
Männerchor Münster erhält Kulturpreis – Pfarrer Johann Pelg hält Laudatio

Männerchor Münster erhält Kulturpreis – Pfarrer Johann Pelg hält Laudatio
Rottenburg. Der Kulturpreis der Berta und Bruno Selwat-Stiftung geht heuer an den Männerchor Münster. Beim Ehrenabend der Stadt erhielten die acht Sänger den mit einige hundert Euro datierten Preis. Die Laudatio hielt Pfarrer Johann Pelg, auf dessen Initiative hin der Chor vor 40 Jahren gegründet wurde.
Im Plauderton erzählte Pfarrer Pelg, der damals als Kaplan für die Filialkirchen zuständig war, von den Anfängen des Chores. Als er in Münster Gottesdienst feierte, erhielt er auf seine Rufe keine Antwort, sobald die Gemeinde singen musste. „Gibt es den keine Männer, die singen können, um denn Gottesdienst zu gestalten?“, habe er daraufhin in der Predigt gefragt. Nach dem Gottesdienst sei ein Mann zu ihm in die Sakristei gekommen. Er habe ihm erklärt, dass fünf Männer bereit wären, sie könnten jedoch keine Noten lesen. „Das bekommen wir schon hin“, habe er, Pelg, darauf geantwortet.
Die erste Probe habe in der Küche eines Wirtshauses stattgefunden. Ein Bäcker, zwei Landwirte, ein Wirt und ein Bauunternehmer haben einfach nach Gehör gesungen. Ziel war die Christmette, die dann auch ein voller Erfolg geworden sei.
Die Proben finden mittlerweile in der Backstube statt. Und auch personelle Änderungen habe es gegeben. Nach dem Weggang des Kaplans haben andere Männer die Leitung übernommen. Auch die Mitglieder haben immer wieder gewechselt. Das Repertoire habe sich beständig erweitert. Heute singen die acht Sänger 15 Messen, viele Marienlieder und weltliches Liedgut. Bei Gottesdiensten, Hochzeiten und Vereinsfesten tritt der Männerchor auf.
Zunächst haben sie es nicht glauben können, dass ein kleiner Bauernchor einen Kulturpreis erhalte, meinte Richard Daffner, der die Dankesworte sprach. Doch diese beiden Gegensätze liegen gar nicht so weit auseinander: Leitet sich doch das Wort Kultur vom lateinischen „colere“ ab, das so viel bedeutet wie pflegen, formen oder gestalten. Der Männerchor habe es sich auf die Fahnen geschrieben, die Kultur der Sprache und des Kehlkopfes zu pflegen. Daffner bemerkte nicht ganz ernst gemeint, dass dies auch wichtig für die Flüssigkeitszufuhr sei. Der Männerchor vereine damit alle Aspekte der Kultur. Die acht Männer seien stolze Mitglieder des Chores. „Wir werden den Preis mit Würde tragen“, versprach Daffner.
Der Männerchor Münster war es auch, der den Abend musikalisch begleitete. Er umrahmte die Veranstaltung unter anderem mit den Liedern „s’boarische Bier“ und „So a Gauner, hod a Lebn“.
Stiftungsvorsitzender Helmuth Zellner informierte die Gäste zuvor über die Stiftung im allgemeinen und den Kulturpreis im besonderen. Die Berta und Bruno Selwat-Stiftung sei die einzige Kulturstiftung im Landkreis Landshut. Ziel der Stiftung sei nach Willen der Stiftungsgründerin die Kultur- und Heimatpflege. Die Stiftung besitze heute ein bescheidenes Grundstockvermögen von 105 000 Euro. Mit diesem Erlös fördere sie Kunst, Kultur und Heimatpflege in der Gemeinde Rottenburg. Rund 70 000 Euro an Zuwendungen und etwa 6 000 Euro an Kultur- und Nachwuchspreisen habe die Stiftung seit Bestehen ausgegeben. Der Männerchor Münster ist der achte Träger des Kulturpreises.
Festredner Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich freute sich mit dem Männerchor: „Es ist schön, wenn ehrenamtlicher Einsatz so fein klingt. Das tut den Ohren und der Gemeinschaft gut.“ Die Kulturfreunde seien es, die dafür sorgen, dass sich das Leben nicht nur um Lohn und Brot drehe, sondern auch, dass die Menschen geistige Nahrung bekommen.
Text: Judith Heinrich, Rottenburger Anzeiger
Homepage Ruth Müller