Mitglieder des Frauenarbeitskreises besuchten auf ihrer Infotour das Haus der Familie in Schweinfurt
Schweinfurt. Der Frauenarbeitskreis in der SPD-Landtagsfraktion will bei den Haushaltsberatungen nach der Sommerpause den Druck bei den Themen erhöhen, die die Ungleichbehandlung von Frauen betreffen. Aus diesem Grund sin die Vorsitzenden des Arbeitskreises, Simone Strohmayr aus Augsburg und Ruth Müller aus Landshut, für eine Woche im Freistaat unterwegs. Auf Einladung ihrer Kollegin Kathi Petersen besuchten sie in Schweinfurt das Haus der Familie.
Susanne Decker von der Koordinierenden Kinderschutzstelle (KoKi) und Eva Friedrich, stellvertretende Jugendamtsleiterin, führten durchs Haus und sprachen die sehr gute Zusammenarbeit zwischen den Einrichtungen an, die im umgebauten Zeughaus untergebracht sind.
Wir arbeiten Hand in Hand
Frauen, die ihre kleinen Kinder stundenweise im FiZ, dem Begegnungsort für Kinder, lassen, sehen, dass es hier auch eine Tagesmutter-Vermittlung, eine Erziehungsberatungsstelle, eine Hebammensprechstunde, einen Familienstützpunkt oder eben die KoKi gibt – jene Stelle, die werdende und junge Eltern begleitet, die Unterstützung brauchen. „Wir arbeiten Hand in Hand“, betonte Susanne Decker.
Nach dem Rundgang durch die schönen Räume im alten Zeughaus tauschten sich die Frauen über die vielen nicht gelösten Probleme aus. Strohmayr nannte Vereinbarkeit von Familien und Beruf, Gleichstellung von Frauen auch beim Verdienst und das Thema Gewalt. Bei den Haushaltsberatungen im Landtag will die SPD mehr Geld für die Frauenhäuser fordern. Derzeit gebe der Freistaat den Einrichtungen im Durchschnitt 25 000 Euro pro Jahr. „Das ist gar nichts“, sagte Strohmayr. Frauenhäuser seien nicht nur eine kommunale, sondern auch eine staatliche Aufgabe, ergänzte Petersen.
Eine heftige Debatte erwarten die drei Abgeordneten über das Betreuungsgeld, das das Bundesverfassungsgericht in dieser Form bekanntlich als verfassungswidrig eingestuft hat. Die bayerische Staatsregierung wolle es nun zahlen, sagte Strohmayr. Rund 180 Millionen Euro im Jahr für etwas, das falsche Anreize schaffe. Das Geld sollte lieber in gut funktionierende Einrichtungen zur Kinderbetreuung fließen.
Sehr viele Fragen sind nach wie vor offen beim Thema „Hilfe für Flüchtlingsfrauen“. Viele erleben nicht nur zu Hause, sondern auch auf der Flucht Dramatisches, werden vergewaltigt, bräuchten in Deutschland intensive Hilfe. Eva Friedrich nannte die Beratungsstellen in den Erstaufnahmeeinrichtungen. Susanne Decker betonte, die niederschwelligen Angebote von KoKi wären für traumatisierte Frauen nicht ausreichend. Sie erinnerte an die Begrüßungsbesuche bei allen Babys, die in Schweinfurt geboren werden – auch in den Flüchtlingsunterkünften. Bei diesem ersten Gespräch (wenn nötig mit Dolmetscher) informiert KoKi über alle Angebote in der Stadt.
Ein Thema des Treffens waren auch die minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge. Allein am vergangenen Wochenende bekam Schweinfurt 14 dieser jungen Menschen zugewiesen. Derzeit wird die dringend notwendige Inobhutnahme-Stelle aufgebaut, in der die jungen Flüchtlinge erst einmal unterkommen, bevor sie dauerhaft in einer Einrichtung leben können. Auch hier fehlt es an Plätzen. „Das Jugendamt arbeitet intensiv daran“, betonte Eva Friedrich. Wie alle bayerischen Städte hofft man auch in Schweinfurt auf eine bundesweite Verteilung, um die Situation zu entschärfen.
Text: Katharina Winterhalter