
Frauenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Ruth Müller, zu Gast auf Oberhaus
„Natürlich müssen Frauen weniger verdienen als Männer, denn Frauen sind schwächer, sie sind kleiner, und sie sind weniger intelligent“. Dieses Zitat des polnischen Europa-Abgeordneten Janusz Korwin-Mikke aus der Vorwoche sorgte auch beim Frauenempfang des Passauer Landtagsabgeordneten Bernhard Roos für Erheiterung unter den zahlreichen Gästen im „Oberhaus“.
In ihrem fachkundigen und lebendigen Vortrag blickte die Frauenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Ruth Müller aus Landshut, in der „heimlichen Hauptstadt Niederbayerns“ Passau auf die Geschichte der Frauenpolitik zurück und entwickelte gemeinsam mit anderen Referentinnen aus dem Ehrenamt Impulse für eine noch offensivere Frauenpolitik in der Zukunft.
Es waren sozialdemokratische Frauen, die 1911 erstmals dazu aufgerufen hatten, die Rechte der Frauen mit einem Tag der Frau zu würdigen. Seit 1977 ist der 8. März offizieller UNO-Feiertag für Frauenrechte. Der Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ fand 1949 nicht zuletzt dank der SPD-Abgeordneten und „Mutter des Grundgesetzes“ Elisabeth Selbert Aufnahme in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Allerdings war und ist es, so Ruth Müller, „ein weiter Weg, das gedruckte Wort ’Männer und Frauen sind gleichberechtigt’ mit Leben zu erfüllen“. Nur in kleinen, langsamen Schritten gelang es, entsprechende gesetzliche Maßnahmen zu ergreifen, die den Rechten der Frauen größere Bedeutung zukommen ließen.
In der Lebensrealität gibt es laut Müller nach wie vor große Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern. Auch wenn Frauen seit den 1970er Jahren ebenfalls Hosen zu tragen pflegen oder seit 1958 auch ohne Erlaubnis des Mannes den Führerschein machen dürfen, stehen für Ruth Müller und die SPD weiterhin „die Gleichberechtigung von Mann und Frau und vor allem die Chancengerechtigkeit an erster Stelle“.
Familienarbeitszeit nach schwedischem Vorbild und kostenfreie Kinderbetreuung sind wesentliche Forderungen sozialdemokratischer Frauenpolitik mit Auswirkungen auf das Gesellschaftsleben insgesamt. Müller resümiert: „Wenn die Rahmenbedingungen wie Kinderbetreuungsmöglichkeiten oder berufliche Chancengleichheit stimmen, werden damit auch gesellschaftliche Veränderungen möglich.“ Dazu wiederum „brauchen wir aber mehr Frauen, die bereit sind, sich politisch zu engagieren“.
Unter den Gästen im „Oberhaus“ befanden sich zahlreiche Frauen, die dieses Postulat bereits in beeindruckender Weise verwirklichen, überwiegend freilich im Ehrenamt. Exemplarisch für ihre Mitstreiterinnen referierten Sabine Aschenbrenner von der Diakonie über ihren Kampf gegen die „Notlage von Frauen“. Sie betonte dabei: „Das, was uns hilft, ist das Netzwerk. Es ist eine Stärke der Frauen, in Netzwerken zu arbeiten.“
Gaby Magg-Kastenhuber von Profamilia Passau pries ihren Arbeitsplatz als „einen der schönsten überhaupt“ und berichtete trotz aller Widerstände von ihrer „Begeisterung, wie Männer und Frauen mit wenig Geld ihr Familienleben bestreiten“. Sie brach eine Lanze für Sexualpädagogik an Schulen und bezeichnete Sexualität als Menschenrecht, gleich welcher Kultur oder Neigung.
In der Diskussion wurden auch die Schwierigkeiten thematisiert, Frauen zu finden, die ein politisches Amt übernehmen. SPD-Stadträtin Katja Reitmaier räumte ein: „Es ist schwer, sich in einer Partei durchzusetzen“. Aber sie betonte: „Engagement lohnt sich!“ und zitierte ihre Großmutter, die ihr vorgelebt habe: „Es geht um unser Leben. Es ist bereichernd, denn ich kann etwas für mein eigenes Leben voranbringen, und auch für andere Menschen.“
Gastgeber Bernhard Roos hatte den Gästen der Veranstaltung, die mit duftenden Frühlingstulpen den Heimweg antreten durften, ans Herz gelegt: „Wenn es mehr Frauen auf allen möglichen Positionen dieser Welt gäbe, wäre diese Welt schöner und friedlicher“. Christiane Öttl illustrierte diese Hoffnung stiftende Weltanschauung durch ihre musikalischen Beiträge zwischen den Ansprachen mit der Bitte um „a little respect“. Es gelte „It´s easy: All you need is love“, sodass sich irgendwann vielleicht doch bewahrheiten würde „What a wonderful world!“.
Text: PNP, Stephan Kowarik