Text: Landshuter Zeitung vom 28.1./ Christina WernerMalteser rufen ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst ins Leben
Wenn ein Kind oder Jugendlicher unheilbar erkrankt, ist plötzlich nichts mehr, wie es war. Die Diagnose ändert alles: Lebensalltag, Lebensperspektiven und Lebenssinn. Um Familien mit unheilbar kranken Kindern unterstützen zu können, haben die Malteser Landshut den ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Niederbayern ins Leben gerufen. Die Ausbildung der ehrenamtlichen Helfer hat vergangenes Wochenende begonnen. Ab September soll der Dienst seine Arbeit im Raum Landshut aufnehmen.
Insgesamt 16 Ehrenamtliche haben am vergangenen Wochenende ihre Ausbildung zum Kinder- und Jugendhospizhelfer begonnen. Bei der Schulung werden die Hospizhelfer hinsichtlich Körpersprache, im Umgang mit Problemen, aber auch mit Grundlagen der Entwicklungspsychologie auf ihre Arbeit vorbereitet. Auch die Themen Sterbehilfe, rechtliche und organisatorische Fragen rund um das Thema Sterben, Tod und Trauen gehören zur Ausbildung.
„Oft orientiert sich der Rhythmus des Familienlebens an den sterbenden Kindern“, sagt Diözesanoberin der Malteser, Adelheid Freifrau von Gemming-Hornburg. Genau an dieser Stelle kommen die Kinderhospizhelfer zum Einsatz, die die ganze Familie in dieser schweren Zeit unterstützen. Das Betreuungsspektrum der Kinderhospizbegleiter sei dabei vielschichtig. Ganz egal, ob es um einen Familieneinkauf oder einen Kinobesuch mit einem Geschwisterkind gehe, im Mittelpunkt der Arbeit stehe immer das Ziel, die Familie zu entlasten. Angst, dass die Hospizhelfer die Pflege der kranken Kinder übernehmen müssen, brauche man nicht zu haben: „Unsere Hospizhelfer werden für die Arbeit im psychosozialen Bereich geschult, die pflegerischen Aufgaben übernehmen selbstverständlich Experten“, sagt Nora Halbach, Koordinatorin des ambulanten Kinder- und Hospizdienstes Landshut.
Hospizarbeit ist zum Glück kein Tabuthema mehr: Diese Erfahrung hat die Schirmherrin des Malteser-Projekts, Ruth Müller, gemacht. „Als vor Jahren die Idee aufkam, dass ein Hospiz in Landshut entstehen könnte, war der Aufschrei in der Bevölkerung groß.“ Anwohner gingen auf die Barrikaden, weil sie nicht wollten, dass jeden Tag ein Leichenwagen an ihrem Haus vorbeifahren könnte. Somit war es nicht möglich das Hospiz in Landshut zu errichten. „Wir haben aber dann mit Vilsbiburg einen anderen Standort gefunden“, sagt Müller. Durch die großartige Aufklärungsarbeit der Hospizvereine in Landshut und Vilsbiburg sei das Thema Sterben mehr in das Bewusstsein der Menschen gerückt. „Dass jetzt ein ambulanter Kinder- und Jugendhospizdienst in Landshut etabliert wird, ist deshalb auch ein zusätzlicher Schritt in die richtige Richtung.“
Da es in ganz Bayern nur ein stationäres Kinderhospiz in Bad Grönenbach gibt, kann eine umfassende Hospizarbeit nur mit einem ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst als zusätzlichem Baustein vervollständigt werden. „Wir sind wirklich froh, dass es bald einen Kinder- und Jugendhospizdienst in Landshut geben wird “, sagt Dr. Simone Kanz, ärztliche Leitung des Palliativteams im Kinderkrankenhaus St. Marien. Durch die Zusammenarbeit des Kinderkrankenhauses mit dem Kinder- und Jugendhospizdienst könne bald eine umfassende Versorgung von Familien in der Region Landshut geschaffen werden.
24 Monate haben die Malteser Landshut mit dem Gedanken, einen Kinder- und Jugendhospizdienst in Landshut zu gründen, gespielt. Jetzt ist die Planung in der Endphase. Geschäftsführer Rainer Zollitsch ist zuversichtlich: „Es läuft alles, und wir freuen uns, wenn unsere Kinder- und Jugendhospizhelfer noch in diesem Jahr ihre Arbeit in den Familien aufnehmen können.“
Bildunterschrift: MdL und Schirmherrin Ruth Müller und Diözesanoberin Adelheid Freifrau von Gemming-Hornburg