Wohnungspolitischer Sprecher Andreas Lotte, MdL im Fachgespräch mit Landshuter Verbänden in der Galerie Litvai
Unter dem Motto ‚Wohnen muss bezahlbar bleiben‘ fanden sich kürzlich Vertreter der Wohlfahrtsverbände, Betriebsräte und des Mietervereins in der Galerie Litvai ein, um mit der Pfeffenhausener Abgeordneten Ruth Müller, der stellvertretenden Vorsitzenden der Landshuter SPD, Patricia Steinberger, sowie dem eigens für den Termin angereisten wohnungspolitischen Sprecher der BayernSPD-Landtagsfraktion, Andreas Lotte, über den angespannten Landshuter Wohnungsmarkt zu diskutieren.
Zur Einführung in das Fachgespräch, zu dem Peter Litvai einige Exemplare seiner eindrucksvollen Ausstellung „My Home is My Castle“ in seiner Galerie präsentierte, nennt Ruth Müller konkrete Fakten zum Wohnungsbau in der Region Landshut.
Im Landkreis Landshut sind in den vergangenen zehn Jahren gerade einmal 5.162 Quadratmeter neuer Mietwohnraum entstanden, in der Stadt Landshut waren es sogar nur 2.674 Quadratmeter. Bemerkenswert hierbei sei, dass circa die Hälfte des neuen Mietwohnraums in der Stadt im vergangenen Jahr aufgrund des „Jahres des Wohnungsbaus“ entstanden sind. In den Jahren 2010 bis 2013 wurde buchstäblich kein einziger Quadratmeter an Mietwohnraum neu geschaffen und im Jahr 2014 lediglich 163 Quadratmeter hinzugekommen sind. „Anhand dieser Zahlen kann sich jeder ausrechnen, wie viele Wohnungen das sind“, so Müller.
Durch Inanspruchnahme der Mittel aus dem Bayerischen Wohnungsbauprogramm wurden in den vergangenen zehn Jahren im Landkreis Landshut insgesamt 8.616 Quadratmeter neue Eigentumswohnfläche geschaffen, in der Stadt beträgt die Fläche 12.121 Quadratmeter. Stellt man diese Zahlen dem prognostizierten Bedarf in den kommenden fünf Jahren gegenüber, wird ein eklatanter Mangel an neuem Wohnraum sichtbar. Josef Biersack, Vorsitzender des Mietervereins Landshut erklärt, Landshut befände sich auf dem bisher höchsten Bevölkerungsstand und wird in den nächsten Jahren nach einer vorsichtigen Schätzung der IG B.A.U in etwa 3050 neue Wohnungen benötigen – Flüchtlinge wurden hierbei noch gar nicht mit eingerechnet. Eine Bedarfsanalyse von offizieller Seite wäre nicht vorhanden. Nimmt man nun die Gesamtfläche des in den letzten zehn Jahren entstandenen Miet- und Eigentumswohnraums (denn Haushalte, die ein eigenes Haus bauen, machen nach Angabe der Staatsregierung in der Regel eine Mietwohnung frei), erhält man eine Gesamtfläche von 28.573 Quadratmetern. Selbst wenn man pauschal mit Wohnungen in der Größenordnung von 50 Quadratmetern rechnet, ergeben sich hieraus gerade einmal 571 Wohnungen, die in einem Zeitraum von zehn Jahren entstanden sind. Anhand dieser Gegenüberstellung wird der dringende Bedarf an neuem Wohnraum deutlich sichtbar.
Dabei wird das Mietpreisniveau noch gar nicht berücksichtigt. „Handlungsbedarf ist also dringend geboten“ so Ruth Müller. Patricia Steinberger bringt die Problematik auf den Punkt: „Der akute Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist schon lange nicht mehr alleiniges Problem der wirtschaftlich Schwächsten. Der Wohnungsdruck ist mittlerweile auch in der Mittelschicht bei den Akademikern, Beamten und Fachkräften angekommen.“ Dass der Mangel an bezahlbarem Wohnraum auch Tür und Tor für skrupellose Geschäftemacher öffnet, erklärt Andreas Lotte: „Bruchbuden kann man nur vermieten, wenn der Wohndruck groß ist. Im Verhältnis Miete zu Gehalt befinden sich drei der teuersten Städte Deutschlands in Bayern.“ Die eklatanten Missstände ziehen sich also durch Gesamtbayern.
Lotte zitiert die Aussage von Staatsminister Herrmann, wonach von 70.000 benötigten Wohnungen pro Jahr gerade einmal 50.000 realisiert werden. Von diesen Neubauten sind außerdem längst nicht alle erschwinglich – dazu ist der Bau von Luxuswohnungen nach wie vor zu attraktiv. Die Konsequenz ist der Zuzug in die Randgebiete größerer Metropolen wie München, um dem akuten Wohnungsdruck zu entkommen – was sich jedoch wiederrum durch steigende Mieten in diesen Gebieten, wozu auch Landshut gehört, bemerkbar macht.
Bei dem Stichwort „bezahlbares Wohnen“ geht es bei Weitem nicht nur um den Bau von Sozialwohnungen, da diese nur für eine bestimmte Zielgruppe vorgesehen sind. „Bezahlbarer Wohnraum in ausreichender Menge muss für alle geschaffen werden – für die Studenten ebenso wie für die Alleinstehenden und Familien“, so Müller.
Außerdem müsse bei der Bauplanung bereits Weitsicht bewiesen und auch den Bedürfnissen der älteren Bevölkerung Rechnung getragen werden. Der barrierefreie Bau von Wohnungen dürfe daher nicht vernachlässigt werden, so Josef Biersack.
Doch wie kommt man dem Ziel „bezahlbarer Wohnraum“ ein Stück näher? Nachdem die Gründung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft im Landshuter Stadtrat abgelehnt wurde, sei Landshut laut Stadtrat Robert Gewies die einzige kreisfreie Stadt in Niederbayern, die keine eigene Wohnungsbaugesellschaft hat. Die Diskussionsteilnehmer vertreten die geschlossene Meinung, dass ein gemeinsames Bündnis aus Stadt, Verbänden, Wirtschaft und Politik die größte Chance hat, etwas an der angespannten Situation zu ändern. Zu den Debatten im Stadtrat äußert sich Patricia Steinberger kritisch: „Man sollte angesichts eines so bedeutenden Themas viel mehr die sachpolitische Auseinandersetzung suchen, anstatt die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum zum Opfer parteipolitischer Gefechte werden zu lassen.“