
Benefizkonzert zum Jubiläum der Frauenhäuser begeisterte - Missstände angesprochen
Rottenburg. „Ein Grund zum Feiern für Hoffnung, Mut und Zuversicht“, war der Tenor des Benefizkonzertes, das am Samstag anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Landshuter Frauenhäuser im Festsaal des Gasthaus Eigenstetter stattfand. Solokünstler und Bands aus dem Landkreis Landshut traten kostenlos auf, um Spenden für die Frauenhäuser zu sammeln.
Angelika Hirsch, Leiterin des AWO-Frauenhauses Landshut, und Gabriele Unverdorben, Leiterin des Caritas-Frauenhauses, eröffneten das Benefizkonzert unter der Schirmherrschaft von Landrat Peter Dreier. Organisiert wurde die Veranstaltung von Nobert Niederreither, der sich seit vielen Jahren für die Landshuter Frauenhäuser engagiert. Seit 1981 gibt es den „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Kinder“ am 25. November, in dessen Rahmen das Konzert stattfand. Die Frauenhäuser bieten Frauen und Kinder, die verschiedenen Formen von psychischer und physischer Gewalt ausgesetzt sind, Zuflucht. Unverdorben betonte, wie wichtig es sei, den Frauen und ihren Kindern positive Erlebnisse zu ermöglichen, zum Beispiel bei diversen sportlichen Unternehmungen wie beim Minigolfen. Doch dies sei finanziell oft nicht möglich, sodass die Frauenhäuser auf Spenden angewiesen sind, weshalb auf dem kostenfreien Benefizkonzert um Spenden gebeten wurde, die den Frauen und ihren Kindern zugutekommen. Dieser Bitte schloss sich Landrat Peter Dreier an. Dreier betonte die Herzenswärme und die guten Leistungen der Frauenhäuser in all den Jahren. „Obwohl wir in einer guten Region Leben und die Welt in Ordnung scheint, gibt es leider immer wieder Schicksale, bei denen es gut ist, dass es die Frauenhäuser gibt – jedoch aus Sicht des Landkreises Landshut immer noch zu wenig davon“, so Dreier. Da die Frauenhäuser oftmals keinen Platz für alle Zufluchtsuchenden bieten können, hofft Dreier, dies durch Erweiterungen ändern zu können. Gemeinsam mit Ruth Müller, frauenpolitische Sprecherin der bayerischen SPD-Landtagsfraktion, wolle man das Angebot und die Unterstützung ausbauen. Es sei wichtig, auf dieses Thema aufmerksam zu machen, sagte Dreier. Er dankte den Organisatoren, Musikern und Sponsoren, die die Frauenhäuser mit diesem Abend unterstützen, sowie den Mitarbeiterinnen und Freiwilligen, die in den Landshuter Frauenhäusern tagtäglich helfen. Auch MdL Müller betonte, dass die Zahl der betroffenen Frauen und Kinder steigt, doch die Zahl der Plätze in Frauenhäusern nicht angepasst werde und es keine ausreichende finanzielle Unterstützung für Beratung und Betreuung gebe, wie die Landtagsabgeordnete es bei zahlreichen Besuchen in Frauenhäusern erfahren hatte. „Viele Tausende Frauen in Bayern werden jedes Jahr Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt. Jede vierte Frau in Deutschland wurde auch daheim schon geschlagen – die Dunkelziffer dürfte noch sehr viel höher liegen“, sagte Müller. Und die Frauenhäuser und Frauennotrufe würden dem Bedarf längst nicht gerecht. Die Erhöhung von einer Million Euro im Nachtragshaushalt, zu der sich die Staatsregierung anlässlich der bevorstehenden Wahlen laut Müller wohl gezwungen sah, reiche vorne und hinten nicht aus. „Nötig sind mindestens zwei Millionen Euro mehr“, meinte Müller. Auch sei diese Not bei den Mitarbeitern spürbar. Oftmals müssten sie Frauen abweisen, die nach jahrelangem Leidensweg den Mut gefasst haben, aus der gewaltbelasteten Beziehung auszubrechen. „Der reiche Freistaat Bayern muss für Frauen und Kinder in Not endlich Geld locker machen“, forderte Ruth Müller. Es gebe pro 10 000 Einwohner nur einen Platz in einem Frauenhaus. Insgesamt vier Musiker und Bands aus dem Landkreis unterstützten das Benefizkonzert, um Spenden für diese Frauen und deren Kinder zu sammeln. Über Eigenkompositionen, Oldies und aktuelle Hits durften sich die Gäste bei Sarah Neidhardt freuen, die sowohl als Solokünstlerin als auch im Duett mit ihrer Schwester Simone auftrat. Für ausgelassene Stimmung sorgten auch die Eckstein Buam, die mit Gitarre und Akkordeon inmitten des Publikums ihre Musik zum Besten gaben. Rockiger ging es bei Harry Gumplinger und Sebastian Blümel zu. Mit „Wagon Wheel“ starteten sie in den Abend. Es folgten Eigenkompositionen und viele weitere Hits, wofür sie großen Beifall ernteten. Mal leise, mal laut klangen die Saiten der Gitarren beider Musiker. Den Abschluss machte Paul Vilser. Gekonnt spielte er an der Gitarre und mit seiner Rock-Stimme zahlreiche Hits. Die Musik kam gut an, da für jeden Musikgeschmack etwas dabei war. Niederreither organisierte Häppchen und eine Nachspeise, die für die Besucher kostenlos waren. -wa-
Text: Rottenburger Anzeiger