Landshut sei in Planung.
Bürgermeister Peter Forstner sprach das leidige Thema der fehlenden Toiletten und Gestank in der Unterführung nochmals an und ob sich die Bahn finanziell am Bau der Toilettenanlage, die die Gemeinde im Jugendtreff einbauen will und finanziert, beteiligt. Doch hier gab es ein klares „Nein“ von der Bahn. „Wir bauen keine neuen Toiletten“, erklärte Walter Reichenberger. Nur vorhandene Toilettenanlagen blieben bestehen, und an Stationen mit Kategorie eins (München) oder zwei (Landshut, Regensburg) kümmere sich die DB um die Notdurft der Reisenden. Der Bahnhof in Neufahrn werde, obwohl nur einmal pro Monat vorgesehen, bereits wöchentlich gereinigt. Bayern will über das Bayernpaket 2023 alle Bahnhöfe barrierefrei machen. Von den 1 000 Stationen in Bayern seien derzeit, so Reichenberger, bereits ein Drittel barrierefrei ausgebaut.
Zur Nutzung des verkauften Bahnhofsgebäudes konnten die DB-Vertreter keine Aussagen machen. Das sei Privatbesitz und hier sei das Eisenbahnbundesamt als Genehmigungsbehörde zuständig. Einzig der Bereich Pornografie sei im Kaufvertrag ausgeschlossen worden.
Als „ernüchternd“ bezeichnete Ruth Müller das Ergebnis des Ortstermins. Da seien ja nur in Niederbayern-Oberpfalz Investitionen von rund 50 Millionen Euro für die Barrierefreiheit an Bahnhöfen notwendig, sagte sie. Sie werde nun gemeinsam mit Kollegen in München und Berlin mit weiteren DB-Verantwortlichen Kontakt aufnehmen und das Thema forcieren.
Die Gemeinde selbst will in puncto Bahnhofsgebäude und barrierefreier Bahnhof im Gemeinderat Beschlüsse vorbereiten. Was mit dem Bahnhofsgebäude geschehen wird, sei derzeit offen. „Die Gemeinde hat zum jetzigen Zeitpunkt in dem Zustand kein Interesse daran“, so Forstner. Das letzte Kaufangebot lag bei rund 365 000 Euro. Zweiter Bürgermeister Otto Pritscher ergänzte, das Bahnhofsgebäude müsste, weil keine weiteren Parkplätze vorhanden seien, wenn dann einer parkplatzarmen Nutzung zugeführt werden.
Von Bianca Marklstorfer
Bildunterschrift: Ortstermin am Bahnhof Neufahrn mit DB-Vertretern.