
Im 20. Jahr seines Bestehens konnte der Hospizverein sein 500. Mitglied begrüßen. Am Donnerstag wurde das Ziel, das sich der Vorstand für das Jubiläumsjahr gesteckt hatte, im Büro in der Theaterstraße 61 mit einem kleinen Umtrunk gefeiert. Gleichzeitig wurden vier neue Mitglieder aufgenommen.
Bei den neuen Mitgliedern handelt es sich um Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben: Neben der SPD-Landtagsabgeordneten Ruth Müller sind nun auch Stiftspropst Monsignore Dr. Franz Joseph Baur, Pfarrerin Dr. Nina Lubomierski und Dorothea Boerboom-Bechinger Mitglieder des Hospizvereins.
Hospiz, das ist mittlerweile in der Öffentlichkeit ein Begriff, mit dem die Leute etwas anzufangen wissen, und bei dem man nicht mehr „an einen Bernhardiner mit dem Schnapsfass“ denke, wie zweiter Vorsitzender Richard Bechinger in der kleinen Feierrunde bemerkte.
86 ehrenamtliche Hospizhelfer engagieren sich mittlerweile im ganzen Landkreis, um todkranken Menschen zu helfen. Vereinsvorsitzender Kunibert Herzing machte deutlich, wie dringend sie gebraucht werden. „Es geht darum, die palliative Versorgung in Seniorenheimen, Krankenhäusern und zuhause zu verstärken.“ Mittlerweile machen auch immer mehr Männer die Ausbildung zum Hospizhelfer. Wer sich ausbilden lassen will, sollte mindestens eine Stunde pro Woche für dieses Ehrenamt einplanen.
Der Verein finanziert seine Arbeit aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen und zugedachten Bußgeldern aus Gerichtsverfahren. Seit in diesem Jahr das Hospiz -und Palliativ-Gesetz in Kraft getreten ist, hat sich auch die staatliche Förderung über die Krankenhäuser für die ambulanten Hospizdienste erhöht, erklärte Herzing. Damit finanziere man die Gehälter der Hauptamtlichen. Der Vorsitzende des Hospizvereins betonte, dass der Verein gegen eine aktive Sterbehilfe ist. Aber dann müsse man eben auch Alternativen anbieten, mit einer palliativen Versorgung und Schmerzmedikamentation, und dürfe Angehörige nicht alleine lassen mit der Pflege und Verantwortung für einen Todkranken. „Es darf kein Sterben erster und zweiter Klasse geben.“
Nina Lubomierski erlebt bei ihren Besuchen in Heimen oft, wie Menschen ihren Schmerzen überlassen werden. „Wir müssen den Schmerz ganzheitlich sehen“, sagte die Pfarrerin. Auf den Palliativstationen werde das beherzigt.
Die Würde des Menschen soll nach dem Grundsatz des Hospizvereins auch beim Sterben unantastbar sein. Vor 20 Jahren habe man in den Kliniken noch befürchtet, die Patienten könnten von Schmerzmitteln abhängig werden, sagte Dr. Maria Fick. Glücklicherweise habe es mittlerweile ein Umdenken gegeben. So schmerzlich es sei, einen geliebten Menschen beim Sterben zu begleiten, es berge auch die Chance einer wichtigen Lebenserfahrung. Viele würden es als Bereicherung bezeichnen, ihre Angehörigen bis zuletzt begleitet zu haben. Manchen müsse man jedoch erst die Angst davor nehmen, zu sehr sei das Thema Tod in der heutigen Gesellschaft entfremdet worden. „Man muss das Sterben menschlich gestalten“, sagte Bechinger. Ruth Müller konnte dazu vom Beispiel eines Mannes berichten, der seine Frau bis zu deren Tod gepflegt hatte und diese besondere Nähe als großes Glück bezeichnet hatte. Franz Joseph Baur berichtete von einer Frau, die ihm erzählt hatte, so schwer die Zeit auch gewesen sei, als sie das Sterben ihres Mannes begleitete, sei es doch eine wertvolle Erfahrung gewesen.
Landshuter Zeitung | Stadt Landshut | 02.12.2016