
Ende Februar wurde der Neufraunhofener Landwirt Josef Schmid zum Landesvorsitzenden der AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) wiedergewählt. Gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen besuchte er in der vergangenen Woche den Bayerischen Landtag, um mit den Landwirtschafts- und Umweltpolitikern ins Gespräch zu kommen. Eine umfangreiche Themenliste hatte die AbL vorbereitet und auch die Landshuter Landtagsabgeordnete Ruth Müller, die im Landwirtschaftsausschuss tätig ist, nutzte die Gelegenheit, wichtige Aspekte zu diskutieren.
Gerade das aktuell diskutierte Verbot der Anbindehaltung erschwere es kleinen Landwirten, ihren Betrieb auf Dauer zu erhalten. Wenn die Anbindehaltung verboten werde, würde dies für manche Betriebe das „Aus“ bedeuten, da ein Stallbau oder Umbau im derzeitigen Fördersystem meist eine Erhöhung der Tierzahlen erfordert, was gerade bei vielen Nebenerwerbsbetrieben nicht praktikabel sei, machte Schmid deutlich. Vorbildlich sei hier das bayerische Sonderprogramm für Laufhöfe, das Verbesserungen der Haltungsbedingungen fördert, und ausdrücklich nicht zur Schaffung zusätzlicher Tierplätze dienen soll.
Die SPD-Landtagsfraktion hatte hierzu in den letzten Monaten einige Anträge eingereicht, um die Familienbetriebe zu unterstützen.
Erschwerend komme im Moment auch der dramatische Verfall des Milchpreises hinzu, der den Milchbauern neue Investitionen erschwere. Die aktuelle Situation mache deutlich, dass „der Markt nichts reguliert“ und das Angebot dem aktuellen Bedarf mit koordinierten, allgemeingültigen Massnahmen angepasst werden muß. Die Erzeugerpreise für Milch sind EU-weit um 30 Prozent gefallen und die Familienbetriebe hatten in den Jahren 2014 / 2015 rund 22 Prozent weniger Einkommen. Gleichzeitig werde das Lebensmittel Milch in den Supermärkten billigst verscherbelt.
Auch über die Ausbildungssituation der jungen Landwirtsgeneration diskutierten die AbL-Vertreter mit den SPD-Politikern. „Bei uns ist das Generationendenken verankert“, machte Josef Schmid deutlich. Umso wichtiger sei es, dass junge Landwirte berufliche Perspektiven bekommen, denn jedes Jahr starten nur noch 600 junge Menschen eine Ausbildung in der Landwirtschaft. Für eine Umschichtung von Mitteln in die 2. Säule warb Schmid bei dem Gespräch, damit wieder alle KULAP Programme angeboten und auchsicher finanziert werden können. Für die Förderperiode nach 2020 sei die pauschale Flächenförderung nicht mehr zu halten. Ein Betrieb, der mit Minimalaufwand 30 Hektar Mais anbaue, könne nicht genauso gefördert werden wie ein 30 Hektar Grünlandbetrieb mit Milchvieh, der eine ganze Familie ernährt, so die Forderung der AbL. „Auch uns liegt ein Erhalt des Grünlands am Herzen“, machte Ruth Müller deutlich. Denn ohne Grünland werde sich unsere jahrhundertealte Kulturlandschaft verändern. Als SPD-Fraktion habe man versucht, ein Weidemilchlabel zu installieren, sei aber an der Mehrheitsfraktion im Ausschuss gescheitert. „Verantwortungsvoll und qualitätsorientiert erzeugte Lebensmittel sind eine große Chance für Bayerns Landwirte“, so Müller. Es gebe zunehmend mehr Verbraucher, die Wert legen auf regional und nachhaltig produzierte Produkte. Dem müsse man auch bei der Ausgestaltung der Fördermittel Rechnung tragen, statt immer weiter Bauernhöfe dem Weltmarkt zu opfern.