SPD Adlkofen

„Haltung zeigen – Mensch bleiben“: Ruth Müller im Gespräch mit Christian Springer über Demokratie

Veröffentlicht am 30.10.2025 in Bildung & Kultur

Geisenhausen. Ein Abend, der Mut machte und zum Nachdenken anregte: Unter dem Motto „Demokratie braucht Haltung“ lud die SPD-Landtagsabgeordnete Ruth Müller am Sonntagabend in das Pfarrheim Geisenhausen ein.

Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, als der bekannte Kabarettist, Autor und Humanist Christian Springer auf die Bühne kam – zum Gespräch mit Müller über Demokratie, Werte und Zivilcourage.

Nach der Begrüßung durch Zweiten Bürgermeister Siegfried Kaschel sowie durch den SPD-Ortsvorsitzenden Stephan Hügel und den designierten Bürgermeister-Kandidaten Martin Fischer führte Ruth Müller in das Thema ein:

„Wir leben in einer Zeit, in der Populismus, Desinformation und politische Gewalt wieder zunehmen. Umso wichtiger ist es, Haltung zu zeigen – in der Politik, aber auch im Alltag.“

Wenn das Virus der Fake-News ansteckender wird als jede Krankheit

Müller verwies auf den aktuellen Weltrisiko-Bericht, in dem Desinformation als das größte globale Risiko benannt wird – noch vor Klima- und Kriegsgefahren. Nur 7,8 Prozent der Weltbevölkerung leben in einer vollwertigen Demokratie, erinnerte sie. „Das sollten wir uns bewusst machen – und nicht als selbstverständlich hinnehmen“, so Müller.

Im Gespräch fragte sie Springer, ob ihn die „zunehmende Verrohung“ und die Gewalt gegen Politiker und Politikerinnen beunruhige. Springer erinnerte an sein Buch „Der Bayerische Mob“, in dem er über 2.800 Angriffe im Jahr 2023 dokumentiert hat – in einer Zeit, „in der selbst Regierungsmitglieder den Boden der Demokratie verlassen und auch Menschen wie Ruth mit Morddrohungen konfrontiert wurden“.

Er zitierte aus der Geschichte: 1930 hätten Kommunisten und Nationalsozialisten beim Berliner Straßenbahnstreik noch gemeinsam protestiert – „und am Ende sind die Nazis durchmarschiert, während die Kommunisten verhaftet oder erschlagen wurden“.
Sein Fazit: „Rechtsextremismus endet immer mit dem Tod der Demokratie – und mit dem Tod jener, die für sie einstehen.“

Demokratie misst sich an der Toleranz gegenüber anderen Meinungen

Ruth Müller griff den Gedanken auf und betonte, dass Demokratie nicht nur Wahlen, sondern vor allem Beteiligung und Respekt brauche. „Demokratie lebt davon, dass wir auch mit Menschen reden, die anders denken – und dass wir widersprechen, wenn rote Linien überschritten werden.“

Springer ergänzte, Demokratien seien daran messbar, wie sehr sie auch Minderheiten zu Wort kommen lassen. „In manchen Ländern Asiens ist ein Viertel der Regierung automatisch fürs Militär reserviert – das sind keine echten Demokratien.“

„Opposition ist harte Arbeit“, berichtete Ruth Müller aus ihrer Arbeit im Bayerischen Landtag. Aber letztendlich bestehe eine funktionierende Demokratie aus der Gewaltenteilung, die eben eine freie Opposition brauche und nicht unterdrückt werde, wie in anderen Ländern. Denn dann seien auch die Unabhängigkeit der Justiz und der Presse gefährdet. Bei einem wachen Blick in die Welt könne man diese Entwicklungen leider live beobachten.

Engagement über Grenzen hinweg – Feuerwehr als Symbol der Menschlichkeit

Als Ruth Müller das Gespräch auf Springers humanitäres Engagement im Nahen Osten lenkte, wurde es besonders bewegend. Seit 13 Jahren unterstützt er mit seinem Verein „Orienthelfer e.V.“ Menschen in Syrien und im Libanon.

„Nach über 50 Jahren Diktatur brauchen die Menschen dort Vertrauen und Hilfe – genau wie wir nach dem Krieg Hilfe bekommen haben“, sagte Springer. Seine Vision sei, über die Feuerwehr-Infrastruktur Menschen miteinander zu verbinden: „Feuerwehren verstehen sich überall auf der Welt. Da zählt nicht, woher man kommt – nur, ob man hilft.“

„Das, was Christian tut, ist gelebte Solidarität. Damit Demokratie wächst, muss man auch Menschlichkeit säen“, dankte ihm Ruth Müller für diese klare Haltung.

„Wenn jemand hinfällt, hilfst du ihm auf“

Im letzten Teil des kurzweiligen Abends wollte Müller wissen, was Christian Springer geprägt habe. Seine Antwort war eine Liebeserklärung an seine Mutter, die in Trudering einen kleinen Gemüseladen führte:
 „Sie hat immer gesagt: Wenn jemand hinfällt, hilfst du ihm auf – da wird nicht gefragt, ob er reich, arm oder fremd ist.“

Müller fasste zusammen: „Das ist das, was wir brauchen – Anstand, Toleranz und die Bereitschaft, füreinander einzustehen.“ Und fügte hinzu: „Wir als Sozialdemokraten glauben nicht an die Macht der Milliardäre, sondern an die Macht der Vielen, an die Demokratie. Und verteidigen sie. Damals wie heute“.

Ein Seepferdchen als Symbol der Hoffnung

Zum Abschluss bedankte sich Ruth Müller mit einem gerahmten Seepferdchenbild bei Christian Springer – inspiriert von Pfarrer Rainer Maria Schießlers Würdigung Springers beim Jubiläum der „Orienthelfer“ im vergangenen Jahr.

„Du bist jemand, der nicht zuschaut, sondern handelt – und für jedes einzelne Seepferdchen kämpft, das gerettet werden kann“, sagte Müller. Das Publikum spendete langanhaltenden Applaus – für einen Abend, der zeigte, dass Demokratie Haltung braucht – und Menschlichkeit das Fundament davon ist.

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