SPD Adlkofen

Immer weniger Auswahl bei den Wahlfachangeboten

Veröffentlicht am 06.09.2017 in Landespolitik

SPD fordert mehr Lehrerstunden, damit bayerische Schüler und Schülerinnen mehr Auswahl haben
Schulgarten, Orchester oder Erste Hilfe, all das sind Beispiele für Wahlfachangebote, die es an bayerischen Schulen gibt. Oder geben könnte, wenn genügend Lehrerstunden vorhanden wären. Deshalb fordert die SPD-Landtagsfraktion seit langem, das Stundenkontingent zehn Prozent über das Budget zu erhöhen, um in der Schulleitung Handlungsspielraum zu haben. Die Einstellungspraxis nach Kassenlage hat dazu geführt, dass in den letzten Schuljahren die Lehrerversorgung gerade an den Grund- und Mittelschulen in Niederbayern „auf Kante“ genäht war, sodass sich die Schulleiter im Frühjahr mit einem „Brandbrief“ an die Staatsregierung wandten. Oft ist die „mobile Reserve“ gleich nach Schuljahresbeginn verplant, da diese nicht nur im Krankheitsfall einspringe, sondern auch Schwangerschaftsvertretung mache.

Auf der Strecke bleibt dadurch im Unterrichtsangebot die Möglichkeit, Wahlfächer anzubieten. Wie es genau mit dem Wahlfachangebot in der Region Straubing aussieht, wollte die Abgeordnete Ruth Müller wissen und startete deshalb eine Anfrage an die Bayerische Staatsregierung.

Der Rückgang der Stunden im Wahlfachbereich ist bei den Mittelschulen der Region gravierend: So wurden zwar im Schuljahr 2016/2017 in 12 Mittelschulen in der Stadt Straubing und im Landkreis Straubing-Bogen mit 50 Stunden Wahlfächer angeboten, im Schuljahr 2012/2013 waren es allerdings noch 14 Mittelschulen, die mit 63 Stunden Wahlfächer anbieten konnten. Zudem ist die Fächerauswahl in der Zwischenzeit deutlich eingeschränkt worden, denn in sechs Schulen gibt es nur noch ein Wahlfachangebot.

Gerade die Wahlfachangebote können aber dazu beitragen, dass sich Schüler und Schüler, die sich im Unterrichtsgeschehen schwer tun, sinnvoll einbringen und andere Talente entdecken können, die dem Schulbetrieb dann zugute kommen, ist sich Müller sicher. Zudem könne über gemeinsame Interessen wie Singen, Handballspielen oder Werken die Integration und das Miteinander gefördert werden.

Seltsam findet die Abgeordnete die Ausführungen des Kultusministers, der positive Effekte durch Ganztagsschulangebote sieht: „Da für schulische Ganztagsangebote - je nach Art des Angebots - Lehrerwochenstunden bzw. Mittel zur Verfügung stehen, eröffnen sich u. a. durch eine Einbeziehung außerschulischer Partner für Ganztagsschulen eine Vielfalt an Möglichkeiten, Neigungsangebote sowie zusätzliche Fächerangebote zu gestalten“, heißt es in der Antwort der Staatsregierung. Allerdings wird hier auch darauf hingewiesen, dass die offenen Ganztagsschulen ihre Angebote überwiegend mit Verbänden, Vereinen, freien Trägern der Jugendhilfe oder den Kommunen als Kooperationspartner realisieren.

Mit dieser Aussage wird deutlich, dass Bayern nach wie vor auf keinen flächendeckenden Ausbau der Ganztagsschule mit pädagogischer Betreuung setzt, sondern nach wie vor nur auf Horte, Mittagsbetreuung oder offene Ganztagsschulkonzepte. Deshalb hat sich die SPD im Bayerischen Landtag auch mit einem Antragspaket für den Ausbau der Ganztagsbetreuung eingesetzt, in dem u. a. ein bayernweiter Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz an allen allgemeinbildenden Schulen gefordert wurde.

In der Antwort ist als Ausblick für das neue Schuljahr, das in wenigen Tagen beginnt, ausgeführt, dass mit den zugewiesenen Lehrerstunden im Schuljahr 2017/2018 neben der Sicherstellung des Unterrichts entsprechend der Stundentafel und der notwendigen Gruppenbildung auch ein Angebot an Fördermaßnahmen und weiteren Arbeitsgemeinschaften bzw. Wahlfächern bereit gehalten werden kann. Allerdings hänge es von der Schulleitung ab, ob Schülerinnen und Schüler an bayerischen Mittel- oder Realschulen ein Angebot an Neigungsgruppen oder Wahlfächern bekommen. Und hier sei man wieder am Anfang, denn wenn die Lehrerstunden für den allgemeinen Schulbetrieb nicht reichen und die mobile Reserve bereits am Schulanfang verplant ist, bleibt wenig Spielraum, am Nachmittag im Chor noch Lieder für die Weihnachtsfeier einzustudieren.

Homepage Ruth Müller