SPD Adlkofen

"Du sollst nicht falsch Zeugnis reden"

Veröffentlicht am 07.02.2020 in Allgemein

Ruth Müller eröffnet Kanzelreden in der evangelischen Kirche – Klaviermusik und Gesang

Neufahrn. Für die evangelische Kirchengemeinde ist heuer ein Jubiläumsjahr. Sie feiert das 70-jährige Bestehen der Friedenskirche in Neufahrn und das 50-jährige Bestehen der Versöhnungskirche in Ergoldsbach. Das Programm der Jubiläumsfeierlichkeiten umfasst sechs Kanzelreden. Den Auftakt machte am Samstag die Politikerin Ruth Müller. Für den passenden musikalischen Rahmen sorgte Melanie Rose von der Musikschule Summer aus Ergoldsbach.

Pfarrer Jörg Gemkow ging in seiner Einführung auf des Thema der Kanzelreden „Was ist Wahrheit?“ ein, mit dem zugleich die Losung für das Jahr 2020 aufgenommen wird. Was Wahrheit ist, sei schwierig zu erkennen, solange es sich nicht um wissenschaftlich nachweisbare Fakten handle, sagte Gemkow.

Jeder Mensch lügt mehrmals am Tag

Müller ist Synodale in der Landeskirche. Sie beleuchtete das Thema sowohl aus der Sicht der zehn Gebote als auch aus der Sicht der Politik. Kernpunkt ihrer Rede war das achte Gebot, das in evangelischer Fassung lautet: „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“ An den Anfang stellte sie die Fangfrage: „Hören Sie mir alle gerne zu?“. Aus Höflichkeit würde bei Antworten auf solche Fragen nämlich gerne gelogen, meinte sie. Es sei bekannt, dass jeder Mensch mehrmals am Tag lüge. Die Gründe dafür seien sehr unterschiedlich und nicht jeder vertrage die unverblümte Wahrheit. Wie wichtig sie für jemanden sei, hänge eng mit den anerzogenen Wertevorstellungen zusammen, so die Referentin. Sie stellte die Frage, ob Wahrheit eine Sache des Glaubens oder der Fakten sei. Manchmal könnten Fakten nicht nachvollzogen werden, dann müsse man sich bemühen, Zusammenhänge zu erkennen, lautete ihre Antwort. Grundsätzlich gebe es nicht nur die eine Wahrheit. Sie sei immer nur in Abstimmung mit der Wahrnehmung anderer zu finden.

Ziele sind keine Versprechen

Müller gab einige Beispiele dafür, wie falsche Wahrheiten getarnt werden. Sie werden häufig ausgegeben als Ansicht der Mehrheit. Oft verbergen sich vermeintliche Fakten in einer detaillierten Präsentation. Vor allem im Internet werden gezielt falsche Tatsachen, sogenannte „Fake News“, verbreitet, um anderen zu schaden oder den eigenen Gewinn zu erhöhen. Die Politikerin ging auch der Frage nach, warum ihre Zunft in Bezug auf Wahrheit ein so schlechtes Image hat.

Einer der Gründe sei, dass Politiker, wie in der gegenwärtigen Wahlkampf üblich, Ziele benennen, erklärte Müller. Viele Bürger verstünden diese aber als Versprechen. Wenn sie nicht eingehalten werden, habe dies meist nichts mit Lüge zu tun, weil in einer Demokratie Beschlüsse von Mehrheiten getragen werden müssen und nicht wie in einer Diktatur der Wille Einzelner zähle.

Hoch zu schätzen seien für eine funktionierende Demokratie Journalisten, die sich der Wahrheit verpflichtet fühlen und Missstände offen aufdecken, gab Müller zu verstehen. In politischen Systemen, die auf Lügen basieren, werden sie meist verfolgt. Den Vers aus dem Johannes-Evangelium: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ bezeichnete sie als einen Auftrag und eine Aufgabe. Daraus leitete sie den Ratschlag für die Zuhörer ab: „Gehen Sie der Wahrheit nie aus dem Weg. Suchen Sie sie und schätzen Sie die Menschen, die sie Ihnen sagen.“

Musikalisch umrahmte Melanie Rose mit dem Piano und ihrer klangvollen Stimme die in drei Abschnitten vorgetragene Rede. Gespielt wurde Robert Schumanns Werk: „Von fremden Ländern und Menschen“ und die Eigenkomposition „Feelings“. Mit Klavierbegleitung sang die Musikerin die Lieder: „The closest thing to crazy“ und „What a wonderful world“.

Nach der Kanzelrede bestand bei einem Sektempfang die Möglichkeit, miteinander über die Bedeutung der Wahrheit ins Gespräch zu kommen.

Text: Theresa Winderl - Rottenburger Anzeiger

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