SPD Adlkofen

Gleichberechtigung ist selbstverständlich

Veröffentlicht am 18.06.2013 in Bildung

Im Alevitentum gibt es keinen Unterschied zwischen Mann und Frau - Vortrag bei der AsF

Nur rund 20 Millionen, der weltweit über zwei Milliarden Muslime, sind Aleviten. Diese Ausprägung des Islam hat eine eigene, sehr humanistische Ethik und Religiosität, die auf den Kern des Menschseins zielt. Daher ist den Aleviten ein Kernaspekt besonders wichtig, die sie von anderen muslimischen Strömungen unterscheidet und Traditionalisten ein Dorn im Auge ist: Die gelebte Gleichberechtigung von Mann und Frau. Zwei weitere Kernaussagen sind ein umfassender Weltfriede sowie eine Gottesliebe, die sich fast diametral zur Gottesfurcht bewegt, wie sie zumal in schriftgläubigen und konservativen Glaubensrichtungen vorherrscht.
„Alles, was Gott geschaffen hat, ist vollkommen“, so Songül Tangobay über das gleichberechtigte Verständnis von Mann und Frau. Den Vortrag über das Alevitentum hatte der Arbeitskreis Sozialdemokratischer Frauen (ASF) im Preysinghof veranstaltet. Als zentrale Forderung seien im Alevitentum die Zügelung von Hand, Zunge und Lenden festgeschrieben, die Tangobay mit den zehn Geboten verglich. Innerhalb der Alevitischen Gemeinde Deutschland haben sich ein Dachverband für Frauen sowie der Bund der Alevitischen Jugend in Deutschland gebildet. Für beide sei die Stärkung der eigenen Rechte wichtig.

Über die verschiedenen Aspekte des Alevitentums informierte der alevitische Gelehrte Zeynel Arslan. Dort gab Arslan einen Überblick über Humanologie und Philosophie der alevitischen Lehre. Songül Tangbay, Vorsitzende des bayerischen Bundes der alevitischen Frauen, informierte über die Rolle der Frau im Alevitentum.

Was ist der Sinn des Lebens und gibt es ein göttliches Prinzip? - Die Fragen sind vermutlich so alt wie die Menschheit und sie werden in sicher jeder Religion und Weltanschauung immer wieder neu gestellt und diskutiert. Referent Zeynel Arslan ist „Dede“, wörtlich mit „Großvater“ übersetzt, und damit Gelehrter und primus inter pares im Alevitentum. Arslan referierte über einen Glauben, der innerhalb des Islam kritisch beäugt und teils heftig angefeindet wird, obgleich er sich für ein gelassenes Verständnis aller Menschen stark macht. Er versteht das Alevitentum als eine Form der Sinnsuche unter vielen anderen.
Der Kern der alevitischen Ethik sei spirituell und universell zugleich und beinhaltet den Respekt des Anderen wie man sich selbst respektieren soll. Das Alevitentum, so Arslan, lehre eine Menschen- und Selbsterkenntnis, die das sittliche Gebot der Liebe und einen universell verstandenen Respekt impliziert. „Mein Nächster ist genauso göttlich wie ich selbst“. Damit verstehe das Alevitentum einen Gott und ein göttliches Licht, das in jedem Menschen steckt. Arslan beendete seinen Vortrag mit einem „Rosenruf“, einer musikalischen Fürbitte.

In einer Fragerunde wurden weiterführende Informationen über das soziale und politische Leben in der Türkei erörtert. Arslan berichtete, dass es dort rund 85000 Moscheen gebe, aber nur 150 Cemhäuser, die Begegnungsstätten der Aleviten

aus der Deggendorfer Zeitung vom 18.06.2013

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Einen Einblick in die Welt des Alevitentums gab es im Preysinghof: (v.l.) Der Vorsitzenden der Alevitischen Gemeinde Plattling und Umgebung Ibrahim Kaplan, SPD-Ortsvorsitzender Herbert Petrilak-Weissfeld, Filiz Cetin, Ruth Müller, „Dede“ Zeynel Arslan, die Vorsitzende des Bundes der alevitischen Frauen Songül Tangobay und die Vorsitzende des ASF, Sabine Liebhaber.

Homepage Ruth Müller