SPD Adlkofen

Ausstellungseröffnung "Gemeinsam Gehen" in Achdorf

Veröffentlicht am 11.07.2015 in Gesundheit

Rede von MdL Ruth Müller anlässlich der Ausstellungseröffnung im Krankenhaus Landshut-Achdorf

Ist das eigentlich ein Grund zu feiern, wenn eine Abteilung, in der schwerkranke Menschen behandelt werden, ihr 10jähriges Bestehen feiert? Auf den ersten Blick sicher nicht. Aber auf den zweiten Blick schon, denn in den zehn Jahren der Palliativmedizin konnte so auch der Weg bereitet werden für das erste Hospiz Niederbayerns, das im Jahr 2012 in unserem Landkreis eröffnet werden konnte. Und in diesen zehn Jahren konnte schwerstkranke Patienten und sterbende Menschen in einem Umfeld betreut und versorgt werden, das sich wohl jeder von uns für sich und seine Angehörigen am Lebensende wünscht.

LAKUMED hat hier frühzeitig die Zeichen der Zeit erkannt, wenn man bedenkt, dass es in Bayern bisher nur 45 Palliativstationen an Krankenhäusern gibt und 17 stationäre Hospize. Das letzte hat erst am vergangenen Wochenende im Landkreis Deggendorf eröffnet – somit gibt es in Niederbayern zwei Hospize für 1,2 Millionen Einwohner.

Die Hospizbewegung, die 1967 in London ihren Anfang nahm, will Menschen auf ihrem Weg in den Tod begleiten. Den letzten Weg so lange wie möglich gemeinsam zu gehen, das ist es, was diese Ausstellung vermitteln möchte, die das Bayerische Gesundheitsministerium konzipiert hat. Als humane Gesellschaft ist es unser Auftrag, dass der letzte Weg durch Nähe, Verständnis und durch Zuwendung leichter wird. Rund 6.600 ehrenamtliche Hospizbegleiter gibt es in Bayern und sie leisten einen wertvollen Dienst.

Aus den Erfahrungen der Palliativmedizin heraus wird deutlich, dass Sterbende nicht den Wunsch haben, den Tod zu beschleunigen, wenn sie menschlich und medizinisch gut begleitet werden und weitgehend schmerzfrei sind.

Sehr geehrte Damen und Herren,

wenn ältere oder kranke Menschen vorwiegend als Kostenfaktor betrachtet werden, ist es nicht weit bis zum ´sozialverträglichen Frühableben´. Sollen ältere und kranke Menschen sich dafür rechtfertigen müssen, dass sie noch leben wollen? Was sind uns ältere Menschen wert? Diese Fragen müssen politisch und gesellschaftlich beantwortet werden. Insbesondere vor dem Hintergrund unserer deutschen Geschichte, der wir in dieser Debatte nicht entfliehen können.

Erst vergangene Woche hat der Deutsche Bundestag über die Neuregelung der Sterbehilfe diskutiert. Die Debatte wurde im vergangenen Herbst eröffnet und zwar in einer besonderen Art und Weise: Nicht im Eilverfahren und nicht im Fraktionszwang soll entschieden werden, wie wir es in Deutschland in Zukunft mit der Frage „Leben dürfen – Leben müssen?“ halten. Fünf Gruppenanträge liegen vor, die den Ärzten mehr Freiräume geben möchten, die Sterbehilfevereine zulassen wollen oder die dafür eintreten, dass die Palliativmedizin und Hospize gestärkt werden und nicht der „Todescocktail“ am Lebensende der Ausweg sein soll.

Ein erster Erfolg dieser Diskussion ist es, dass im Entwurf des neuen Hospiz- und Palliativ-Gesetzes 200 Millionen Euro zur Stärkung dieser Einrichtung zur Verfügung gestellt werden sollen. Und dass die Hospize künftig 95% der zuschussfähigen Kosten erstattet bekommen sollen. Aber es ist auch wichtig, dass in den Pflegeheimen Hospizarbeit gestärkt werden soll, damit es nicht zu einem Sterben 1. und 2. Klasse kommt, wie es die Altenheimseelsorgerin des Dekanats Landshut, Frau Pfarrerin Lubomierski einmal formuliert hat.

Ich freue mich, dass die Ausstellung „Gemeinsam Gehen“ in den nächsten Wochen auch in unserer Region Landshut zu sehen ist und begleitend zu der Diskussion auf der politischen Ebene jeden einlädt, sich persönlich mit diesem Thema zu beschäftigen.

Ich bedanke mich bei Frau Dr. Flieser-Hartl und Herrn Butz für die spontane Zusage, die Türen des Achdorfer Hauses für die Ausstellung zu öffnen und bei Herrn Landrat Peter Dreier für die unkomplizierte Terminabstimmung für den heutigen Abend. Ein besonderer Dank gilt auch meiner Mitarbeiterin Sigrid Altweck, die meine Idee, die Ausstellung nach Landshut zu holen, dann auch in Zusammenarbeit mit LAKUMED organisiert hat.

Und es freut mich ganz besonders, dass einer der prominentesten Sterbehilfegegner, der ehemalige Vizekanzler Franz Müntefering heute bei uns zu Gast ist. Franz, Du hast Dich aktiv in die Diskussion eingebracht und gefordert, den „Mut zum Leben zu stärken“. Vielen Dank, dass Du Dir heute Zeit genommen hast, unsere Ausstellungseröffnung zu bereichern.

 

Homepage Ruth Müller