Text: Landshuter Zeitung vom 30.8.2018 - Siegfried RüdenauerDie ehemalige Bauministerin Barbara Hendricks lobt die Vilsbiburger in höchsten Tönen
Vilsbiburg. Immer mehr Menschen machen sich Sorgen, ob sie sich auch künftig ihre Mieten leisten können. In Vilsbiburg scheint das Problem nicht so gravierend zu sein. Das liegt nicht zuletzt an der Baugenossenschaft Vilsbiburg, der Barbara Hendricks gestern ein dickes Lob ausgesprochen hat. Die ehemalige Bundesbauministerin lobte die hiesige Genossenschaft bei ihrem Besuch als Vorzeigeprojekt.
Hendricks, die auf Einladung der Vilsbiburger SPD und der Landtagsabgeordneten Ruth Müller zu Besuch war, verteilte natürlich nicht nur Lob für Genossenschaften im Allgemeinen und die Vilsbiburger im Besonderen. Die Rheinländerin hatte auch Forderungen im Gepäck. Sie rief zum Beispiel dazu auf, die Preisbindungsfrist für Mieten bundeseinheitlich zu regeln. Lange Fristen seien übrigens nicht nur für Mieter wichtig, sie kämen auch den Investoren zupass, schließlich wolle jeder, der investiere, Planungssicherheit. Die Frist für die Mietpreisbindung sollte Hendricks’ zufolge bei 20 bis 30 Jahren liegen. Weniger sollten es nicht sein, denn: „Ein Privater hält sich nicht mehr daran, wenn die Bindung einmal weggefallen ist.“
„Bayern braucht mehr sozialen Wohnungsbau“
Außerdem würde die ehemalige Ministerin die acht am liebesten mit der vier tauschen. Acht steht für acht Prozent, die Vermieter künftig auf die Mieten umschlagen können sollen, wenn sie eine Wohnung sanieren. „Aber acht Prozent sind auch noch zu hoch.“ Auch der soziale Wohnungsbau in Bayern müsse zulegen. In Hamburg und Nordrhein-Westfalen etwa würde in derlei Hinsicht „erheblich mehr“ unternommen. Hendricks erinnerte daran, dass die insgesamt angespannte Wohnsituation Gründe hat. „Viele Jahre lang haben wir sowohl aus der Bauwirtschaft als auch aus der Wissenschaft ganz andere Prognosen erhalten.“ Noch vor zwölf, 15 Jahren habe es geheißen: „Deutschland ist zu Ende gebaut.“ Umso länger dauere es jetzt, die Situation wieder zu ändern. Besonders gut ist Hendricks auf das Thema Nachverdichtung zu sprechen. Mit diesem Instrument wollte sie auch als Ministerin Spielräume für den Wohnungsbau schaffen. Teppichstangen, die kein Mensch mehr brauche, könnten weg, sagte sie schmunzelnd. Allerdings müsse man die Bewohner in die jeweiligen Vorhaben einbeziehen. „Dann kann das in vielen Siedlungen klappen.“ Gute Beispiele für Nachverdichtung gebe es inzwischen. Klar sei jedenfalls: „Niemand hat auf Dauer seinen Blick aus dem Haus mitgekauft.“ Nachverdichtet wird übrigens auch an den aktuellen Baustellen der Genossenschaft an der Karlsbader und der Schweidnitzer Straße. Aus den acht Wohnungen, die es dort bisher gab, entstehen mit den Neubauten insgesamt elf Wohnungen. Genossenschafts-Geschäftsführer Werner Buchner sagte im VZ-Gespräch, dass es auch mehr hätten sein können. „Wir sind noch lange nicht an den baurechtlichen Grenzen.“ Aber das Gelände habe natürlich kein Genosse zubauen wollen, schließlich sollten sich die Bewohner wohlfühlen. Buchners Einschätzung: „Ein privater Investor hätte wohl mehr hingebaut.“ Über die sozialpolitische Bedeutung des genossenschaftlichen Bauens und damit verbundene Probleme sprach Buchner ebenfalls. Es sei beispielsweise nicht leicht, zahlungskräftige Mieter zu halten und damit eine „sozial ausgewogene Mieterstruktur“ zu erhalten. So sozial eine Genossenschaft tickt, so wirtschaftlich muss sie auch arbeiten. Das gilt fürs Neubauen wie fürs Sanieren. Werner Buchner betont, dass die Mieten immer unter dem lägen, was auf dem freien Wohnungsmarkt fällig wird. Unterm Strich steht Vilsbiburg nicht zuletzt dank der Baugenossenschaft sozial gut da, fanden die Teilnehmer des morgendlichen Treffens. Ruth Müller, die im Wahlkampfmodus mit einem Bus durch die Gegend tourt, findet, dass es überall in Bayern so sein soll. Auf ihrem Bus steht denn auch der Satz: „Wohnen muss bezahlbar bleiben.“
Kurz vor dem Zustand der Glückseligkeit
Beim Gespräch in der Geschäftsstelle der Genossenschaft sagte Müller denn auch, dass das Thema Wohnen die Menschen immer umtreibe. Als Glücksfall bezeichnete sie den Umstand, dass es in Vilsbiburg nie GBW-Wohnungen gegeben habe. Nach dem Verkauf dieser staatseigenen Wohnungen entfiel deren Preisbindung. Zweiter Bürgermeister Johann Sarcher interpretierte die Sache augenzwinkernd so: „Wir leben hier zwar nicht auf einer Insel der Glückseligkeit, aber Vilsbiburg ist manch anderen weit voraus.“ Sarcher sprach außerdem vom Stolz der Vilsbiburger über ihre Genossenschaft, deren Arbeit nicht hoch genug bewertet werden könne. Geschäftsführer Buchner wiederum dankte Sarcher, dass die Stadt stets ein offenes Ohr habe.