SPD Adlkofen

Eh­ren­amt­li­cher Voll­zeit­job

Veröffentlicht am 08.11.2017 in Wahlkreis

Land­tags­ab­geord­ne­te Ruth Mül­ler be­such­te Vils­bi­bur­ger Feu­er­wa­che

Vilsbiburg. Seit 1869 hilft die Freiwillige Feuerwehr Vilsbiburg den Bürgern der Stadt im Notfall. Das beansprucht viel Zeit und ehrenamtlichen Einsatz. Landtagsabgeordnete Ruth Müller machte sich bei einem Besuch ein Bild von der aktuellen Lage: „Unsere 42 SPD-Landtagsabgeordneten informieren sich in diesen Wochen über die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehren in ganz Bayern. So will man erfahren, wo der Schuh drückt und welche Verbesserungen nötig sind.“

Der zweite Kommandant Wolfgang Metz stellte die Feuerwehr Vilsbiburg und all ihre Tätigkeitsbereiche mit aktuellen Zahlen vor. Zweite Vorsitzende Bettina Lipp, Kreisbrandinspektor Rudolf Englbrecht und Kreisbrandmeister Franz Saxstetter informierten ebenfalls über die Lage. Auch Bürgermeister Helmut Haider und sein Stellvertreter Hans Sarcher hatten sich im Feuerwehrhaus eingefunden, was die gute kommunale Zusammenarbeit bewies.

Die Aufgaben und Einsätze der Feuerwehr Vilsbiburg sind sehr unterschiedlich, erläuterte der zweite Kommandant Wolfgang Metz. Die Feuerwache hat sieben Einsatzfahrzeuge und zählt somit zu einer der größten im Landkreis Landshut. Derzeit hat die Vilsbiburger Feuerwehr 75 aktive Mitglieder – darunter sechs Frauen. Auch eine Jugendfeuerwehr gibt es in Vilsbiburg. Dazu zählen derzeit acht Aktive.

„Mit den zahlreichen Mitgliedern meistert die Vilsbiburger Feuerwehr jährlich zwischen 115 und 150 Einsätze. In diesem Jahr wurde sie zu bisher 96 Einsätzen alarmiert, wovon bei 60 Einsätzen technische Hilfeleistung gefordert wurde, in 34 Fällen brannte es und zwei Mal dienten die Feuerwehrmänner als Sicherheitsdienst. Zusammen ergeben sich daraus in diesem Jahr bereits 1368 Einsatzstunden“, erläutert Metz. „Also fast so viele Stunden wie ein Mann in einem Vollzeitjob beschäftigt ist“, stellt Landtagsabgeordnete Ruth Müller fest. „Auf das ganze Jahr gesehen ist man als Feuerwehrmann quasi jeden dritten Tag gefordert und muss 24 Stunden an sieben Tagen alarmbereit sein, um im Ernstfall innerhalb von zehn Minuten zur Stelle zu sein“, fügt Kreisbrandmeister Franz Saxstetter hinzu. Auch zu zahlreichen überörtlichen Einsätzen rückt die Feuerwehr aus. „Es ist enorm, was die freiwilligen Feuerwehrler hier übers Jahr leisten“, sagt Bürgermeister Helmut Haider.

Neben dem hohen Zeitaufwand des Ehrenamts gibt es bei der Vilsbiburger Feuerwehr jedoch schwerwiegendere Probleme. Dazu zählt unter anderem die immer höher werdende bürokratische Belastung, die die Feuerwehrmänner meistern müssen. Metz erklärte, dass die Verwaltungsarbeiten immer mehr werden, da alle Einsätze immer dokumentiert werden müssen, Buch geführt werden müsse und auch Einsatzberichte geschrieben werden müssen. Vor allem der Gerätewart habe es schwer: „Das ist ein Knochenjob“, so Metz. „Er muss Geräte überprüfen, Batteriestände ablesen, Leuchten kontrollieren, Säuremessungen durchführen, Faltbehälter überprüfen und noch vieles mehr.“ „Neben all dem müssen auch noch die Übungen vorbereitet werden“, merkte Zweiter Bürgermeister Hans Sarcher an.

„An den staatlichen Feuerwehrschulen sind die Plätze begrenzt und die Lehrkräfte fehlen“, kritisierte Metz. „Oft werden die gewünschten Lehrgänge auch nicht angeboten“, ergänzte Saxstetter. „Wir würden gerne Leute aus der Mannschaft an spezielle Schulen schicken, um sie zu motivieren und ihnen einmal etwas anderes zu zeigen, aber es ist so leider nicht möglich“, sagt Metz. Besonders bei den Führungslehrgängen sei der Bedarf hoch und es sei die Aufgabe der Politiker, mehr Plätze bereitzustellen, so Metz.

Der Erhalt der „Atemschutzträgertauglichkeit“ erweise sich als äußerst schwierig, da die Auflagen des Staats sehr streng seien. Um diese Tauglichkeit aufrecht zu erhalten, gelten die gleichen Regeln wie bei einer Berufsfeuerwehr. „Es sollte sogar Dienstsport betrieben werden, was bei einem Ehrenamt sehr ungewöhnlich ist“, erklärte Metz. „Zum anderen würden viel mehr Atemschutzträger benötigt werden, da diese jedoch einen 14-tägigen Lehrgang absolvieren müssen, ist dies oft nicht einfach.“

„Die Feuerwehr scheint immer mehr ,Mädchen für Alles’ zu sein. Oft werden wir zu artfremden Einsätzen gerufen, die nichts mehr mit der ursprünglichen Aufgabe, dem Retten von Menschenleben, zu tun haben“, so Metz. „Beispielsweise das Öffnen von Türen, was früher Schreiner übernommen haben, oder der Sicherheitsdienst bei Prozessionen sind solche artfremden Einsätze.“ „Solche Einsätze sind schlecht für die Motivation, vor allem dann, wenn nachts mehrere Fahrzeuge zu einem artfremden Einsatz anrücken, jedoch nur zwei oder drei Mann gebraucht werden“, merkte Saxstetter an.

Trotz der Schwierigkeiten habe die Vilsbiburger Feuerwehr eine hohe Tagesalarmsicherheit. „Wir sind in der Nacht genauso gut aufgestellt wie tagsüber“, sagt Metz. „Das funktioniert besonders aufgrund der Kooperation der Firmen, die es ihren Mitarbeitern erlauben, ihren Arbeitsplatz für Einsätze zu verlassen, so gut.“

„Die gute Zusammenarbeit zwischen Kommune und Feuerwehr ist besonders wichtig“, betonte Müller. Zweiter Bürgermeister Hans Sarcher, der Vorsitzender der Feuerwehr ist, konnte dies nur bestätigen. „Hier in Vilsbiburg scheint es ein gutes Sprachrohr zwischen Kommune und Feuerwehr zu geben“, so Müller. Bürgermeister Haider fügte hinzu: „Die Zusammenarbeit funktioniert bestens. Bisher wurde vom Stadtrat alles genehmigt, was von der Feuerwehr gebraucht wurde. Die Sanierung des nicht mehr zeitgemäßen Feuerwehrhauses musste aufgrund der finanziellen Lage bisher noch geschoben werden, steht aber demnächst an.“

Text: Vilsbiburger Zeitung, Milena Gassner

Homepage Ruth Müller