Im Abrollbehälter: Material für 40qm Zelte und bis zu 50 Verletzte, Strom- und Lichtversorgung
Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes stellt Sanitätsgerätekraftwagen in Dienst
Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes stellt Sanitätsgerätekraftwagen in Dienst
Der Funkrufname „Rotkreuz Landshut 41/82/2“ klingt für Außenstehende unscheinbar – doch der neue Sanitätsgerätekraftwagen „GW MANV 50“ des Kreisverbandes Landshut im Bayerischen Roten Kreuz (BRK) hat es in sich: Mit dem gebraucht von der Berufsfeuerwehr Leipzig beschafften Wechselladerfahrzeug wird ein Abrollbehälter transportiert, der logistisches und medizinisches Material zur Versorgung von bis zu 50 Verletzten beinhaltet. Der Abrollbehälter ist ein Eigenbau der Bereitschaft Postau, die dafür bei der Indienststellung in ihrem Hilfeleistungszentrum viel Lob bekam. Kreisbereitschaftsleiter Volker Andorfer sprach von einer „erheblichen Verstärkung unseres Einsatzpotenzials“. Das Rote Kreuz sei nun noch schneller und effektiver im Stande, Verletzten in Großschadenslagen die Hilfe zukommen zu lassen, die benötigt wird.
Das Rote Kreuz ist Teil des öffentlich-rechtlichen Rettungsdienstes im Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Landshut (ZRF), zu dem unter anderem die Stadt und der Landkreis Landshut gehören. Als sich das Rote Kreuz darum bewarb, den Rettungsdienststellplatz Altdorf (an dem tagsüber ein Rettungswagen vorgehalten wird) zu betreiben, wurde auch eine Möglichkeit gefordert, mindestens 40 Verletzte versorgen zu können. Mit der Indienststellung des neuen Sanitätsgerätekraftwagens (der seit Februar einsatzbereit ist) ist das Rote Kreuz dazu nach eigenen Angaben noch besser in der Lage.
Andorfer berichtete, dass der Kreisverband deshalb die Kosten in Höhe von nur 71 000 Euro trägt. Mit einem herzlichen „Dankeschön“ zollte er den Helfern um Bereitschaftsleiter Stefan Heber und Taktischem Leiter Michael Egger seinen Respekt, die den Abrollbehälter beschafft und in 3500 Arbeitsstunden nach eigenen Plänen ausgerüstet haben. Der Sanitätsgerätekraftwagen sei eine „Bereicherung unseres Fuhrparks“ und diene auch der Motivation der Helfer.
Der Abrollbehälter (vom tschechischen Hersteller ursprünglich als Müllcontainer gedacht) ist unter anderem mit vier Notfallrucksäcken, zwei Kinderkoffern, zehn Spineboards, 20 Krankentragen sowie vier Defibrillatoren mit Sichtmonitor ausgestattet. Darüber hinaus sind vier Beatmungsgeräte und 9600 Liter Sauerstoff verlastet. Um Verletzte effektiv behandeln zu können, gehören zwei aufblasbare Zelte mit je 40 Quadratmetern Fläche sowie die dafür nötige Strom- und Lichtversorgung zur Beladung. Der Sanitätsgerätekraftwagen wird in der Regel mit der Schnelleinsatzgruppe „Behandlung“ aus Landshut alarmiert, die das Personal stellt, um die große Anzahl Verletzter versorgen zu können. Denkbar wäre es auch, etwa bei größeren Sanitätsdiensten, den Abrollbehälter als Materialzubringer mit zwei Helfern einzusetzen. Die Ausrückzeit liegt nachts und am Wochenende bei etwa zehn Minuten, tagsüber bei rund 20 Minuten.
Im kommenden Jahr soll ein weitere Abrollbehälter beschafft werden, der eine mobile Sanitätsstation beinhaltet, die bei größeren Sanitätsdiensten genutzt werden kann. Kreisvorsitzender und Landshuter Oberbürgermeister Hans Rampf lobte die Anstrengungen der Bereitschaft Postau. Er betonte, dass man ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter gleich gut behandeln müsse. Bei der Ausschreibung der Rettungsdienststellplätze habe ihn die Sorge beschlichen, wie das Rote Kreuz seinen hohen Standard halten könne. Er forderte deshalb ein „Miteinander“ aller Rotkreuzler.
Kreisgeschäftsführer Hagen Westphal kündigte an, es werde „einen Ausbau unseres Leistungssystems geben“. Schritt für Schritt sollen die Helfer mit „zeitgemäßem Material“ ausgestattet werden. Westphal ist er seit kurzem im Amt. Rampf dazu: „Wir haben die richtige Entscheidung getroffen.“
Die SPD-Landtagsabgeordnete Ruth Müller ist seit 30 Jahren Mitglied der Bereitschaft Pfeffenhausen. „Ich weiß, wie schwer der Dienst am Nächsten ist“, sprach sie die Helfer an. Sie bezeichnete es als „große Auszeichnung“ für die Bereitschaft Postau, dass der neue Sanitätsgerätekraftwagen dort stationiert ist. Vielen Ausbildungs- und Übungsstunden sollen möglichst wenige Einsätze gegenüberstehen.
Stellvertretender Landrat Fritz Wittmann war beeindruckt von der Neuanschaffung, die weit über das hinausgeht, was man von Sanitätsdiensten kennt. „Wir alle sind zur Hilfe verpflichtet“, sagte Wittmann. „Sie wollen nicht nur helfen, Sie können es auch“, bestärkte er die Helfer. Wittmann abschließend: „Sie sind die Protagonisten einer humanitären Gesellschaft.“
von Thomas Gärtner, Landshuter Zeitung
Homepage Ruth Müller