
Hoher Besuch kam vergangene Woche zum Solarfeld in Oberndorf, um sich vor Ort ein Bild von der Energiewende im Einklang mit der Natur zu machen. Die ehemalige Bundesumweltministerin Barbara Hendricks informierte sich mit den SPD-Landtagsmitgliedern Ruth Müller und Klaus Adelt über die ökologischen Vorteile von Solarfeldern.
Seit sechs Jahren produziert das Solarfeld Oberndorf in der Gemeinde Bodenkirchen regenerativen Strom für etwa 350 Haushalte. Der Geschäftsführer des Solarfeldes, Andreas Engl, zeigte den Besuchern bei einem Rundgang, wie die Fläche zur Energieproduktion genutzt und gleichzeitig auch in die Natur und Landschaft integriert werden kann. Engl nennt es das „Weinberg-Prinzip“, wenn er auf seinem Solarfeld für eine hohe Strukturvielfalt sorgt und so zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum bieten kann. Dieses Prinzip hat sich Engl von den alten Römern abgeschaut, die mit einer möglichst hohen Artenvielfalt anstelle von chemischen Spritzmitteln, dafür sorgten, dass die Schädlinge in den Weinbergen nicht Überhand nehmen konnten.
Bei den regelmäßigen Bestandsaufnahmen der Tiere und Pflanzen konnten Engl und seine Unterstützer bereits mehr als 400 verschiedene Arten nachweisen. Aktuell laufen die Spinnen- und Nachtfalterkartierungen, die bisher mit über 75 bzw. über 100 verschiedenen Arten alle Erwartungen übertroffen haben.
Der kühle Schatten einer Eiche wurde auf halber Strecke um das Solarfeld von den Besuchern als Zwischenstopp für eine energiepolitische Diskussion genutzt. „Wir brauchen mehr Investitionen in Speicher, Netze und E-Mobilität sowie den Ausstieg aus den fossilen Energieträgern, damit die Klimaschutzziele bis 2030 eingehalten werden“, fasste die ehemalige Bundesumweltministerin Hendricks ihre Eindrücke zusammen.
Die Teilnehmer der Führung bemängelten insgesamt ein in ihren Augen zu zurückhaltendes politisches Engagement für eine echte Energiewende. Engl vertrat dabei die Auffassung, dass die Energiewende als Chance für die Gesellschaft und die Natur betrachtet werden sollte und der volkswirtschaftliche Nutzen schon jetzt höher sei als die Kosten über die EEG-Umlage. Mit der Erzeugergemeinschaft für Energie in Bayern, der sich Engl mit seinem Solarfeld angeschlossen hat, wird aktuell an einem digitalen Marktplatz für regionale und regenerative Energie gearbeitet. Mit diesem Schritt soll die Energiewende marktreif werden, damit die Erzeugungsanlagen nicht zurückgebaut werden müssen, wenn die EEG-Umlage ab 2021 ausläuft: „Wenn die Energiewende im Einklang mit der Natur umgesetzt werden kann und sie dann auch noch die günstigste Form der Energieversorgung darstellt, dann kann sie nicht mehr gebremst werden“, ist sich Engl sicher.
Ruth Müller, die sich bereits mehrmals am Solarfeld Oberndorf über die Entwicklung der Artenvielfalt informiert hat, bedankte sich im Anschluss an die Führung bei Andreas Engl für sein Engagement: „Eine dezentrale Energieversorgung durch Solarfelder stärkt die regionale Wirtschaftskraft und steigert die Wertschöpfung im ländlichen Raum“.