Finanzielle Unterstützung für Unwettergeschädigte gefordert – Diakonie-Soforthilfe startet
Nach dem Starkregen vom Sonntag folgt nun Hilfe für die Betroffenen. Die Diakonie hat bereits angekündigt, bedürftige Familien im Gemeindegebiet Neufahrn unbürokratisch und schnell mit einer Soforthilfe finanziell zu unterstützen. Zwischenzeitlich haben sich auch die Landtagsabgerordneten Ruth Müller (SPD) und Hubert Aiwanger (FW) vor Ort ein Bild von den Schäden gemacht und Dringlichkeitsanträge in den Landtag eingebracht: Unwettergeschädigten Privatleuten und Unternehmern sowie den Kommunen soll vom Freistaat Bayern finanziell geholfen werden.
Oberndorf, Asenkofen, Ettenkofen, Winklsaß und insbesondere die Häuser entlang des Etzenbachs in der Dorfmitte hat es im Gemeindegebiet am schlimmsten getroffen. Mehr als 40 Familien allein in Winklsaß wurden stark geschädigt. Heizungsanlagen, Autos, Waschmaschinen, Kühlschränke, sämtliche Elektrogeräte und Möbel – alles ist kaputt. Viele mussten bei Verwandten oder Bekannten übernachten. Nachdem das Wasser abgeflossen ist, muss nun der Schlamm beseitigt werden. „Über 100 Haushalte im Gemeindegebiet sind sehr stark betroffen“, stellte Neufahrns Bürgermeister Peter Forstner mit Blick auf die Verwüstungen fest, die das Unwetter hinterlassen hat. Er forderte unbürokratische Soforthilfe und hofft vor allem auf Hilfen des Freistaats, da ansonsten die Gemeindekasse massiv belastet würde.
Der Rottenburger FW-Landtagsabgeordnete Hubert Aiwanger machte sich am Dienstag ein Bild von den Schäden in der Gemeinde Neufahrn, wo nicht nur Privatgebäude überflutet wurden, sondern auch massive Schäden an Straßen und Brücken aufgetreten sind, die nun von der Gemeinde beseitigt werden müssen: Vielfach wurden Verkehrswege unterspült oder weggespült und sind nicht mehr befahrbar. Aiwanger forderte deshalb am Mittwoch – ebenso wie seine SPD-Kollegin Ruth Müller aus Pfeffenhausen – in einem Dringlichkeitsantrag finanzielle Hilfen vom Freistaat.
Den geschädigten Kommunen müsse mit einem Hilfsfonds unter die Arme gegriffen werden, weil viele Gemeinden ansonsten finanziell überfordert wären, so Aiwanger: „Ich hoffe dass der Freistaat Bayern die Gemeinden mit diesem Problem nicht alleine lässt. Es sind auch staatliche Versäumnisse, die für diese Schadensentwicklung mitverantwortlich sind. Dringende Vorbeugemaßnahmen wie dezentrale Wasserrückhaltungen sind bisher viel zu wenig gefördert und umgesetzt worden.“
Am Mittwochmorgen watete MdL Ruth Müller (SPD) in Gummistiefeln durch Winklsaß und sprach mit betroffenen Bürgern. Ulrich Korst wohnt direkt neben der Kirche in Winklsaß, in seinem Haus stand das Wasser im Erdgeschoss 40 Zentimeter hoch. „Innerhalb von zehn Minuten war alles geschehen“, sagt er fassungslos. Seine Frau Luise ergänzt: „Ich weiß mein Leben lang schon Hochwasser am Etzenbach, aber so hoch stand es noch nie.“ Die Korsts haben keine Elementarversicherung, das bedeutet, sie müssen alles selbst bezahlen. Mindestens 60 000 Euro Schaden, so schätzt Ulrich Korst, hat die Familie zu berappen. Die Heizung ist kaputt, es gibt kein warmes Wasser, außerdem wurden sämtliche Elektrogeräte vom Wasser geschrottet, sogar im Handmixer war der Schlamm.
„Das ist ein Totalverlust“, meinte Ruth Müller schockiert und versprach, sich für die Geschädigten im Landtag mit einer Petition einzusetzen. Noch am selben Tag brachte sie einen Dringlichkeitsantrag in den Landtag ein (siehe nebenstehender Bericht). Gefordert wird ein Soforthilfeprogramm mit festen Summen pro Haushalt (1 500 Euro) und für geschädigte Landwirte oder Unternehmer (5 000 Euro) sowie finanzielle Unterstützung für die betroffenen Kommunen beim Wiederaufbau von unterspülten Brücken oder Straßen.
Auch die Kirche in Winklsaß hat stark unter dem Hochwasser gelitten, die Bänke sind verschlammt, an der Außenmauer stand das Wasser kniehoch. Besonders schlimm hat es das Haus von Klaus Lodermeier erwischt. Seine Hochwasserschutzmauer am Garten brach durch einen angespülten Baumstamm ein, das Wasser stand 50 Zentimeter hoch in den Wohnräumen. Bei den Nachbarn die Straße hinunter – zum Teil bis zu 200 Meter vom Bach entfernt – sieht es kaum besser aus. Die Anwohner sind sich einig, dass finanzielle Hilfe schnell kommen muss. Viele sind auch erbost darüber, dass in Sachen Hochwasserschutz nichts vorangeht, und machen zusätzlich auch die B 15 neu für die Wassermassen verantwortlich. Winklsaß war 2013 durch ein Jahrhunderthochwasser getroffen worden, doch nach dem Starkregen am Sonntag stand das Wasser noch 75 Zentimeter höher als vor drei Jahren.
Selbst wenn der Hochwasserschutz bereits umgesetzt wäre, hätte er diese Massen nicht abhalten können, ist Bürgermeister Peter Forstner überzeugt. „Die ersten Maßnahmen zum Hochwasserschutz am Etzenbach konnten wegen fehlender Genehmigungen noch nicht fertiggestellt werden“, erklärte er. Forstner ist überzeugt, dass die B 15 neu auch nicht Auslöser war, denkt aber, dass die Versiegelung durch die Bundesstraße zu rund 20 Prozent schuld sei an dem Ausmaß der Überflutungen.
Es stelle sich die Frage, ob die Auffangbecken an der Bundesstraße ausreichten. „Hier muss auch am Hochwasserschutz nachgebessert werden“, war auch Ruth Müller überzeugt und will die Schutzmaßnahmen entlang der B 15 neu prüfen lassen. Jeder Einzelne müsse beim Hochwasserschutz in die Verantwortung genommen werden, betonte Ruth Müller, auch im eigenen Garten müsse nicht alles gepflastert werden, Landwirte sollten Flächen zur Verfügung stellen, und der Staat müsse Landwirte, die ihre Felder für das Hochwasser öffnen, auch dementsprechend entschädigen.
Seit Jahren sorgt die Tatsache, dass der Gemeinde oberhalb von Winklsaß Flächen fehlen, um weitere Regenauffangbecken zu bauen, für Unmut bei den Bewohnern in Winklsaß. Manch einer machte sich nun Luft und polterte: „Die da oben schauen zu, und wir hier unten saufen ab!“ Bereits vor einem Jahr hat der Gemeinderat ein ganzes Paket an Schutzmaßnahmen beschlossen, unter anderem soll der Bachlauf des Etzenbachs bei Oberndorf und Schaltdorf renaturiert und der Etzenbach innerorts verbreitert werden. Doch für die Umsetzung stehen noch Genehmigungsverfahren aus.