
Die Diskussionsteilnehmer der Veranstaltung im Senatssaal des Bayerischen Landtags
Ausbau von Hospizen und Palliativversorgung - Mehr Einrichtungen vor allem auf dem Land notwendig - Fachgespräch im Landtag mit niederbayerischer Besetzung

Ausbau von Hospizen und Palliativversorgung - Mehr Einrichtungen vor allem auf dem Land notwendig - Fachgespräch im Landtag mit niederbayerischer Besetzung
Die SPD-Landtagsfraktion spricht sich für eine bessere Versorgung für sterbender Menschen aus. Bei dem Fachgespräch „In Würde leben – in Würde sterben“ im Bayerischen Landtag warnte die Kirchen- und Gesundheitspolitikerin Kathi Petersen davor, die Nöte todkranker Menschen als Privatsache zu sehen. „Wenn ältere Menschen vorwiegend als Kostenfaktor betrachtet werden – siehe die Diskussion über Renten und über das Gesundheitswesen – ist es nicht weit bis zum ´sozialverträglichen Frühableben´. Sollen ältere und kranke Menschen sich dafür rechtfertigen müssen, dass sie noch leben wollen? Was sind uns ältere Menschen wert? Diese Fragen müssen politisch und gesellschaftlich beantwortet werden“, erklärte Petersen, die für die SPD-Landtagsfraktion ein Grundlagenpapier verfasst hat.
Bei der Diskussionsrunde waren auch Christina Flauder, Mitglied des Ethikausschusses der Evangelischen Landessynode aus Kulmbach und aus Niederbayern Dr. Elfriede Schießleder, die stellvertretende Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern mit vertreten. „Die Würde des Menschen hänge nicht an seiner Hilfsbedürftigkeit“, machte sie deutlich und sprach sich dagegen aus, das Leben unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit zu betrachten.
Man war sich einig, den bedarfsgerechten Ausbau von Hospizen, ambulanten Hospizdiensten und Palliativstationen voranzubringen – besonders auch auf dem Land. Im Anschluss an die Impulsreferate wechselten die SPD-Politiker aus dem Forum „Kirche und SPD“ von Tisch zu Tisch, um mit den mehr als 160 Gästen im Senatssaal die Diskussion zu vertiefen. Aus Niederbayern war die Pfeffenhausener Landtagsabgeordnete Ruth Müller mit dabei, die in ihrem Dekanat Landshut Präsidin der Synode ist.
Aus den Erfahrungen der Palliativmedizin heraus werde deutlich, dass Sterbende nicht den Wunsch haben, den Tod zu beschleunigen, wenn sie menschlich und medizinisch gut begleitet werden und weitgehend schmerzfrei sind. Deshalb sei es wichtig, hier mehr Finanzmittel bereit zu stellen, so Müller. Man müsse den Focus darauf legen, die Palliativmedizin allen Menschen, egal ob im Krankenhaus, zuhause oder im Seniorenheim zur Verfügung zu stellen.
Auch die Vorsitzende des Ausschusses für Arbeit und Soziales im Deutschen Bundestag, Kerstin Griese, erteilte vor 160 Teilnehmenden im Senatssaal der aktiven Sterbehilfe eine klare Absage: "Wir wollen eine sorgende und solidarische Gesellschaft sein. Deshalb ist in erster Linie der Ausbau der Palliativmedizin und der Hospizarbeit nötig. Die ärztlichen Möglichkeiten, die es schon heute am Ende des Lebens gibt, wollen wir erhalten. Aber Sterbehilfevereine, die als einzigen Ausweg den assistierten Suizid anbieten und das geschäftsmäßig betreiben, lehne ich ab." Bis Ende Juni wollen die Spitzen von SPD und Union einen Gesetzentwurf zur Stärkung der Hospiz- und Palliativversorgung vorlegen und dafür voraussichtlich 200 Millionen Euro bereitstellen.
Terminvorschau:
Am Donnerstag findet um 19.30 Uhr im evangelischen Begegnunszentrum „IRENE“ in Neustadt an der Donau eine Veranstaltung unter dem Motto „Welchen Wert hat Leben?“ mit den beiden SPD-Landtagsabgeordneten Johanna Werner-Muggendorfer und Ruth Müller zusammen mit Vertretern aus Kirche, Medizin und Juristen statt.
Foto v. l. n. r.:
Kathi Petersen, MdL; Christina Flauder (Landessynode); Franz Maget (Vizepräsident Bayerischer Landtag a. D.); Diana Stachowitz, MdL; Kerstin Griese, MdB; Dr. Gertraud Burkert (Bürgermeistern München a. D.); Dr. Elfriede Schießleder (Landeskomitee der Katholiken); Hildegard Kronawitter (MdL a. D.); Ruth Müller, MdL
Homepage Ruth Müller