Text: SZ Landkreisausgaben vom 18.09.2014/ SOPSMehr Schutz nötig - Landtags-SPD fordert höhere Zuschüsse für Frauenhäuser
Frauenhäuser in Bayern sind "drastisch unterfinanziert". Das beklagen die frauenpolitischen Sprecherinnen der SPD-Landtagsfraktion Simone Strohmayr und Ruth Müller. Im vergangenen Jahr stellte der Freistaat Bayern 950 000 Euro zur Verfügung, verteilt auf 38 Frauenhäuser. Das hat eine Anfrage der SPD-Politikerinnen an die Staatsregierung ergeben. "Für viele Einrichtungen ist das lediglich der berühmte Tropfen auf den heißen Stein", sagt Ruth Müller.
Wenn die Wohlfahrtsverbände die Finanzierung mit den geringen Zuschüssen nicht stemmen können, müssen die Kommunen einspringen. Die Anfrage ergab außerdem, dass die staatlichen Zuschüsse für die Frauenhäuser seit dem 1. Januar 2009 nicht mehr erhöht wurden. Damals stiegen sie zum letzten Mal um 13 Prozent. "Betrachtet man die Kostensteigerungen, zum Beispiel im personellen oder im Energiebereich, dann kommt man schnell zu dem Schluss, dass das nicht funktionieren kann", sagt Müller. Außerdem werde der Bedarf an Frauenhäusern größer. Die Einrichtungen bieten Frauen Zuflucht, die von häuslicher Gewalt betroffen sind - ein Problem, das immer häufiger auftritt. Während in Bayern 2005 noch knapp 13 000 Fälle häuslicher Gewalt festgestellt wurden, waren es 2013 schon mehr als 19 000. Das geht aus einer Landtagsanfrage der Grünen vom Frühjahr hervor. "Es ist nicht im Bewusstsein, dass das jeder Frau passieren kann - quer durch alle Alters- und Gesellschaftsschichten,
unabhängig von Herkunft und Wohnort", sagt Müller. "Das ist ein gesellschaftliches Problem, bei dem man handeln muss." Sie fordert deshalb eine flächendeckende Versorgung mit Frauenhäusern. Dafür seien aber mehr
staatliche Zuschüsse notwendig. "Es hat noch nicht jede Kommune ein staatliches Frauenhaus. Und häufig werden mehr Plätze benötigt, aber die bestehenden Häuser werden nicht ausgebaut - wegen der fehlenden Finanzierung."
Bei zwei Gruppen sieht Müller besonderen Handlungsbedarf: Frauen mit Behinderung würden überdurchschnittlich oft Opfer häuslicher Gewalt. Und Frauen mit Migrationshintergrund könnten wegen fehlender Sprachkenntnisse häufig keine Hilfe suchen.