SPD Adlkofen

Arm, alt, weiblich

Veröffentlicht am 02.01.2016 in Gleichstellung

Frauen haben im Freistaat bei der Rente das Nachsehen

 

Von Altersarmut sind in Bayern vor allem Frauen betroffen. Das zeigen aktuelle Zahlen zur Rentenhöhe, die die Staatsregierung auf eine Anfrage der SPD-Landtagsabgeordneten Ruth Müller herausgegeben hat. Demnach erhalten Männer im Freistaat aus eigenem Verdienst im Schnitt eine Rente von 1003 Euro pro Monat, bei Frauen sind es lediglich 569 Euro. Die niederbayerischen Rentnerinnen schneiden sogar noch schlechter ab als alle anderen Frauen in den anderen sechs Regierungsbezirken: Mit nur 501 Euro wird die durchschnittlicher Rente in der Statistik der Staatsregierung angegeben und im Landkreis Landshut liegt das Alterseinkommen mit 496 Euro noch einmal unter dem niederbayerischen Schnitt. „Das reicht nicht zum Leben“, so die stellvertretende frauenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Ruth Müller. Ein Blick in den bayerischen Sozialbericht zeigt aber auch, dass alleinerziehende Frauen besonders von Altersarmut bedroht sein werden: 41 Prozent werden als „armutsgefährdet“ eingestuft.

„Dabei wäre in Bayern genug für alle da“, stellt Müller fest. Denn der Bericht zur sozialen Lage zeigt auch: Die Wirtschaft prosperiert. Zwischen den Jahren 2000 und 2013 stieg das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner in Bayern um 21 Prozent. Damit hatte der Freistaat das stärkste Wirtschaftswachstum aller Bundesländer.

Die Frauenarmut hat verschiedene Gründe, so Müller. Frauen verdienen noch immer weniger als Männer in vergleichbaren Berufen und sie bleiben familienbedingt häufiger bei den Kindern zu Hause. Vor allem in der Familienphase verfestigen sich die Unterschiede in den Arbeitszeiten und ein Großteil der Paare wählt das „Zuverdiener-Modell“ mit vollzeitbeschäftigtem Mann und teilzeitbeschäftigter Frau. Während Vollzeitbeschäftigte mit zunehmender Erwerbserfahrung von steigenden Lohnzuwächsen profitieren können, fallen diese bei Teilzeitbeschäftigten prozentual deutlich niedriger aus. Und Erwerbsunterbrechungen führen zu Lohneinbußen beim Wiedereinstieg in das Berufsleben.

„Die Zahl der vollzeitbeschäftigten Frauen ging laut Bundesarbeitsministerium zwischen 2001 und 2014 um knapp eine Million auf 7,5 Millionen zurück“, weiß Müller. Und 5,3 Millionen weibliche Beschäftigte hatten ausschließlich einen Minijob.

Über die Jahre hinweg zahlen die Frauen zu wenig selbst in die Rentenkasse ein. Die Einführung des Landesbetreuungsgeldes wird die bisherigen Strukturen verfestigen. Dabei wäre es wichtig, Frauen zu fördern, um den Wiedereinstig in den Beruf zu finden, Fortbildungen wahrnehmen zu können und die Arbeitszeit als Familienarbeitszeit aufzuteilen. Eine verlässliche Kinderbetreuung ist ein weiterer wichtiger Baustein in der Familienpolitik, hier sieht Müller insbesondere im Bereich der Ferienbetreuung der Schulkinder noch Ausbaubedarf. „Minijobs sind kein Einstieg in das Berufsleben, sondern werden oft zum Regelfall“, so Müller. Immerhin habe die Einführung des Mindestlohns dazu beigetragen, dass mehr sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze anstelle der Minijobs entstanden seien. Prekäre Arbeitsverhältnisse, insbesondere in den sogenannten Frauenberufen, müssten ein Ende haben. „Wir brauchen vor allem einen Wandel der sozialen Normen in der Gesellschaft, damit Frauen die Notwendigkeit ihrer finanziellen Unabhängigkeit erkennen und auch danach handeln können“, fordert Ruth Müller. Dazu müssten die tradierten Rollenbilder durch staatliche Anreize geändert werden.

Homepage Ruth Müller