Besichtigungsfahrt und Meinungsaustausch zu ökologisch-bewirtschafteten Felder
Rottenburg. Unter der Schirmherrschaft der Stadt machte sich am Samstag eine Gruppe aus Bürgern, Politikern, Landwirten und Vertretern des Zweckverbandes zur Wasserversorgung auf, um drei „Hackstriegel-Versuchsflächen“ zu besichtigen. Bei der zweistündigen Rundfahrt informierten sich die Teilnehmer darüber, ob die mechanische Unkrautbekämpfung als Alternative zu konventionellen Spritzmitteln eingesetzt werden kann.
Spätestens seitdem Grenzwertüberschreitungen in den Pattendorfer und Hohenthanner Trinkwasserbrunnen den Bau einer Aktivkohleaufbereitung beziehungsweise die Erschließung eines neuen Brunnens nötig machten, ist der Trinkwasserschutz in aller Munde. Während man in Hohenthann mit Nitrateinträgen zu kämpfen hat, sind in Pattendorf die Spritzmittel das Problem. Im September waren bei Analysen 0,00015 Milligramm pro Liter des Pflanzenschutzmittels Desethylatrazin im Trinkwasser festgestellt worden. Der Grenzwert liegt bei 0,00010 Milligramm pro Liter. Obwohl diese Menge, laut einer Stellungnahme des Landshuter Gesundheitsamtes, für die Gesundheit der Verbraucher unbedenklich ist, beschloss der Zweckverband den Bau einer Aktivkohleaufbereitungsanlage.
Die ist, laut Umweltreferent Franz Gumplinger, im Moment zwar unumgänglich, beseitigt werde das Problem damit aber nicht. „Das ist keine Vorsorgemaßnahme, sondern lediglich eine kurzfristige Maßnahme zur Qualitätssicherung“, mahnt der Umweltreferent und fordert zukunftsweisende Schritte.
Auch Bürgermeister Alfred Holzner und dem Vorsitzenden des Zweckverbands zur Wasserversorgung – Rottenburger Gruppe –, Hans Weinzierl, ist an einer vorbeugenden Lösung gelegen. „Es muss gelingen, den Einsatz von Spritzmitteln und den Eintrag von Nitrat auf das Maß zu begrenzen, wie auch der Abbau möglich ist. Damit vermeiden wir Einträge ins Grundwasser.“ Dazu sei auch erforderlich, dass Grenzwerte von staatlichen Fachstellen erprobt und festgelegt werden und die Einflussnahme der „Spritzmittelindustrie“ ausgeschlossen ist, sagte Holzner.
Ein Lösungsansatz könnte im Vorschlag des ehemaligen Biobauern Volker Kahlert liegen. Der hatte in einem Brief an den Wasserzweckverband, an die Stadt Rottenburg sowie in Gesprächen mit konventionell wirtschaftenden Kollegen, im April darum geworben, die mechanische Unkrautbekämpfung mit dem Hackstriegel auszuprobieren.
In Gerhard Patzinger, Franz Strixner und Angelika Wimmer erklärten sich drei Landwirte dazu bereit und stellten Teilflächen zur Verfügung. Ihre Felder wurden von Kahlert einmal im Frühjahr und einmal Anfang Juni „gestriegelt“, man könnte auch sagen „ausgekämmt“.
Während Patzinger und Wimmer von zufriedenstellenden Ergebnissen berichteten, kann sich Strixner einen Spritzmittelverzicht nicht vorstellen. „Ein Biobauer wechselt zwischen Winter- und Frühjahrsfrüchten ab und pflügt seine Felder nach der Ernte um. Ich dagegen betreibe eine konservierende, pfluglose Bodenbearbeitung. Ein wichtiger Schwerpunkt ist dabei die frühzeitige Aussaat von Weizen im Herbst, um möglichst viel Stickstoff über die Wintermonate in der Pflanze zu binden,“ sagte Strixner. Dadurch lasse sich die Abschwemmung von Erdreich bei Starkregen erfolgreich reduzieren. „Bei dieser Produktionsweise kommt der Hackstriegel wegen des alten Strohs und des dichten Unkrautbewuchses an seine Grenzen.“
Bei Gerhard Patzinger trat das Problem nicht auf. Da er seine Flächen pflügt und relativ spät besät, wurde der Hackstriegel dem Unkrautbewuchs Herr. Zudem habe das Wetter gepasst. Als einziges Manko empfand Patzinger die geringe Breite des verwendeten Geräts. Diese habe zu überflüssigen Fahrrinnen geführt.
Auch auf dem zwei Hektar großen Weizenfeld von Wimmer in Steinbach sei kein höherer Unkrautdruck im „gestriegelten“ Bereich festzustellen gewesen. Auf einer kleinen Teilfläche habe man jedoch den Distelbewuchs gezielt bekämpfen müssen, berichtete die Stadträtin. Grundsätzlich steht Wimmer der Methode positiv gegenüber, nimmt aber auch die Verbraucher in die Pflicht. „Wir Bauern leisten gerne einen höheren Aufwand für den Umweltschutz, wenn das durch den Kauf regional erzeugter Lebensmittel honoriert wird“.
Deshalb müsse der Verbraucher unbedingt mit ins Boot geholt werden, sagte MdL Ruth Müller, die im Landwirtschaftsausschuss sitzt. „In Österreich gibt es ein deutlich höheres Bewusstsein der Verbraucher für ihre regional vor Ort erzeugten Lebensmittel.“ Ökologische Landwirtschaft sei kein Hobby. Der Mehraufwand müsse auch finanziert werden, sagte Müller.
„Die Rundfahrt war sehr interessant und hat weiter dazu beigetragen ein Problembewusstsein zu schaffen“, sagte Weinzierl. „Man hat gesehen, dass es sich bei der Hackstriegelmethode um eine wertvolle Nischenbewirtschaftung handeln kann. Leider benötigt sie jedoch sehr spezielle Bedienungen und Voraussetzungen um flächendeckend angewendet werden zu können.“ Der Zweckverbandsvorsitzende will auch in Zukunft das Gespräch mit Landwirten suchen, um sich mit ihnen auf eine trinkwasserfreundliche Bewirtschaftung zu verständigen. Franz Gumplinger will den Gesprächsfaden beim Grundwasserschutz nicht abreißen lassen. Interessierten bietet er heute um 19 Uhr Mitfahrgelegenheiten zu den Versuchsfeldern des Agrarbildungszentrums in Landshut Schönbrunn an. Dort werden Aktuelles aus dem Ökopflanzenbau, vielfältige Kulturarten, praktische Sortenversuche sowie Anbaumethoden, auch zum vorsorgenden Grundwasserschutz im ökologischen Landbau, gezeigt.
Info
Die Vorteile des Ökolandbaus werden am Donnerstag, 25. September sowie am Sonntag, 28. September, am „Tag der Regionen 2014” bei einem Vorträgen im Bürgersaal vorgestellt. Bioprodukte und Ökobetriebe präsentieren sich am 27. September auf dem Wochenmarkt, unter dem Motto: „Regional ist gut – regional und ökologisch ist besser”.